Stadtteil-Check

Gerthe zeigt grüne Seiten, aber auch städtebauliche Sünden

Die Eheleute Evelyn und Klaus Gesk am Gut Heckhuesen. Von hier aus starten sie gerne zu längeren Wanderungen, gerne auch mit ihrem Hund: „Es ist wie im Urlaub hier.“

Die Eheleute Evelyn und Klaus Gesk am Gut Heckhuesen. Von hier aus starten sie gerne zu längeren Wanderungen, gerne auch mit ihrem Hund: „Es ist wie im Urlaub hier.“

Foto: Dietmar Wäsche

Gerthe.   Im Stadtteil-Check mit Lesern schneidet Gerthe ganz gut ab. Beim Spaziergang zeigen die Eheleute Gesk ihre Lieblingsorte, haben aber auch Kritik.

Der Stadtteil Gerthe hat in der Wahrnehmung vieler Bochumer keine so hohe Lebensqualität wie der Süden der Stadt. Seit langem wird versucht, insbesondere das Zentrum aufzupeppen. Dabei schneidet Gerthe bei der Bewertung der WAZ-Leser im Stadtteil-Check ganz gut ab: Fünfmal gab’s die Note gut, achtmal ein befriedigend. Doch fragt man die Eheleute Gesk, so müsste in den meisten Kategorien eine Eins vorne stehen. Beide engagieren sich ehrenamtlich im Seniorenbüro Nord und gehören dem Gerther Treff an. Der Verein ist bestrebt, das Miteinander der Menschen im Stadtteil zu fördern.

„Gerthe ist und bleibt meine Heimat, ich möchte gar nicht woanders leben“: Evelyn Gesk (66) bricht die Lanze für ihren Stadtteil. Das meiste sei fußläufig gut erreichbar, der Wohnbereich sei umrahmt von Grün. „Wir haben hier wunderschöne Spazierwege im Naturschutzgebiet. Gerthe ist wie eine kleine Stadt für sich.“ Gerthe könne mit viel Grün als Pfund wuchern. „Wir haben alte Bauernhöfe wie das Gut Heckhuesen, von wo aus Wanderschaften möglich sind.

Zeittakte beim Nahverkehr erhöhen

Um beim Nahverkehr mehr Menschen zum Umstieg zu bewegen, schlägt Klaus Gesk (70) vor, die Takte in den Stoßzeiten zu erhöhen. Die WAZ-Leser gaben der Nahverkehrsanbindung Gerthes die Note 2,07. Klaus Gesk hält dagegen: Die Verbindung nach Bochum, Castrop und Herne ist gut, die nach Dortmund aber nicht direkt vorhanden.

Bei den Einkaufsmöglichkeiten schneidet Gerthe gut ab (Note 2,14). Dem stimmen auch die Eheleute zu. „Wir haben viele Supermärkte, aber das Gelände ist total verbaut. Der Durchgang von der Bethanienstraße ist für Passanten viel zu unscheinbar“, findet Evelyn Gesk und muss einem Pkw ausweichen, der in eine Parklücke schert. Doch in der Fußgängerzone gebe es zu viele Leerstände. Hier müsste einiges getan werden. Die schlechtesten Noten geben die Gesks dem Marktplatz. Er sollte mehr Aufenthaltsqualität bekommen.

Beim Gemeinschaftsgefühl (befriedigend) sehen die Gesks Gerthe auf gutem Weg. „Was fehlt, ist mehr Nachbarschaft.“ Durch das Seniorenbüro und das Engagement des Gerther Treffs habe sich schon mehr Zusammenhalt entwickelt, wie bei „Kaffee anne Bude“ und Veranstaltungen im Marktgarten.

Zufrieden sind die WAZ-Leser – genau wie Evelyn und Klaus Gesk – mit der medizinischen Versorgung und der Sicherheit im Stadtteil. In Sachen Kinderfreundlichkeit (2,99) gebe es ein Defizit für die älteren Schulkinder: „Sport- und Freizeitflächen fehlen.“

Das einzige „ausreichend“ bekommen Politik und Verwaltung. Klaus Gesk sieht aber positiv, dass es mehr Bürgerbeteiligung bei Vorhaben gebe.

Konzept für den Marktgarten

Auch Bezirksbürgermeister Henry Donner (SPD) findet Gerthe lebenswert. „Das einzige Manko ist tatsächlich der Marktgarten. Da entwickeln wir derzeit mit dem Gerther Treff und der Anne-Frank-Realschule ein Konzept, um mehr Aufenthaltsqualität zu erreichen.“

Zudem soll die Trennung zwischen Einkaufszentrum und Fußgängerzone aufgehoben werden. Im Magen liegt ihm seit langem auch die Schrottimmobilie „Alte Apotheke“ am Castroper Hellweg, „Ziel ist es, das Haus zu erwerben, abzureißen und den Weg für eine ansehnliche Bebauung zu ebnen.“

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