Premiere

Shakespeare-Aufführung spielt mit Rollen und Geschlechtern

Szenenfoto aus „Ende gut, alles gut“. Die Bühne und die Kostüme stammen von Jens Kilian.

Szenenfoto aus „Ende gut, alles gut“. Die Bühne und die Kostüme stammen von Jens Kilian.

Foto: Arno Declair

Bochum.   Im Schauspielhaus bringt Robert Schuster „Ende gut, alles gut“ als Spiel der Geschlechter heraus. Frauen und Männer tauschen die Rollen.

Ein Lustspiel von Shakespeare schwungvoll auf die Bühne zu bringen: „Das ist die Königsdisziplin“, sagt Regisseur Robert Schuster. Düstere Dramen gehen bekanntlich leichter von der Hand. „Bei Komödien fließt der meiste Schweiß.“ Und doch: Der Premiere von „Ende gut, alles gut“ morgen (3.) im Schauspielhaus sieht er optimistisch entgegen.

Was wird gespielt?

„Ende gut, alles gut“ (entstanden zwischen 1601 und 1603) zählt nicht zu Shakespeares meistgespielten Komödien. Die letzte Aufführung an der Königsallee liegt lange zurück. Hans Schalla brachte sie 1964 heraus. Woran das liegt? „Die Form ist relativ ungewöhnlich“, meint Schuster. Daher sei das Stück nicht ganz so leicht konsumierbar wie etwa der „Sommernachtstraum“. Shakespeare selber soll sein Stück, das gern auch als „dark comedy“ (dunkle Komödie) bezeichnet wird, gar nicht zur Aufführung gebracht haben. „Dabei steckt eine Menge auch an gesellschaftspolitischen Themen drin, über das es sich auch heute noch nachzudenken lohnt.“

Worum geht’s?

Im Mittelpunkt der Geschichte um Liebe und Verlangen steht die Arzttochter Helena. „Eine der verblüffendsten Frauenfiguren, die Shakespeare je schrieb“, sagt Schuster. Helena hat sich in den jungen Grafen Bertram verliebt und wünscht sich nichts sehnlicher als die Ehe. Doch Betram zieht es lieber in die Ferne: Er möchte Abenteuer erleben, als Soldat in Norditalien kämpfen. Doch Helena setzt all ihre List und einige Intrigen ein, um Betram vor den Traualtar zu zwingen...

Wie wird inszeniert?

Der vermutlich größte Kniff: Schuster tauscht in den zentralen Rollen die Geschlechter. Aus Helena wird der junge Paris, aus Betram wird Brigitte. Allein: Gespielt wird Paris von Raphaela Möst, während Daniel Stock als Brigitte verkleidet auftritt. „Auf die Idee dazu kamen wir, weil wir während der Arbeit ziemlich von der #metoo-Debatte eingeholt wurden.“ Durch diese Verdrehung bekomme die Geschichte eine reizvolle Wendung. „Es geht nicht mehr nur um die Beziehungsfrage, ob sie sich kriegen oder nicht“, meint Schuster. Vielmehr bekomme das Ganze auch einen gesellschaftlichen Aspekt.

Wie wird das Bühnenbild?

Robert Schuster verspricht eine „visuell spektakuläre Aufführung“. Gleich drei Drehscheiben sorgen für wechselnde Perspektiven. „Und wir greifen tief in die Kostüm- und Maskenkiste, um dem Abend eine schöne Vielfarbigkeit zu geben.“ Die Zuschauer dürfen sich auf eine düstere Komödie und einen „großen Shakespeare-Abend“ freuen.

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