St.-Johannes-Stift

Seniorenheim-Anbau sorgt in Wiemelhausen für Ärger

Karin Kuhl (rechts) vor vier Jahren

Karin Kuhl (rechts) vor vier Jahren

Foto: Jürgen Theobald

Bochum-Wiemelhausen.   St.-Johannes-Stift wird erweitert, um die Einzelzimmer-Quote zu erfüllen. Dafür muss die Brücke in den Park weichen, was den Förderverein erzürnt

Eigentlich passt zwischen Betreiber bzw. Träger und Förderverein des St.-Johannes-Stifts kein Blatt Papier – so „dicke“ ist man miteinander. Die gegenseitige Wertschätzung ist groß. Doch jetzt wird diese wunderbare Zusammenarbeit auf eine harte Probe gestellt. Denn beim geplanten Neubau an die Senioreneinrichtung gehen die Meinungen weit auseinander.

LWL refinanziert Baumaßnahme

Nach hinten raus soll das St.-Johannes-Stift erweitert werden. Der Anbau wird mit dem Haupthaus baulich verbunden. „Wir sind gezwungen zu handeln, um die Einzelzimmerquote von 80 Prozent gemäß des Wohn- und Teilhabe-Gesetzes zu erfüllen“, erklärt Klaus Rohde, Vorsitzender des Trägervereins des St.-Johannes-Stifts, der als Bauherr fungiert. Erfülle man diese Auflage, werde die Baumaßnahme vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) refinanziert. „Wenn nicht, müssen wir Doppelzimmer und auch Arbeitsplätze abbauen. Und wir werden dann künftig auch keine bauliche Förderung vom LWL mehr bekommen“, unterstreicht Rohde die Notwendigkeit der Maßnahme.

Diese sieht auch Karin Kuhl, Vorsitzende des Fördervereins, durchaus. Sie kritisiert allerdings, dass keine andere bauliche Lösung gefunden wurde. Denn mit dem Neubau wird die Brücke, die in den Park führt, verschwinden. Für diese hatte der Förderverein mit seinen vielen Kulturveranstaltungen Spendengelder aufgetrieben, um den damals 174 000 DM teuren Bau zu realisieren. Im Mai 2002 wurde sie eingeweiht.

„Damit konnten wir den Bewohnern den direkten Weg in den Park ermöglichen“, erklärt Karin Kuhl, der es nicht ums Geld geht, sondern um den ideellen Wert. Die Brücke sei Symbol für ein selbstbestimmtes Leben der Bewohner, sie sei auch in das Leitbild des Stifts aufgenommen worden. Kuhl: „Unser Motto war immer: zum Wohle der Bewohner. Der Neubau passt da nicht zu. Im Gegenteil, er nimmt das Schöne, für das das St.-Johannes-Stift steht.“

Rücktritt, wenn die Bagger anrollen

Wilhelm Schulte, Geschäftsführer der Betreiber-GmbH des St.-Johannes-Stifts, bedauert die aktuelle Entwicklung sehr. „Wir sind dem Förderverein unendlich dankbar. Und Streit ist das letzte, was wir wollen.“ Aber Betreiber und Träger bleiben dabei, den Neubau wie geplant umzusetzen.“ Für Schulte ist der zweigeschossige Bau „durchaus zum Wohle der Bewohner“, denen künftig mehr und modernere Einzelzimmer zur Verfügung stehen. Zudem, betont Klaus Rohde, werde die Brücke auch nicht komplett abgerissen, sondern ein Teil von ihr an den Neubau gesetzt.

Aktuell führt der Trägerverein Gespräche mit der Stadt. Liegt die Baugenehmigung vor, kann im Sommer mit dem Bau begonnen werden. „Wir haben viele Varianten geprüft“, erklärt Klaus Rohde vom Trägerverein. „Eine davon sah ein Aufstocken eines Gebäudetraktes vor. Doch dies wäre sehr teuer geworden. Außerdem rieten uns Experten davon ab, weil der Betriebsablauf sehr gestört worden wäre. Ein Fragezeichen hätte auch hinter der Statik gestanden.“

Die nächsten beiden „Winterreisen“-Veranstaltungen im Februar und März will der Förderverein auf jeden Fall noch durchziehen, kündigt Karin Kuhl an. „Doch wenn im Sommer tatsächlich die Bagger hier anrollen, wird der Vorstand geschlossen zurücktreten.“ Man wolle den Förderverein erhalten und gerne auch behilflich sein, passende Nachfolger zu suchen. „Aber so machen wir dann nicht weiter.“

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