Kommunalwahl

SPD/Grüne haben weiter Mehrheit – außer in Wattenscheid

SPD-Fraktionschef Wolfgang Rohmann aus Wattenscheid (links) mit Bezirksbürgermeisterkandidat Hans Peter Herzog beim Wahlabend der Genossen in Wattenscheid.

SPD-Fraktionschef Wolfgang Rohmann aus Wattenscheid (links) mit Bezirksbürgermeisterkandidat Hans Peter Herzog beim Wahlabend der Genossen in Wattenscheid.

Foto: Arnulf Stoffel / FUNKE Foto Services

Bochum/Wattenscheid.  Jubel bei Rot-Grün in den Bochumer Bezirksvertretungen, Ernüchterung bei der CDU. Spannend werden die Koalitionsgespräche in Wattenscheid.

Der allgemeine Wahltrend in Bochum hat sich auch in fast allen sechs Stadtbezirken so niedergeschlagen: Die Grünen haben hier ihre Stimmenanteile stellenweise verdoppelt, die AfD hat kräftig zugelegt.

Spannung beim Wahlabend der SPD Wattenscheid

Spannend ging es bei der Stimmenauszählung für die Bezirksvertretungen vor allem in Wattenscheid zu, denn hier gab es keine eindeutige Richtung, wie die künftigen Mehrheitsverhältnisse aussehen. Gebannt haben am Sonntag viele Sozialdemokraten im und am SPD-Büro Nikolaistraße am Beamer den Wahlabend mitverfolgt. Denn nach der Kommunalwahl 2014 stellte die WAT-SPD – nach vielen Jahren CDU-/UWG-Mehrheit – in der Bezirksvertretung Wattenscheid mit Manfred Molszich (70) den Bezirksbürgermeister, der aber jetzt nicht mehr antrat. Hauchdünn mit nur einer Stimme war für ihn damals durch Unterstützung von Grünen und Linkspartei die Mehrheit.

Hans Peter Herzog will Bezirksbürgermeister werden

Die WAT-SPD hat Hans Peter Herzog dafür ins Rennen geschickt. Was Oliver Buschmann vom grünen Koalitionspartner unterstützt, „um mit einem weiteren demokratischen Koalitionspartner eine Mehrheit zu bilden“. Und WAT-SPD-Vorsitzender Bastian Rausch erklärt: „Wir sind weiter stärkste Kraft und benötigen neben den Grünen noch einen dritten demokratischen Partner, um den Bezirksbürgermeister zu stellen. Das kann, wie damals, die Linkspartei sein, oder eine andere demokratische Partei. Das werden die Gespräche ergeben.“ CDU-Spitzenkandidat Marc Westerhoff und Vorsitzender Hans Henneke hatten sich ein besseres Wahlergebnis erhofft „angesichts der drängenden Problemthemen in Wattenscheid wie Südpark-Schwimmbad und Umbau des August-Bebel-Platzes“.

In anderen Bezirken eindeutige Ergebnisse

Recht eindeutig sind die Verhältnisse in Bochum-Südwest und in Bochum-Mitte, wo Rot-Grün weiterhin eine Mehrheit hat. Gabi Spork (SPD) im Bezirk Mitte betont, sie freue sich auf eine weitere Zusammenarbeit mit den Grünen. Für SPD-Bezirksbürgermeister Marc Gräf (SPD, Südwest) kann es in der Konstellation ebenfalls weitergehen, er begrüße „eine weitere konstruktive Zusammenarbeit“. Auch wenn Monika Engel von den Grünen sagt: „Mit diesem Stimmenzuwachs im Rücken hat sich unsere Verhandlungsposition natürlich verbessert.“

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Großer Jubel auch im Lager der Grünen im Bochumer Norden. Mit fast 20 Prozent wurde das Ergebnis von 2014 nahezu verdoppelt. „Wir haben vorher auf 15 Prozent gehofft“, sagt Fraktionssprecher Christian Schnaubelt. Das tolle Ergebnis führt er auf die vielen jungen Erstwähler zurück, „die eher grün wählen“, aber auch auf die eigene Arbeit: „Es wird wahrgenommen, dass wir uns für die ökologischen Interessen einsetzen.“ Erstmals rangiert man auch vor der CDU. Die SPD bleibt stärkste Partei, büßt aber 7,5 Prozentpunkte ein. Die AfD kommt von null auf zwei Sitze.

Ernüchterung bei der CDU im Bochumer Osten. Rund sechs Prozentpunkte weniger als 2014, mit 16,82 Prozent das schlechteste Ergebnis der Christdemokraten in den sechs Stadtbezirken, nur noch drei statt vier Sitze. „Damit hatten wir nicht gerechnet“, sagt Sprecherin Carolin Pesch konsterniert. Ob es am wegen Corona anders gestalteten Wahlkampf lag? „Wir haben mehr aus Internet also auf Stände gesetzt“, räumt Pesch ein, dass man mit persönlichen Gesprächen vielleicht besser hätten punkten können.

Strahlende Gesichter hingegen bei der SPD im Osten. „Weltklasse“ findet Bezirksbürgermeisterin Andrea Busche das stadtweit beste Ergebnis aller Sozialdemokraten auf Bezirksebene: 41,44 Prozent, kaum Verluste, dazu ein starker grüner Koalitionspartner (knapp 19,73 Prozent, plus sieben Prozentpunkte) – „ich bin total erleichtert“. Detlef Kühlborn von den Grünen freut sich über „das beste Ergebnis, das wir je hatten“ und dass „die Bürger unsere gemeinsame gute Arbeit gewürdigt haben“. Die Koalition mit der SPD soll entsprechend fortgesetzt werden.

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Ein Kopf-an-Kopf-Rennen entwickelt im Stadtbezirk Süd. SPD und Grüne (fast zehn Prozentpunkte mehr als 2014) liegen die ganze Zeit einigermaßen gleichauf. „Wir sind sehr stolz“, sagt Grünen-Sprecher Peter Borgmann. Fünf statt drei Plätze hat man jetzt. „Das gibt Auftrieb“. Als Bezirksbürgermeister sieht er weiterhin Amtsinhaber Helmut Breitkopf (SPD), „der beste, den ich in den letzten 30 Jahren erlebt habe“.

Dieser freut sich über das gute Ergebnis der Koalition. Von daher sei für ihn „klar, wie es weitergeht“, so Breitkopf. Enttäuschung dagegen bei der CDU. Michael Bringmann zeigt sich als fairer Verlierer: „Glückwunsch an Rot-Grün. Schade, dass wir mit unserem Wahlprogramm nicht so angekommen sind.“

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