Stadtteil-Check

Was in Weitmar-Mark „gut“ ist – und was „eine Katastrophe“

Die dörfliche Gemeinschaft schätzt Alfons Stiewe (83) in Weitmar-Mark, die Natur in direkter Nähe, die Versorgung, und die Busverbindungen. Verbesserungswürdig sind für ihn Details aber trotzdem. Foto:Gero Helm

Die dörfliche Gemeinschaft schätzt Alfons Stiewe (83) in Weitmar-Mark, die Natur in direkter Nähe, die Versorgung, und die Busverbindungen. Verbesserungswürdig sind für ihn Details aber trotzdem. Foto:Gero Helm

Weitmar-Mark.   Beim Stadtteil-Check gaben die Teilnehmer Weitmar-Mark in fünf Kategorien Top-Noten. Einwohner Alfons Stiewe hat dennoch einiges zu kritisieren.

Alle paar Meter grüßt er, nennt Namen, winkt, wird angesprochen. Alfons Stiewe kennt Weitmar-Mark wie nur wenige andere, dabei stammt er eigentlich aus der Ecke Wegescheid, was Unkundige wohl „Speckschweiz“ in Hamme nennen. Aber mit inzwischen stattlichen 83 Lenzen ist er sicherlich ein Pohlbürger hier im Südwesten.

Dabei war die Gegend hier „fast unerforscht“, meint Stiewe heute schmunzelnd, als er 1964 herkam. Und hat sich seitdem schwer gewandelt. Immer geblieben ist die Markstraße, die so etwas wie die Hauptschlagader der Gegend ist. Mit dem Mehrzweckstreifen in der Mitte haben sich die Nachbarn immer noch nicht abgefunden, weiß er aus vielen Gesprächen.

Mittelstreifen oft zugeparkt

„Allein deshalb, weil ich nie ein Auto gehabt habe und immer zu Fuß unterwegs bin, bin ich über die Jahre natürlich mit vielen Menschen in Kontakt, ins Gespräch gekommen“, erzählt er. Und grüßt wieder ein vorbeigehendes Paar.

Für die Fußgänger ist der Mehrzweckstreifen immer wieder einmal „eine Katastrophe“, grollt Stiewe, wenn Lieferwagen in der Mitte entladen werden oder eilige „Nur mal eben“-Kunden dort parken. „Kommt man kaum noch über die Straße“, meint Stiewe. „Und: Die kommen dann ja nicht mal von hier.“

Engstelle Roomersheide

„Katastrophe“, den Begriff nimmt er gleich noch einmal, und meint damit nicht nur die Verkehrssituation an der Engstelle ein Stück weiter an der Roomersheide oberhalb vom Sportplatz. „Was da jetzt gebaut wird, da ist ja wohl die hässlichste Kaserne noch schöner“, meint er kopfschüttelnd.

Die Identität, das Stadtteilbild über die Häuser, die ist ihm über die Zeit etwas verloren gegangen, wenn irgendwo ‘was abgerissen wird, kommt ein nüchterner, viereckiger Klotz hin. „Wie jetzt bei Bednarz“, zeigt Stiewe über die Straße. „Ach ja, und ein Blumenladen fehlt uns jetzt schon.“

Verkehr und Einkauf werden gut beurteilt

Das ist aber auch die Ausnahme, Schulen gibt es in direktem Umkreis, Spielplätze, Ärzte, Apotheken - nicht umsonst Note „gut +“ (s. unten). Bei den Geschäften räumt Stiewe ein, das sei natürlich Geschmackssache: „Als Tengelmann noch hier war, der war besser.“

Die Verkehrsverbindungen halten auch seinem kritischen Blick stand - überwiegend. „Dass der eine Bus nur einmal pro Stunde fährt, und sonntags erst ab 12, das ist natürlich überhaupt nicht gut.“ Er meint, gerade für die ÖPNV-Nutzer, die zu einem der Friedhöfe in Weitmar-Mitte wollen.

Die Nähe zum Weitmarer Holz

„Immerhin haben wir über den Kirchenvorstand und die Bezirksvertretung vor Jahren Klinken geputzt, bis die Bogestra die Busverbindungen verbessert hat.“

Ein „Pfund“, mit dem Weitmar-Mark punkten kann, ist auch die Nähe zum Weitmarer Holz, gleich hinter der Sportanlage. „Vor allem für junge Familien mit Kindern“, ist er überzeugt.

Der Zeitgeist, räumt Stiewe ein, hat auch hier nicht Halt gemacht. Immer mehr kleine Geschäfte verschwinden, die Kneipen an der Ecke, die Treffpunkte. „Aber noch sind ja wenigstens die beiden Kirchen im Dorf.“

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  • Die Bochumer Stadtteil-Redaktion beleuchtet fortan die Einzel-Ergebnisse unseres Stadtteil-Checks.
  • An der Leserbefragung hatten sich zwischen Ende September und Mitte November 2018 insgesamt 5535 Leserinnen und Leser beteiligt, indem sie für ihren Stadtteil Schulnoten in 13 Kategorien vergaben. Zu allen Analysen.
  • Weitmar-Mark wurde von 177 Teilnehmern bewertet. Zu den Noten.
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