Baumfällungen

Stadt Bochum will für Straßenausbau komplette Allee fällen

Die Baumallee an der Straße Kesterkamp in Linden wird zugunsten des Straßenausbaus gefällt.

Die Baumallee an der Straße Kesterkamp in Linden wird zugunsten des Straßenausbaus gefällt.

Foto: Walter Fischer / FUNKE Foto Services

Bochum-Linden.  Die Straße Kesterkamp in Bochum-Linden wird erneuert. Dafür müssen 49 geschützte Alleebäume beseitigt werden. Einige gelten ohnehin als krank.

Die Straße Kesterkamp in Bochum-Linden ist wegen ihrer üppigen Baumallee ein Hingucker. Es wechseln sich sehr alte mit jungen Bäumen verschiedener Arten ab. Das Bild wird bald verschwinden: Die Stadt wird alle 49 Exemplare fällen lassen, weil die Fahrbahn neu ausgebaut wird und während der Bauarbeiten fürs Straßengrün kein Platz mehr bleibt. Zudem seien einige Bäume bereits vorgeschädigt.

Bochumer Naturschutzbeirat entscheidet

Die Bäume sind allesamt geschützt; um sie zu fällen, muss der Naturschutzbeirat gefragt werden, der am 27. Oktober zu einer Sitzung zusammenkommen wird. Schon jetzt wird signalisiert, dass sich das Gremium nicht dagegen sperren wird. Denn die Allee soll nach dem Ausbau ersetzt werden.

Die gesamte Verkehrssituation macht nach Ansicht der Verwaltung einen Umbau unumgänglich: Die zweispurige Straße gilt als wichtige Verbindung der stark frequentierten Hattinger Straße mit der Dr.-C.-Otto-Straße und ist eine häufig genutzte Abkürzung zum Stadtteil Dahlhausen. Hier finden sich ein Altenwohnheim, Apotheke, Ärztehaus und Seniorenwohnungen. Es mangelt an Stellplätzen, so dass die Autos zumeist am Fahrbahnrand abgestellt werden. Die Gehwegplatten sind, so das Umwelt- und Grünflächenamt, in manchen Bereichen aufgrund teils stark erhöhter Wurzelplateaus deutlich angehoben.

Zwei Fahrspuren, ein Radstreifen

Bei der Fahrbahn erfolgt ein Vollausbau; sie wird aufgeteilt in zwei Fahrspuren von je drei Metern Breite. Zudem wird es, wie bei jedem Straßenausbau üblich, wo genügend Platz bleibt, Radfahrstreifen geben, indes nur einseitig in westliche Fahrtrichtung mit einer Breite von 1,85 Metern.

Die Gehwege zu beiden Seiten werden ebenfalls erneuert, sie bekommen jeweils zwei Meter breites, graues Betonpflaster. Zwischen Gehweg und Fahrbahn soll ein 2,30 Meter breiter Streifen angelegt werden, der Platz bieten soll für Baumscheiben und Stellplätze. Sämtliche Übergangsbereiche der Gehwege in den Einmündungsbereichen der Nebenstraßen werden durch taktile Elemente barrierefrei hergestellt. Eine Querungsinsel wird erneuert.

Biologische Station begutachtet

Im Auftrag der unteren Naturschutzbehörde hat die Biologische Station östliches Ruhrgebiet die Allee begutachtet. Die gemischte Allee mit den Hauptbaumarten Esche, Birke, Bergahorn ist ca. 40 Jahre alt, zwei ältere Bäume (Robinie und Platane) wurden integriert. Zudem wurden weitere Bäume vor etwa 20 Jahren angepflanzt.

Nach Einschätzung der Biologischen Station sei die Allee gar nicht so prächtig; sie weise einige Lücken auf, ihre Struktur ist offen, ohne längs (innerhalb der Baumreihe) oder quer (über die Fahrbahn hinweg) geschlossenes Kronendach. Der visuelle Eindruck sei durch den Mischbestand der optisch leicht unterscheidbaren Arten Birke, Esche und Ahorn uneinheitlich.

Einige Bäume weisen Trockenschäden und eine erkennbar herabgesetzte Vitalität auf. Dies betreffe insbesondere vier Eschen, die massiv vom Eschentriebsterben gezeichnet seien. Eine Linde nahe der Kreuzung Dr.-C.-Otto-Straße sei wegen massiver Trockenschäden nicht mehr zu erhalten.

Die Umbaumaßnahmen werden, so das Umwelt- und Grünflächenamt, die Allee zusätzlich schädigen: Der Neubau des Gehweges und die Regulierung der Versorgungsleitungen durch Stadtwerke und Telekom stellen einen massiven Eingriff in den Wurzelbereich der Bäume dar. Bei den dafür notwendigen Tiefbauarbeiten gilt es als unvermeidbar, dass Halte- und Versorgungswurzeln entfernt werden. Dies gefährde die Standsicherheit der Bäume und führe mittelfristig zu einem Absterben der bereits durch Trockenheit und Eschentriebsterben vorgeschädigten Bäume.

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