Mobilfunkmast

Schwarzbau-Funkturm sorgt bei Anwohnern für Verärgerung

Anwohner der Brundelstraße ärgern sich über den illegal gebauten Funkturm (Hintergrund). Vorn rechts im hellblauen T-Shirt: Anwohner Dennis Gerlach.

Anwohner der Brundelstraße ärgern sich über den illegal gebauten Funkturm (Hintergrund). Vorn rechts im hellblauen T-Shirt: Anwohner Dennis Gerlach.

Foto: Ingo Otto / FUNKE Foto Services

Bochum.  Anwohner der Brundelstraße sind besorgt. Dort wurde ein 5G-Mast gebaut, 40 Meter hoch. Sie fürchten Strahlen. Der Turm ist schwarz gebaut.

Der neue Funkturm ist 40 Meter hoch und hat eine ganz helle Farbe. Eigentlich ist er aber auch schwarz, denn er ist ohne Baugenehmigung hochgezogen worden. Direkt an einem Wohngebiet. Die Anwohner sind jetzt richtig verärgert, außerdem befürchten sie eine Strahlengefahr.

„Wir Anwohner von der Brundelstraße sind in großer Sorge!“, sagt Dennis Gerlach. Vor rund zwei Wochen wurde der Mast auf einem städtischen Parkplatz an einem kleinen Grüngürtel, direkt neben einem Bogenschießplatz, aufgebaut. Auch mehrere Bäume wurden dafür gefällt. Nur rund 20 Meter entfernt steht das erste Wohnhaus, direkt daneben folgen zahlreiche weitere. Der Funkturm ist jetzt das große Thema in der Straße.

Modernste und schnellste Technik für alle mobilen Internet-Geräte

Es handelt sich um einen 5G-Mobilfunkmast für das Telekom-Mobilfunknetz. Der Turm soll die modernste und schnellste Technik für alle mobilen Internet-Geräte wie Handy, Laptop und Tablet ermöglichen. Das Bauordnungsamt wollte dafür bereits im Mai auch eine Baugenehmigung erteilen, aber die Bezirksvertretung Ost und auch der Ausschuss für Planung und Grundstücke wurden darüber noch nicht informiert. Deshalb gab es auch noch keine Baugenehmigung und auch die Anwohner wurden über das Bauvorhaben vor ihrer Tür nicht unterrichtet, wozu die Stadt normalerweise verpflichtet gewesen wäre. Für sie war der Aufbau „eine Nacht- und Nebel-Aktion“, wie einer sagt.

„Wir wussten nicht, dass der Mast gebaut wurde“, sagte auch Stadtsprecher van Dyk am Freitag zu den Anwohnen, von denen sich rund 20 unter dem Mast eingefunden haben. Sie bekunden ihren Unmut und erhoffen sich neue Informationen. Van Dyk räumt ein: „Ich kann verstehen, dass Sie sauer sind.“ Anwohner Dennis Gerlach kündigte an: „Ich werde dagegen rechtlich vorgehen, ich will das nicht so hinnehmen.“ Er sammelte vor Ort zahlreiche Unterschriften gegen den Schwarz-Turm.

„Das Ding ist vollkommen unbedenklich“

Stadtsprecher van Dyk versucht, die Anwohner zu beruhigen: „Dieser Mast ist weder für Mensch noch Natur gefährlich. Das Ding ist vollkommen unbedenklich.“ Drei Behörden hätten sich solche Masten angesehen und abgesegnet: die für den Emissionsschutz zuständige Bundesnetzagentur und die gemeinsame Umweltbehörde Bochum, Dortmund und Hagen sowie das Bochumer Bauordnungsamt. Die Grenzwerte für elektromagnetische Felder würden eingehalten. Außerdem: „Der Standort hier ist in einer Großstadt wie Bochum, im Ballungsgebiet Ruhrgebiet, ein denkbar günstiger.“ Außerdem verbessere der 5G-Mast die mobile Netzinfrastruktur. „Jeder will schnell ins Internet.“

„Ich kann mir nicht vorstellen, dass so ein großer Turm nicht schädlich ist“

Anwohner Gerlach sagt aber: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass so ein großer Turm nicht schädlich für die dort lebenden Menschen und die Tierwelt ist.“ Fledermäuse, Rotwild, Turmfalken, Eichelhäher und andere Tiere hätten dort ihr Zuhause.

Auch die anderen Anwohner bleiben skeptisch. Vom „Strahlenturm“ spricht eine Frau. Ein Mann fordert, dass der Mast wieder abgebaut werden müsse; das müssten Privatleute ja auch, wenn sie etwas schwarz bauten. Van Dyk macht ihnen da aber wenig Hoffnung. Schließlich sei die Stadt für den Ausbau der Infrastruktur zuständig. Wohl aber werde ein ordnungsrechtliches Verfahren gegen die Deutsche Funkturm GmbH eingeleitet. Damit könne ein Bußgeld verhängt werden.

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