Musikevent

So denken die Anwohner über das Festival Bochum Total

Mike Nowok stört sich nicht am Musik-Festival. Im Gegenteil: An so einem Wochenende schauen besonders viele Menschen im Laden vorbei.

Mike Nowok stört sich nicht am Musik-Festival. Im Gegenteil: An so einem Wochenende schauen besonders viele Menschen im Laden vorbei.

Foto: Gero Helm

Bochum-Mitte.   Trotz Tausender Besucher wollen Anwohner am Bermudadreieck Bochum Total nicht missen. Wildpinkler werden weniger, aber nicht alles läuft rund.

Wenn die Stadt einmal im Jahr zu ihrem Mega-Festival Bochum Total ruft, herrscht rund um das Bermuda-Dreieck der Ausnahmezustand. Tausende Feierwütige pilgern in die Innenstadt, um das kostenlose Musikspektakel mitzuerleben.

Dass gelegentlich auch einmal der ein oder andere Störenfried unter den Besuchern ist, lässt sich kaum vermeiden. Die Anwohner rund um die Partyzone stört das allerdings nur bedingt.

Ein Festival direkt ums Eck

Daniel Drews beispielsweise wohnt nur wenige hundert Meter vom Konrad-Adenauer-Platz entfernt, vom Festival selbst bekommt er allerdings nur wenig mit: „Ich höre davon überhaupt nichts. Der Baustellenlärm um die Ecke ist lauter“, so der Anwohner.

Auch eine angespannte Parkplatzsituation bemerkt er nicht. Es sei genauso viel Platz wie sonst. „Das ist alles wunderbar so“, sagt Drews. Schließlich habe er ein Festival direkt ums Eck.

Von Groll auf die Festivalbesucher keine Spur

Ähnlich sieht es auch Vera Polonskaya, die nahe der Königsallee wohnt. Natürlich gebe es bei einem solchen Festival Wildpinkler: „Aber die gibt es auch an einem ganz normalen Wochenende“, sagt die 31-Jährige. Jeder, der in diese Gegend ziehe, wisse doch auch, was hier los sei. Von Groll auf die Festivalbesucher ist bei ihr keine Spur, im Gegenteil: „Ich finde das toll, ich bin auch immer da.“

Als schwierig sieht ein 53-jähriger Anwohner die Verkehrssituation rund um das Schauspielhaus an. Hier komme es zu Staus und genervten Autofahrern, die hinter dem Stauende zum Rasen neigten. Jedoch: „Ich will nicht meckern. Ich wüsste auch nicht, wie ich es anders machen sollte.“

Verkehr vergrault Käufer

Seit den 90er Jahren kennt Federico vom anliegenden Laden Noctiluca Bochum Total. Jahrelang war er als Händler selbst vertreten. Schade findet er, wie sich das Fest über die Zeit entwickelt hat: „Früher war das Publikum sensibler.“

Gerade der Alkoholkonsum habe in den letzten Jahren stark zugenommen. Der Verkehr und die schwierige Parkplatzsituation sorgten zudem dafür, dass seine Kunden wegblieben.

„Wir haben weniger Wildpinkler am Hauseingang“

Missen wollte er das Festival vor der Türe trotz allem nicht: „Das ist eine interessante Möglichkeit für junge Leute, mal etwas anderes zu erleben.“ Nur eine Umstrukturierung würde sich der Geschäftsinhaber wünschen, beispielsweise einen mit stärkeren Fokus auf Weltmusik, damit das Open-Air-Festival wieder für andere Zielgruppen interessant wird.

Zumindest eines hat sich in den letzten Jahren schon gebessert: „Wir haben weniger Wildpinkler an unserem Hauseingang“, erzählt Federico – und klopft drei Mal auf Holz.

Kein Krawall

Mit Wildpinklern hat auch das Tattoostudio Full-Colour an der Brüderstraße weniger zu tun, seit das Tor zum Hinterhof abgeschlossen ist. Das sei so oder so jedoch ein Problem des Bermuda-Dreiecks, nicht von Bochum Total. Auch von Krawall wissen die Tätowierer nichts zu berichten.

Im Gegenteil lohnt sich das Festival für das Geschäft: „Bei so einer Veranstaltung kommen die Leute eher mal hier herein. Die Hürde ist dann geringer“, sagt Tätowierer Mike Nowok. Gerade Piercings seien dann gefragt.

Leserkommentare (3) Kommentar schreiben