Stadtteil-Check

Sicherer, sauberer: Querenburger sehen Stadtteil im Aufwind

Drei für Querenburg: (von links) Matthias Köllmann, Prof. Christian Uhlig und Faruk Yildirim berichten vom bunten Treiben zwischen Hustadt und Campus.

Drei für Querenburg: (von links) Matthias Köllmann, Prof. Christian Uhlig und Faruk Yildirim berichten vom bunten Treiben zwischen Hustadt und Campus.

Foto: Ingo Otto

Querenburg.   Beim Stadtteil-Check landet Querenburg auf Platz 20. Dabei habe sich das Viertel in den letzten Jahren echt gemacht, berichten unsere Experten.

Nicht viele Stadtteile in Bochum können von sich behaupten, so viele Gesichter zu haben wie Querenburg. Von den berühmten Wohnblöcken bis zu den feineren Vorort-Häusern, vom Multikulti-Miteinander in der Hustadt bis zum umtriebigen Leben auf dem Campus, vom geschäftigen Treiben im Uni-Center bis zum beschaulichen Waldgebiet im Laerholz: Die Bandbreite ist enorm.

Im Stadtteil-Check unserer Zeitung landet Querenburg zwar im hinteren Drittel, aber längst nicht weit abgeschlagen. Die Querenburger selber geben ihrem Stadtteil die Gesamtnote 2,68. Nimmt man die Bewertungen aller 13 Kategorien, nach denen wir unsere Leser gefragt haben, zusammen, liegt Querenburg auf Platz 20 aller 30 Stadtteile.

Besonders gut beim Nahverkehr

Eine besonders gute Note bekommt Querenburg beim Thema Nahverkehr (1,98). Klar: Mit der U 35 ist der Stadtteil perfekt ans städtische Leben angebunden. „Tausende Studenten nutzen diese Linie jeden Tag“, sagt Faruk Yildirim, Leiter des Bürgertreffs HU-Kultur am Brunnenplatz. „Da reicht der Fünf-Minuten-Takt manchmal gar nicht aus.“ Doch auch dank anderer Linien wie der 346 komme man in Querenburg bestens vom Fleck.

Eher durchwachsene Noten bekommt der Stadtteil bei der medizinischen Versorgung (2,59) und bei der Kinderfreundlichkeit (2,66). „Bei den Ärzten sind wir nicht optimal besetzt“, sagt Prof. Christian Uhlig, langjähriger Uni-Dozent und Ur-Querenburger aus Leidenschaft. Zwar gebe es das Ärztehaus am Buscheyplatz, in dem auch einige Fachärzte ihre Praxen geöffnet haben, doch habe das Angebot durchaus Lücken. „Zum Augenarzt fahre ich immer nach Wiemelhausen.“

Shopping-Spaß sieht anders aus.

Dass es für Kinder hier wenig Spielmöglichkeiten gebe, sehen unsere Experten allerdings anders. „Die Hustadt ist zum Spielen superschön“, meint Matthias Köllmann von HU-Kultur. „Da können sie sich total frei bewegen, ohne Angst haben zu müssen, vor ein Auto zu kommen.“ Dass es im Uni-Center indes kaum Spielmöglichkeiten gebe, sei allerdings bedauerlich.

Apropos Uni-Center: Bei den Einkaufsmöglichkeiten bekommt Querenburg die Note 3,39. Shopping-Spaß sieht anders aus. „Rein optisch hat das Center enorm verloren“, sagt Uhlig. „Für viele ist das Einkaufen hier nicht mehr attraktiv.“ Allein: Vom Angebot her könne man über das Uni-Center nicht meckern. „Eigentlich bekommt man hier fast alles“, weiß Yildirim. „Auch die Zahl der Leerstände ist nicht mehr so schlimm wie sie früher mal war.“

Eher durchschnittlich schneidet das gastronomische Angebot ab (3,48). Seit die Kult-Kneipe „Le Clochard“ am Buscheyplatz geschlossen ist, fehlt dem Stadtteil wohl eine Stamm-Theke. „Das ‘Summa cum Laude’ und auch die Pizzeria Pisa sind allerdings top“, so Uhlig. Und die Bandbreite an orientalischem Essen sei ebenfalls beachtlich. Neues Leben soll im Sommer zudem in Kochs Kotten, dem kleinen Haus am Rande der Hustadt, einziehen.

Häufig kritisiert: Parkplatzsituation

Freizeitangebote (Note: 3,08) gebe es in Querenburg einige: vom Klettergarten im Laerholz bis zum Parkourpark in der Hustadt. „Auch der Botanische Garten ist nicht weit, und von dort ist es ein schöner Spaziergang zum Kemnader See“, meint Köllmann.

Die häufig kritisierte Parkplatzsituation (Note: 3,10) sei in Querenburg allerdings ein Problem. „Gerade in den Abendstunden muss man suchen“, sagt Yildirim. Auch im Bereich um den Lennershof klagen viele über zugeparkte Straßen, die gern von Studenten besetzt werden.

Dafür habe sich die Sicherheit (Note: 3,25) und die Sauberkeit (Note: 3,66) in den letzten Jahren stark zum Positiven verändert. „Viele haben noch die düsteren Ecken vor Augen, die es in den 80er Jahren hier gab“, erinnert sich Uhlig. „Das ist heute alles viel schöner geworden.

Der gesamte Bereich in der Hustadt ist inzwischen hervorragend beleuchtet, da ist eine wunderbare Allee entstanden.“ Angsträume gebe in Querenburg schon lange nicht mehr, und auch die Sauberkeit habe sich für ein solch stark frequentiertes Pflaster durchaus verbessert.

„Für mich einer der schönsten Orte im Ruhrgebiet“

Dass das Gemeinschaftsgefühl in Querenburg mit der Note 3,47 eher durchschnittlich abschneidet, können die drei nicht verstehen. „Da hätte ich mindestens eine Zwei gegeben“, meint Köllmann. Das einst so anonyme Leben in einer Trabantenstadt habe sich stark verbessert.

„Für mich ist das einer der schönsten Orte im Ruhrgebiet“, steht für Matthias Köllmann fest. „Und die Leute sind total solidarisch.“ Für ihn sei es „wie eine Weltreise“, wenn er von der Hustadt in Richtung Uni gehe. „Hier leben mindestens 60 Nationen, doch das Gemeinschaftsgefühl ist absolut großartig.“

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