Umwelt

Stadt Bochum warnt vor Asbest im Mauerputz älterer Gebäude

Bei Abbrucharbeiten mit Asbest sind Schutzanzüge und Atemschutzmasken für städtische Mitarbeiter bereits Pflicht. Nun gelten auch bei kleineren Arbeiten besondere Sicherheitsvorkehrungen.

Bei Abbrucharbeiten mit Asbest sind Schutzanzüge und Atemschutzmasken für städtische Mitarbeiter bereits Pflicht. Nun gelten auch bei kleineren Arbeiten besondere Sicherheitsvorkehrungen.

Foto: Dietmar Wäsche

Bochum.   Die Stadt warnt vor Asbest im Putz älterer Gebäude. Betroffen sind Häuser aus den Jahren 1960 bis 1995. Spezialbohrer sollen die Risiken mindern.

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Die Stadt warnt vor Asbest im Mauerputz. Betroffen sind Gebäude aus den Jahren 1960 bis 1995. Für die Mitarbeiter der Stadt wurden bereits Sicherheitsmaßnahmen auf den Weg gebracht. Firmen müssen bald ebenfalls spezielle Maschinen vorhalten und ihre Beschäftigten schulen. Auch im privaten Bereich wird zur Vorsicht geraten.

Die Mammutaufgabe ist fast bewältigt: In nahezu sämtlichen städtischen Gebäuden, in denen Asbest ab den 60er Jahren als Dämmmaterial in Platten oder Rohren verbaut wurde, sei der krebserregende Stoff im Zuge von Abrissen oder Renovierungen entsorgt worden, sagt Andreas Grosse-Holz (55), stellvertretender Leiter der Zentralen Dienste. Nun drohe eine weitere, bislang unterschätzte Gefahr: Asbest in Putz und Spachtelmassen.

Giftige Fasern werden freigesetzt

Zwar seien den Baustoffen seinerzeit nur 0,1 Prozent Asbest beigemischt worden. „Damit wurden sie geschmeidiger gemacht“, weiß Grosse-Holz. Die Asbestfasern seien fest in die Kalkschicht eingebunden. Heißt: Solange der Putz unangetastet bleibt, passiert nichts. „Doch sobald gebohrt, gehämmert oder der Putz aufgestemmt wird, werden die Fasern freigesetzt.“

Man wolle „keine Panik schüren“, heißt es im Rathaus. „Über die normale Atemluft atmen wir täglich 1000 Asbestfasern ein und aus, ohne dass sich Folgeerkrankungen häufen würden“, so Grosse-Holz. Bauaufsicht und Medizin hätten bei Asbest im Putz aber eine neue Sichtweise eingenommen. Auch bei kleineren Arbeiten könnte es zu einer massiven Belastung kommen. „Als Stadt müssen wir deshalb auch hier verstärkt unserer Fürsorgepflicht nachkommen.“

Die Zentralen Dienste reagieren. Rund 40 neue, bis zu 2000 Euro teure Bohrmaschinen werden angeschafft. Sie verfügen über einen Aufsatz. Der Bohrstaub wird abgesaugt und entsorgt. Zudem haben die 50 Mitarbeiter der Instandhaltung spezielle Lehrgänge besucht.

Das steht auch den Beschäftigten der Firmen bevor, die sich um städtische Aufträge bewerben. Bis 1. August müssen sie den Besitz der Spezialmaschinen nachweisen. Die Mitarbeiter müssen bis Jahresende geschult worden sein. „Die Regeln sind uns bekannt. Wir werden uns bei der nächsten Jahreshauptversammlung damit intensiv befassen“, kündigt Innungs-Obermeister Markus Schmidt an.

Privatleuten gibt die Stadt die Empfehlung, für größere Maurerarbeiten im Haus Firmen mit der Spezialausstattung zu beauftragen. Dem schließt sich Dr. Hans-Georg Lange von Stocmeier, Lungenfacharzt im Europahaus, an. Ansonsten könnten sich Fasern in der Lunge und im Rippenfell festsetzen. Kleinere Arbeiten indes dürften weiterhin vorgenommen werden. „Ein Bohrloch, um ein Bild aufzuhängen, birgt kein erhöhtes Risiko.“

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