Stadtteil-Check

Leithe hat Probleme: Stadt und Politik müssen gegensteuern

Gudrun Altgassen, Jürgen Abstins und Anke Pause (v.l.) vor der geschlossenen Grundschule an der Bertramstraße.

Gudrun Altgassen, Jürgen Abstins und Anke Pause (v.l.) vor der geschlossenen Grundschule an der Bertramstraße.

Foto: Kerstin Buchwieser

Leithe.   Im Stadtteil-Check der WAZ schneidet Leithe schlecht ab. Das liege vor allem an der Politik und an der Verwaltung, meinen engagierte Bürger.

Kaum ein Viertel in Bochum schneidet in der Beurteilung der Einzelfragen schlechter ab als Leithe (7733 Einwohner). Mit einer Durchschnittsnote von 3,54 liegt Leithe auf dem vorletzten Platz unter allen Stadtteilen. Das ergab nicht nur der Stadtteil-Check der WAZ, auch in der Befragung engagierter Bürger wurden viele Schwachpunkte aufgelistet.

Nicht zu Unrecht, wie der Rundgang des Redakteurs mit Gudrun Altgassen, Jürgen Abstins und Anke Pause ergibt. Die Fehler der Kommune in den vergangenen Jahren sind unübersehbar. „Die Stadt hat es geschafft, enorme Probleme zu schaffen. Dabei gibt es hier große Entwicklungspotenziale. Leithe ist ein schlafender Riese“, sagt Gudrun Altgassen (54). Die Ärztin ist Vorsitzende des Vereins „Bündnis Leithe“, der sich seit Jahren ums Gegensteuern bemüht. „Die Stadt hat oft angekündigt, was sich ändern soll – passiert ist kaum ‘was.“

Schulschließung als großes Problem

Ausgangspunkt der Probleme sei die Schließung der Grundschule Bertramstraße vor sechs Jahren, nach dem Beschluss der rot-grünen Ratsmehrheit – gegen den Widerstand von Eltern und Schulleitung. Die Schülerzahlen sind aber gestiegen. Und die Kinder aus Alt-Leithe müssen seitdem lange Wege zum neuen Standort Schulstraße zurücklegen, der aus allen Nähten zu platzen droht. Die teils chaotische Situation, wenn Eltern ihren Nachwuchs morgens dort hinfahren und am Nachmittag abholen, ist weiterhin ein großes Problem; auch für die Anwohner. „Die Sanierung der Grundschule Bertramstraße hätte die Stadt einige hunderttausend Euro gekostet. Doch die Folgekosten für den gemeinsamen Schulstandort liegen um ein Vielfaches höher“, so Gudrun Altgassen.

Kita lässt auf sich warten

Die ehemalige „Hollandschule“ hat die Stadt vor sechs Jahren geschlossen, um hier über die Awo als Träger eine Kita zu errichten. Passiert ist seitdem nichts, die Fläche verkommt. Worunter auch das Umfeld leidet. „Stadtentwicklung sieht anders aus. Der Oberbürgermeister sollte seinen Worten auch Taten folgen lassen“, sagt Altgassen. Politik und Verwaltung erhalten insgesamt von dem Trio eine 5.

Der Kommunalfriedhof wurde „auslaufend“ geschlossen. „Unsere Hoffnung ist, dass die Stadt diese Fläche nutzt, um den Bürgern hier Ziele im Grünen zu geben. Das Areal ist groß genug“, erklärt Anke Pause.

Freizeitmöglichkeiten sind gut

Die Freizeitmöglichkeiten bewertet Jürgen Abstins positiv, nicht nur als Geschäftsführer des Fußballvereins Rot-Weiß Leithe. „Auch für Radfahrer und Spaziergänger gibt es schöne Ecken. Die Erzbahntrasse samt Himmelstreppe liegt nicht weit entfernt. Ein Teilstück des Radschnellwegs RS 1, der hinter dem Lohrheidestadion entlang führt, ist in Arbeit.“ Dafür vergibt er insgesamt eine 2-, er sieht die Situation deutlich besser als in der Leserbefragung der Fall.

Es gibt mehrere Möglichkeiten, sich fernab sportlicher Aktivitäten zu betätigen. Das liege vor allem an der katholischen und evangelischen Gemeinde, „die viele Angebote bereit halten – nicht nur die Vesper-Ecke vor der Kirche St. Johannes, die zum Verweilen einlädt. Und beide Gemeinden unterhalten Kindergärten. Hoffentlich auch in den nächsten Jahren“, betont Gudrun Altgassen.

Gastronomie und Einzelhandel hätten aber gelitten, vertraute Läden und Kneipen seien verschwunden. Dafür erhält Leithe vom Trio nur eine 4+. Ausbaufähig seien besonders auch die Angebote für Senioren – deshalb gibt es dafür lediglich eine 4. „Es fehlen hier vor allem seniorengerechte Wohnungen“, so Altgassen.

Sauberkeit als Kritikpunkt

Was bemängelt wird, ist die Sauberkeit. „Hier gibt es Ecken, wo die Stadt häufiger den Müll wegräumen muss“, erklärt Jürgen Abstins. „Leider entsorgen immer mehr Mitbürger ihren Abfall am Straßenrand. Traurig genug.“ Deshalb lautet sein Urteil 4.

Positiv bewertet das Trio das Gemeinschaftsgefühl, dafür gibt es eine 2. „Das ist deutlich besser, als es in der Leserbefragung beurteilt wird. Die engagierten Bürger halten zusammen“, sagt Anke Pause.


Polizei müsste mehr Präsenz zeigen

Die medizinische Versorgung bewertet das Trio mit 2, vor allem wegen der Nähe zur Innenstadt, wo viele Ärzte und Apotheken sind. Den Nahverkehr beurteilen sie mit 3+, die beiden Buslinien 389 und 365 seien ausreichend. Im Bereich Sicherheit vergeben sie nur eine 4: „Es gibt vermehrt Einbrüche. Die Polizei müsste mehr Präsenz zeigen, auch durch einen Bezirksbeamten“, sagt Jürgen Abstins.

>>> Wir vertiefen die Ergebnisse der Befragung

Die Stadtteil-Redaktion vertieft aktuell die Einzelergebnisse unseres Stadtteil-Checks. An der Leserbefragung hatten sich zwischen Ende September und Mitte November 2018 insgesamt 5535 Leserinnen und Leser beteiligt, indem sie für ihren Stadtteil Schulnoten in 13 Kategorien vergaben. Leithe wurde von 44 Teilnehmern bewertet.

Wir greifen Aspekte aus der Beurteilung auf und fragen Sie: Wie liebenswert ist Ihr Stadtteil? Warum leben Sie gerne hier? Wo gibt es Defizite? Ihre Meinung ist weiterhin gefragt! Schreiben Sie uns per E-Mail an stadtteile.bochum@waz.de

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