Natur

Stadt Bochum rodet Mini-Wald aus Sicherheitsgründen

Stadtförster Martin Erben in dem Wäldchen, der bald nicht mehr da sein wird. Die Fällung ist sehr anspruchsvoll, weil die  Bäume entgegen ihrer Neigungsrichtung fallen müssen. Es wird mit Seilen und schwerem Gerät gearbeitet.

Stadtförster Martin Erben in dem Wäldchen, der bald nicht mehr da sein wird. Die Fällung ist sehr anspruchsvoll, weil die Bäume entgegen ihrer Neigungsrichtung fallen müssen. Es wird mit Seilen und schwerem Gerät gearbeitet.

Foto: ietmar Wäsche

Bochum.   Die Stadt Bochum wird in Dahlhausen einen Mini-Wald roden – aus Sicherheitsgründen. Doch das stößt auch auf Unverständnis in der Nachbarschaft.

In einem Wohngebiet in Bochum-Dahlhausen wird demnächst ein halber Wald gerodet. Er ist mit rund 3000 Quadratmetern zwar nur äußerst klein, trotzdem werden auf der Hälfte der Fläche rund 50 bis 100 Bäume gefällt, darunter bis zu 150 Jahre alte Buchen, eine ebenfalls sehr alte Eiche und zahlreiche, 40 bis 50 Jahre alte Eschen.

Stadtförster Martin Erben erklärt den Kahlschlag mit Sicherheitsgründen.

Für Kleintiere und Klima wichtig

Das städtische Wäldchen – die Stadt spricht nur von einer „Baumgruppe“ – liegt an der Fahrenheitstraße im hinteren Bereich einer dichten Wohnbebauung. Zum Spazierengehen ist es zu winzig und unwegsam, aber es ist von der Straße und vor allem den angrenzenden Privatgärten schön anzuschauen und auch für Kleintiere und das Klima wichtig. Im vorigen Sommer wurde es dort aber sehr gefährlich.

Eine 25 Meter hohe Buche stürzte um und begrub einen Teil eines Gartens und einen Zaun unter sich. „Das war schon ein Klopper“, sagt Erben über die Wucht des Baumes. Wenige Meter weiter stehen auch Kinderspielgeräte.

„Wir sind voll haftbar“

Der Vorfall war für Erben und Stadt ein Alarmzeichen. „Wir sind voll haftbar, wenn etwas passiert“, sagt er und betont, dass die Stadt in diesem Fall mitten im Konflikt zwischen Naturschutz und Verkehrssicherheit stehe. „Der Baum war faul und hatte Pilzbefall. Das Gleiche müssen wir auch an anderen Bäumen vermuten.“

Die Bäume würden beginnen, altersschwach zu werden. Hinzu kommt, argumentiert Erben, dass die hohen Buchen großteils direkt an einer sehr steilen Abbruchkante stehen, die den teilweise bereits frei liegenden Wurzeln nicht mehr genug Halt bietet. Tatsächlich neigen sich Stamm und Krone schon schräg gegen die Anliegergärten. Für Erben ist das alles zu riskant.

Pilz gefährdet Eschen

Anders als die Buchen stehen die Eschen zwar sicher, jedoch leiden sie unter dem landesweiten Eschentriebsterben. Durch einen Pilz würden sie perspektivisch absterben. Also kommen auch sie weg.

Erben weiß, dass viele Menschen das ärgert. Er sagt aber: „Grundsätzlich ist es immer einfach, Baumfällaktionen zu kritisieren, wenn man dafür keine Verantwortung tragen muss“. Wenn jemand zu Schaden käme, stünde der Staatsanwalt bei ihm vor der Tür.

Info-Briefe für die Anwohner

Anfang 2019 kommen die Baumfäller. Im Winter 2019/2020 soll dann an gleicher Stelle wieder aufgeforstet werden. „Wir erhalten den Wald“, verspricht Erben. Mit neuen Eichen und Vogelschutzgehölzen. Alles sei mit dem Naturschutzbeirat und anderen Gremien besprochen worden. Bedrohte Arten seien nicht berührt.

Anwohner zeigen aber zumindest teilweise Unverständnis über das Ausmaß der Fällung. „Eine Unverschämtheit“, sagt Helmut Krasberg. „Die Stadt hätte früher Pflegemaßnahmen treffen müssen. Man kann nicht warten, bis alle Bäume marode sind.“ Krasberg sagt auch: „Wehren kann man sich nicht.“

Krasberg wurde gestern von der WAZ über die Fällung informiert. Wenig später erschien Erben persönlich und warf Info-Briefe in die Briefkästen der Anwohner.

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