Stadtteil-Check Werne

Der Aufschwung in Bochum-Werne kommt nur schleppend in Gang

Sorgen sich um „ihr“ Werne: (von links) Torsten Dahlhaus, Rainer Dutsch und Kurt Mittag.

Sorgen sich um „ihr“ Werne: (von links) Torsten Dahlhaus, Rainer Dutsch und Kurt Mittag.

Foto: Dietmar Wäsche / FUNKE Foto Services

Bochum-Werne.   Der Stadtteil-Check zeigt: In Werne fehlt es an Vielem. Vor allem am Gemeinschaftsgefühl. Doch es besteht auch Grund zur Hoffnung auf Besserung.

Mit dem Prozess zur Stadtteilerneuerung, der vor zwei Jahren angestoßen wurde, tut sich in Werne was. Und doch ist die Stimmung mies, wie die Noten im Stadtteil-Check widerspiegeln. In Bochums Ostzipfel fehlt es demnach an Vielem. Ganz besonders am Gemeinschaftsgefühl. Stadtweit landete man in der WAZ-Befragung in dieser Kategorie auf dem fünftletzten Platz.https://www.waz.de/staedte/bochum/stadtteil-check/stadtteil-check-zeugnis-bochum-werne-id216188639.html

Torsten Dahlhaus, Rainer Dutsch und Kurt Mittag wundert das nicht. Die drei kennen sich gut. Dahlhaus, einer der wenigen verblieben Gastronomen im Ort, und Dutsch über den MGV Cäcilia. Mittag leitet den Ludwig-Steil-Haus-Verein und ist darüber bestens bekannt in Werne. Doch mit der allgemeinen Vernetzung im Stadtteil sei es nicht weit her, klagt das Trio.

„Das Glas ist in Werne immer halb leer“

„Es gibt in Werne so viele Vereine“, sagt Torsten Dahlhaus, „aber die meisten kennt kaum einer.“ Es fehle an Öffentlichkeitsarbeit. Und generell im Stadtteil an der Bereitschaft, sich zu engagieren. „Es wird hier immer sehr gerne gemeckert, aber wenig getan, um die Situation zu verbessern“, findet Dahlhaus und bekommt von seinen beiden Gesprächspartnern Zustimmung. „Das Glas ist in Werne immer halb leer.“

Was an den vielen Problemen zu tun haben wird, mit denen Werne zu kämpfen hat. „Fast die Hälfte der Werner Bürger lebt am Existenzminimum“, weiß Kurt Mittag zu berichten. Damit beginne die Negativspirale, die sich drehe und drehe, ergänzt Torsten Dahlhaus. „Denn ohne finanzstarkes Publikum fehlt die Kaufkraft, dies führt zu den vielen Leerständen im Ortskern, das wiederum macht Werne unattraktiv“, sagt Dahlhaus und fordert auf: „Gehen Sie doch mal über den Werner Hellweg. Das sieht doch aus wie eine Geisterstadt. Die leeren Schaufenster sorgen für eine trostlose Atmosphäre, da glaubt man ja gar nicht, dass man hier einkaufen kann.“

Gute ÖPNV-Anbindung, aber schlechte Taktung

Und das geht tatsächlich. Dinge des täglichen Bedarfs gibt’s entlang des Werner Hellwegs durchaus. Rewe, Netto, der Aldi – die Nahversorgung ist gesichert. Und soll die Auswahl mal größer sein, ist der Ruhr-Park wirklich nicht weit.

Auch verkehrlich sehen Dahlhaus, Dutsch und Mittag den Stadtteil gut angebunden. „Man ist schnell auf der Autobahn“, sagt Dutsch. „Und genug Busse fahren auch.“ Für Mittag könnten sie dies allerdings weitaus öfter tun. „Der Weg zur Uni und in die Stadt dauert schon sehr lang.“ Seine Hoffnung ruht auf dem „Netz 2020“ von Stadt und Bogestra, das ab Dezember greift. „Dann soll es bessere Taktungen geben.“https://www.waz.de/staedte/bochum/stadtteil-check/alle-bochumer-stadtteil-check-zeugnisse-in-der-uebersicht-id216188395.html

Besser könnte auch das gastronomische Angebot sein. „Wir hatten in Werne mal 56 Gastro-Betriebe“, erzählt Torsten Dahlhaus, der das Stammhaus Abel führt. „Heute sind es gerade mal noch vier.“ Wohlwollend gerechnet. Auch in diesem Bereich mache sich das strukturelle Problem Wernes bemerkbar: „Es fehlt einfach die Kaufkraft.“

Wesentlich besser als im Stadtteil-Check benotet sei Werne in Sachen Seniorenfreundlichkeit, Sicherheit und Kommunalpolitik aufgestellt. „Über die Vereine und Gemeinden gibt es viele Angebote für ältere Menschen“, findet Torsten Dahlhaus. Fast alle Geschäfte seien ebenerdig erreichbar. Die medizinische Versorgung sei top, das Senioren-Netzwerk funktioniere und bald werde an der Krachtstraße ja auch ein neues Altenheim gebaut.

Lob für die Arbeit der Kommunalpolitiker

Sicher fühlen sich in Werne alle drei. Rainer Dutsch: „Man kann hier abends über den Werner Hellweg gehen – da passiert nichts.“ Auch Einbrüche gebe es wenig. „Da stimmt die subjektive Wahrnehmung nicht“, findet auch Torsten Dahlhaus. Im Stadtteil-Check belegt Werne in der Kategorie Sicherheit im Stadtvergleich den vorletzten Platz.

Auch die Note für die Arbeit der Lokalpolitiker (4+) findet bei dem Trio wenig Anklang. „Über alle Parteien hinweg arbeiten hier alle prima zusammen“, findet Kurt Mittag, der bei seinen Veranstaltungen im Bürgertreff des Ludwig-Steil-Haus-Vereins stets viele Politiker begrüßen kann. Torsten Dahlhaus bezeichnet die Lokalpolitik als „sehr bürgernah“.

Nah am Bürger präsentieren sich auch die Mitarbeiter des Stadtteilbüros, die den Stadterneuerungs-Prozess in Werne begleiten. „Das macht wirklich Hoffnung“, lobt Rainer Dutsch. „Dadurch sehen wir langsam ein Licht am Ende des Tunnels und hoffen, dass Werne die Talsohle durchschritten und der Aufschwung begonnen hat.“

Modernisierte Spielplätze verändern das Stadtteilbild positiv

Allein die vielen inzwischen modernisierten Spielplätze hätten das Stadtteilbild positiv verändert, hebt Rainer Dutsch hervor und fügt lachend an: „Ich muss es wissen, ich habe inzwischen Enkel“. Für diese und den Rest der Werner sei das Freizeitangebot insgesamt besser als es die Note im Stadtteil-Check widerspiegelt: „Auch wenn das Freibad jetzt für drei Jahre stillgelegt wurde – es gibt hier so viele Vereine, den Werner Park, die Werner Teiche. Was will man mehr?“ Für Dutsch hängt die Bewertung auch immer von der Erwartungshaltung ab.

Neuer Schwung im Werner Treff

Sabra Kathal vom Stadtteilbüro sieht die Lage in Werne insgesamt nicht ganz so düster: „Sehr viele Menschen hier greifen auf, was wir mitbringen und anbieten und beteiligen sich.“ Das zeigten auch die viele Anträge für den Verfügungsfonds, über den eine Bürgerjury Bürgerprojekte finanziell unterstützt. Im Werner Treff, wo monatlich Vereinsvertreter zusammenkommen, ist das Stadtteilmanagement inzwischen durch Karsten Höser vertreten. „Da kommt insgesamt jetzt mehr Schwung rein, auch durch neue, jüngere Leute“, findet Torsten Dahlhaus. „Es ziehen auch wieder mehr Familien nach Werne. Vielleicht kriegen wir ja jetzt wirklich die Kurve.“

Leserkommentare (2) Kommentar schreiben