Stadtteil-Check

Höntrop bleibt trotz großer Veränderungen weiter lebenswert

Diese Familie kennt sich in Höntrop gut aus: (v.l.) Anna-Lena, Martin, Ursel und Ines Hermbusche.

Diese Familie kennt sich in Höntrop gut aus: (v.l.) Anna-Lena, Martin, Ursel und Ines Hermbusche.

Foto: Gero Helm

Höntrop.  Im Stadtteil-Check mit Lesern schneidet Höntrop nicht überall gut ab. Gelobt wird die medizinische Versorgung, kritisiert der Parkplatzmangel.

Ein überwiegend positives Urteil stellen die WAZ-Leser ihrem Stadtteil aus. Besonders gut schneidet die medizinische Versorgung ab, Höntrop zählt in dieser Benotung zu den fünf besten Stadtteilen in Bochum. Eine Bewertung, die Ursel Hermbusche nur bestätigen kann. „Ärzte und Apotheken gibt es hier genug“, betont die 74-Jährige, die als „Urgestein“ gilt.

Über Jahrzehnte hat sie in mehreren Funktionen Höntrops Entwicklung miterlebt – weg vom einst dörflich-überschaubaren Ortsteil im ländlich geprägten Wattenscheider Süden, hin zum großen Bochumer Stadtteil mit über 17.000 Einwohnern. Sie hat erlebt, wie auf der grünen Wiese Wohnviertel entstanden und alteingesessene Geschäfte verschwunden sind. Wie sich die Gemeinschaft verändert hat, ohne anonym zu werden.

Der Zusammenhalt ist weiterhin groß

„Geblieben ist der Zusammenhalt der aktiven Bürger und Vereine. Wer sich einbringen will, findet immer Möglichkeiten“, sagt Ursel Hermbusche mit Blick auf die Vereinsvielfalt. Das reicht vom Gänsereiterclub über die Feuerwehr bis zu den Sportvereinen. „Was uns derzeit aber fehlt, ist das Südpark-Bad. Keine Riesen-Spaßanlage muss da hin, sondern ein modernisiertes Schwimmbad.“

Über Jahrzehnte im Verein engagiert

Über vier Jahrzehnte lang war sie im Vorstand des Turnbund Höntrop tätig, mit mehr als 1000 Mitgliedern einer der größten Vereine der Stadt. Sie hat 35 Jahre lang mit ihrem Mann eine Tankstelle an der Ecke Hellweg/Westfälische Straße betrieben. Ruhestand kennt sie nicht, arbeitet in der Cafeteria des Altenheims an der Vincenzstraße und engagiert sich hier ehrenamtlich im Seniorenbegleitdienst.

Das Ärztehaus zieht viel Kfz-Verkehr an

Auf ihrem Rundgang durch Höntrop mit dem WAZ-Redakteur begleitet sie Sohn Martin (48), dessen Ehefrau Ines (53) und deren Tochter Anna-Lena (19). Drei Generationen, die sich in Höntrop bestens auskennen. Es geht erstmal zum S-Bahnhof. Da wird gleich eine Problem-Ecke deutlich: Das neue Ärztehaus hat das medizinische Angebot ausgebaut, doch zieht die Einrichtung auch viel Kfz-Verkehr an – das in einem Bereich, der schon stark frequentiert ist. „Einen Parkplatz zu ergattern, ist in den Stoßzeiten fast unmöglich“, kritisiert Ines Hermbusche.

„Wenn mit der Verlagerung von zwei Regionalexpress-Linien vom Wattenscheider Bahnhof nach Höntrop zusätzliche Züge am S-Bahnhof halten, ist das Chaos programmiert. Wo sollen diese Autofahrer parken?“ Und: Die Kreuzung an der Hönnebecke sei jetzt schon überlastet, „vor allem morgens und nachmittags“.

Es fehlen Parkplätze

Den Plan der Stadt, das dortige Jugendheim abzureißen und Richtung Vincenzstraße zu verlagern, um auf der Fläche ein Parkhaus zu errichten, beurteilt Martin Hermbusche skeptisch: „Das reicht nicht aus.“ Als Anwohner der Emilstraße – die Gleise in Sichtweite – sieht er noch ein anderes Problem: „Der Lärm wird zunehmen durch die zusätzlichen Züge und die geplante Taktverdichtung bei den S-Bahnen. Lärmschutzmaßnahmen hat die Bahn aber nicht vorgesehen.“

Gastronomisches Angebot ausbauen

Tochter Anna-Lena wünscht sich einen Ausbau des gastronomischen Angebots in Höntrop. Sie begrüßt die Ansiedlung des „Café del Sol“ am Wattenscheider Hellweg. „Das wird für Abwechslung sorgen.“ Und teilt den Wunsch ihres Vaters, die Stadt solle die Freifläche Auf dem Esch für Großevents wie Zelt- und Bürgerfeste erhalten. „Das hilft, die Höntroper Gemeinschaft zu stärken.“ Das Gemeinschaftsgefühl bewertet Familie Hermbusche besser, als es die Leser im Stadtteil-Check tun; hier gab es eine „3-“.

Keine guten Noten für Politik und Verwaltung

Ähnlich wie in der Leserbefragung wird aber der Einsatz von Politik und Verwaltung für Höntrop bewertet: Die „4+“ zeigt, dass es hier Defizite gibt. „Informationen sollten besser nach außen getragen und transparenter gemacht werden. Probleme müssen schneller angegangen werden. Die Bürger sollten verstärkt mit ins Boot geholt werden, die Bereitschaft ist da“, meint Martin Hermbusche, der in vielen Vereinen aktiv war und ist.



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Die Bochumer Stadtteil-Redaktion vertieft fortan die Einzel-Ergebnisse des WAZ-Stadtteil-Checks.

An der Leserbefragung hatten sich zwischen Ende September und Mitte November 2018 insgesamt 5535 Leserinnen und Leser beteiligt, indem sie für ihren Stadtteil Schulnoten in 13 Kategorien vergaben. Zu allen Analysen.

Höntrop wurde von 197 Teilnehmern bewertet. Zu den Noten für Höntrop.

Wir greifen Aspekte aus der Beurteilung auf und fragen Sie: Wie sehen Sie Ihren Sprengel? Was gefällt ihnen an Ihrem Stadtteil, was sollte verbessert werden? Geben Sie Ihrem Stadtteil eigene Noten und zeigen Sie uns Ihre Nachbarschaft. Schreiben Sie uns an stadtteile.bochum@waz.de.

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