Stadtteil-Check

Wo Stiepel beim Stadtteil-Check die Nase vorn hat

Andrea Kickstein vor der Stiepeler Dorfkirche, zu der sie seit Kindertagen eine besondere Beziehung hat. Die besten Bewertung erhielt Stiepel beim Stadtteil-Check die Bestnote auf die Frage „Wie gern leben Sie in Ihrem Stadtteil? Welche Gesamtnote geben Sie diesem?“.

Andrea Kickstein vor der Stiepeler Dorfkirche, zu der sie seit Kindertagen eine besondere Beziehung hat. Die besten Bewertung erhielt Stiepel beim Stadtteil-Check die Bestnote auf die Frage „Wie gern leben Sie in Ihrem Stadtteil? Welche Gesamtnote geben Sie diesem?“.

Foto: Ingo Otto

Bochum-Stiepel.  Wie gern leben Sie in Ihrem Stadtteil? Bei dieser Frage des Stadtteil-Checks erhielt Stiepel die beste Note. Andrea Kickstein weiß, warum.

Wo man gut lebt, wo man gern lebt – da ist Stiepel! Unangefochten geht der Stadtteil an der Ruhr, übrigens Bochums größter, als Spitzenreiter aus dem WAZ-Stadtteilcheck hervor. Als gebürtige Stiepelerin wundert Andrea Kickstein das nicht. Sie kann sich nichts Besseres vorstellen, um in Bochum zu leben: „Hier ist mein Umfeld, hier kenne ich viele Leute. Stiepel ist für mich Heimat!“

An der Dorfkirche sind wir zum WAZ-Gespräch verabredet, denn zu dem historischen Gotteshaus hat die 49-Jährige eine besonders innige Beziehung. Ihre eigene Konfirmation, ihre Hochzeit, die Konfirmation der Kinder, familiäre Todesfälle – „die Dorfkirche spielte für mich von Kindesbeinen an eine wichtige Rolle“, sagt Andrea Kickstein.

So heimelig und idyllisch wie es rund um den 1000 Jahre alten Sandsteinbau auch sein mag, in Stiepel-Dorf zu wohnen, das wäre für die Bochumerin nicht erste Wahl. „Die Anbindung ist nicht so gut, der Bus fährt nur einmal in der Stunde“, sagt Andrea Kickstein. „Und auch die Geschäfte, die es hier früher gab, sind längst zu.“

Damit sind auch bereits zwei Aspekte benannt, die das schöne Stiepel im WAZ-Check nicht so gut abschneiden lassen.

Defizite bei Verkehrsanbindung und Handel

Bei „Verkehrsanbindung“ landet der Stadtteil weit abgeschlagen hinten, auch bei „Einkaufsmöglichkeiten“ reichte es nur zu einer Platzierung im Mittelfeld (Veröffentlichung aller Ergebnisse ab dem 15. Januar). Andrea Kickstein kann das bestätigen: „In Stiepel-Dorf sind keine Läden mehr, oben in ,Frische’ gibt es nur den neuen Rewe“, bedauert sie.

Sie ist nicht verwundert, dass viele Stiepeler deshalb über die „nördliche Grenze“ nach Weitmar-Mark fahren, um dort bei Aldi, Rewe und in den kleinen Fachgeschäften einzukaufen. Sie tut es nämlich selbst.

Stiepel war viel grüner als heute

Ganz weit vor liegt Stiepel in puncto „Freizeitmöglichkeiten“, ein Aspekt, den auch Andrea Kickstein schätzt. „Die Lage im grünen Bochumer Süden ist natürlich ein Pfund!“, bekräftigt die Stiepelerin, die oft am Kemnader See unterwegs ist, aber auch das Weitmarer Holz und das Lottental zum Spazierengehen schätzt.

So viel Grün „am Stück“ gibt’s sonst in Bochum nicht, das ist wohl wahr. Und doch ist Stiepel vor gar nicht allzu langer Zeit sogar noch viel grüner gewesen: „Vor allem durch den schon in den 1960er Jahren einsetzenden Bauboom hat sich der Stadtteil radikal verändert. Wo früher Felder und Wiesen waren, ist heute alles zugebaut“, weiß Bettina Hoffstiepel, Wirtin im Haus Spitz, deren Familie seit dem 14. Jahrhundert in Stiepel urkundlich erfasst ist.

Wohnen wird in Stiepel „zunehmend unbezahlbar“

Auf einen noch anderen Aspekt deutet Jürgen Stasing hin, Pfarrer der ev. Gemeinde: „Stiepel wird zunehmend ein Stadtteil, in dem das Wohnen unbezahlbar wird“, sagt der Geistliche.

Neu entstehende Häuser und Wohnanlagen seien für Durchschnittsverdiener kaum erschwinglich, weshalb Stasing mittelfristig die Gentrifizierung Stiepels (= Attraktivitätssteigerung für zahlungskräftigere Eigentümer, Verdrängung der ursprünglichen Bewohner) kommen sieht.

Ein bisschen in diese Richtung weist der Begriff „Königreich Stiepel“, der von Stiepelern als „selbstbewusst“ und von Nicht-Stiepelern auch schon mal als „arrogant“ ausgelegt wird. Andrea Kickstein hat damit aber kein Problem: „,Königreich Stiepel’ ist halt ein verbindender Begriff für alle, die hier leben. Das hat nichts mit Abgrenzung zu tun.“

Weitere Stadtteil-Check-Ergebnisse ab 15. Januar

Beim Stadtteil-Check der WAZ haben mehr als 6500 Teilnehmer ihren Bochumer Stadtteil mit Schulnoten von 1 (sehr gut) bis 6 (mangelhaft) bewertet. Sie hatten zwischen Ende September und Mitte November den Fragebogen auf waz.de/bochum oder in der gedruckten Lokalausgabe (Download am Textende) ausgefüllt. Bei der Auswertung wurden die Zeugnisse all derer berücksichtigt, die mindestens zehn von 14 Fragen beantwortet haben. Das waren 5535 Leserinnen und Leser.

Zum Auftakt der Auswertung stellen wir hier die Noten zur letzten Frage des Stadtteil-Checks vor (Wie gerne leben Sie in Ihrem Stadtteil? Welche Gesamtnote geben Sie diesem?). Ab Dienstag, 15. Januar, veröffentlichen wir die Einzelergebnisse zu den anderen zwölf Themengebieten, dazu Analysen der Umfrage-Ergebnisse und alle 30 Stadtteil-Zeugnisse mit der jeweiligen Noten-Übersicht. Die sind die ersten drei Themen, über die wir berichten werden:

  • Sicherheit (Dienstag, 15. Januar). Ergebnisse zur Frage: Wie beurteilen Sie die Sicherheit in Ihrem Stadtteil?
  • Seniorenfreundlichkeit (Samstag, 19. Januar). Ergebnisse zur Die Frage: Wie beurteilen Sie die Seniorenfreundlichkeit in Ihrem Stadtteil?
  • Parkplatzsituation (Dienstag, 22. Januar). Ergebnisse zur Frage: Wie ist die Parkplatzsituation in Ihrem Stadtteil?
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