Spargelmenü

Slow Food in Bochum kocht sieben Gänge Spargel mit Prinzip

Jochen Hoss, Torsten Rieck und Katrin Manzke (v. l. n. r.) bereiten Wildkräutersalat mit Spargel zu. Die Küche ist Schauplatz für Handwerk und Raffinesse.

Jochen Hoss, Torsten Rieck und Katrin Manzke (v. l. n. r.) bereiten Wildkräutersalat mit Spargel zu. Die Küche ist Schauplatz für Handwerk und Raffinesse.

Bochum.   Mitglieder von Slow-Food-Bochum servieren sich gegenseitig Spargel-Variationen. Dazu gibt's: interessante Küchen- und Tischgespräche.

Eine feine Sauce Hollandaise, zweierlei Schinken aus Kupferdreh und Kartöffelchen plus das ebenso handgemachte Minze-Bärlauch-Pesto – auch ein Klassiker kommt beim Spargelmenü der Slow Food Ortsgruppe Bochum mit Pfiff daher. Und eine der weißen Stangen, die mit dem dunklen Kopf, ist ein Schwetzinger Meisterschuss.

Zwölf Genießer kochen für- und miteinander sieben Gänge Spargel.
Wenn nicht jetzt, dann gar nicht! Saisonalität ist eines der Prinzipien der Slow-Food-Bewegung. Nur so werden viele Lebensmittel „gut, sauber und fair“ produziert und vertrieben – eine Idee, die weit über den Genussmoment hinausgeht. Slow Food hat politische, wirtschaftliche und soziale Dimensionen.

Esskultur aus Überzeugung

Wer Slow Food unterstützt, tut dies aus Überzeugung: „Wir kämen nie auf die Idee, im Winter Erdbeeren und Spargel zu essen: oh Schreck, oh Graus!“, sagt Manfred Vorbrugg. Er war 2005 einer der Mitgründer der Ortsgruppe, die in Herne bei Weinhändler Hartmut Meimberg und seinem Verwandten Manfred Meimberg ihren Ursprung hat. Letzterer war ein wohlhabender Industrieller. „Er hat viel Geld ausgegeben für Lebensmittel. Das hat mich tief beeindruckt,“ so Vorbrugg.

Mittlerweile hat sich die Ortsgruppe nach Bochum verlagert. Ein wichtiger Treffpunkt für kulinarische Events sind die Geschäftsräume von Katrin Manzke in Dahlhausen, die in ihrer Feinkostmanufaktur „im Glas“ so produziert, wie die „Slow Foodies“ es lieben.

Einkauf auf dem Bauernhof

Auch die neue Leiterin der Ortsgruppe, Innenarchitektin Wiebke Rieck, lebt so, wie sie isst. Einmal in der Woche kauft sie auf einem Hof in Gelsenkirchen ein. Der Lindenhof arbeitet nach dem Prinzip der Solidarischen Landwirtschaft, kurz Solawi. „Man kauft Anteile und erhält für den Betrag Erzeugnisse vom Hof.

Ich finde, das ist eine faire Geschichte“, so Rieck. Wo Lebensmittel herkommen, wie sie produziert werden und was es mit verschiedenen Sorten von zum Beispiel Erdbeeren und Spargel auf sich hat, sind Tisch- und Küchengespräche beim Spargelmenü.

Handgemachte italienische Pasta

Natürlich gibt es an diesem Abend viel mehr als nur Spargel. Er kommt als Partner von Wildkräutern daher, thront auf einer Tarte, umschmeichelt den Gaumen als Suppe oder Risotto und verwandelt sich mit Mandeln in ein kernig-würziges Pesto. Hier sind die selbst gemachten Nudeln von Monika Johannes zu erwähnen, die sie in einen Holzkasten durch rund vierzig Metallsaiten drückt.

Das Instrument heißt wirklich Gitarre und sorgt ursprünglich in den Marken und in den Abruzzen für unvergleichliche Pasta. Und als siebter Gang dann das göttliche – ja, das muss so gesagt werden – dieser fluffige Spargelflan mit Erdbeersorbet und -carpaccio ist ein Gedicht!

>>> INFO: Slow Food ist eine internationale Bewegung

  • Slow Food wurde 1986 von dem Journalisten Carlo Petrini zur Erhaltung der Esskultur in der norditalienischen Kleinstadt Bra gegründet. International engagieren sich heute Millionen von Menschen bei Slow Food.

  • Die Ortsgruppe Bochum hat 80 Mitglieder. Monatlich organisieren die Mitglieder Events, zum Beispiel Hof- oder Restaurantbesuche und Kochaktionen. Informationen gibt es auf: slowfood.de

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