Klimaschutz

Schüler wollen Bochum weiter als Umweltaktivisten aufrütteln

75 Schüler demonstrierten am Freitagmorgen unter dem Motto „Friday for Future“ für den Klimaschutz. Vor der Zentrale der Stadtwerke forderten sie ein Umdenken bei Politik und Industrie.

75 Schüler demonstrierten am Freitagmorgen unter dem Motto „Friday for Future“ für den Klimaschutz. Vor der Zentrale der Stadtwerke forderten sie ein Umdenken bei Politik und Industrie.

Foto: Sabrina Didschuneit

Gut 75 Jugendliche demonstrierten am Freitagmorgen in der Innenstadt für besseren Klimaschutz. Viele von ihnen schwänzten dafür die Schule.

Nach dem Auftakt in Bochum in der vergangenen Woche zeigten junge Menschen am Freitag erneut, dass sie der Klimawandel besorgt und dass er aufgehalten werden muss – mit einem Politikwandel. Gut 75 Schüler und Studenten hatten sich wieder morgens um 10 Uhr hinterm Rathaus versammelt. Von dort zogen die jungen Umweltaktivisten mit Transparenten und Schildern zur Zentrale der Stadtwerke.

Nur wenige Schüler sind vom Unterricht freigestellt worden, die meisten bleiben unentschuldigt fern. „Wir nehmen in Kauf, dass wir Fehlstunden kriegen und dass sie dann auf dem Abizeugnis stehen“, sagt die 17-jährige Noëllie, „aber das hier ist uns wichtiger.“ Das sieht auch ihre Schulfreundin Clara (15) so. „Unsere Zukunft wird verbraucht“, klagt sie die älteren Generationen an und sieht sich als Streiterin für eine „gute Zukunft für unsere Kinder und Enkelkinder“.

Lehrer wollten Schülern die Teilnahme ausreden

Dieser Einsatz der Jugendlichen ist in ihren Schulen auf geteiltes Echo gestoßen. So berichten Teilnehmer, dass Lehrer ihnen ausreden wollten, für diese Aktion den Unterricht zu schwänzen. Teils mit Erfolg, denn statt ganzer Klassen, die sich beteiligen wollten, sind oft nur zwei, drei Schüler dabei. Noëllie hat sich nicht abhalten lassen. „Jetzt geht es darum, überhaupt etwas zu machen und nicht immer nur zu reden.“ Es gehe aber nicht darum, selbst auf Fleischkonsum zu verzichten oder später kein dickes Auto zu fahren. Die Umweltaktivisten blicken auf die großen Themen, die sie mit Politik und Industrie angehen können, etwa ein schneller Kohleausstieg.

Nicht umsonst ist diese Demo inspiriert von der 16-jährigen Schwedin Greta Thunberg, die beim Weltwirtschaftsforum in Davos sofortige Maßnahmen gegen den Klimawandel forderte. Ihre weltweit beachtete Rede verlesen die Schüler an der Stadtwerke-Zentrale. Vorausgegangen war ein lautstarker Marsch durch die Innenstadt, der alle Bochumer wachrütteln soll, dass jetzt die Zeit zum Handeln ist.

Stadtwerke sehen sich als Verbündete

Stadtwerke-Chef Frank Thiel empfängt die Jugendlichen freundlich am Haupteingang. Er sehe sich als ihr Verbündeter, denn „jedes Grad weniger an Klimaerwärmung bis zum Jahr 2100 ist hilfreich“. Die Stadtwerke wollten auch das Klima retten, mit Windparks und Wasserkraft. Ausschließlich mit regenerativer Energie zu arbeiten, sei jedoch noch gar nicht möglich. „Dafür fehlen die Speichertechnologien“, so Thiel. Und die Industrie sei derzeit nicht bereit, den teureren regenerativen Strom zu kaufen.

Dagegen sind die Jugendlichen bereit, ihre Demos an Freitagmorgenden fortzuführen – auch wenn sie dafür die Schule oder Uni schwänzen.

>> Deutschlandweite Bewegung unter Schülern

  • Mitorganisator Kurt Ca ceres, der Umweltingenieurwesen studiert, findet die Resonanz in Bochum „bestärkend“. Zudem müsse man sehen, dass in Deutschland Zehntausende Schüler freitags für das Klima demonstrieren.
  • Ein Viertel des selbst produzierten Stroms der Stadtwerke ist aus erneuerbaren Energien. Diese machen im gesamten Strommix 42 Prozent aus. Ein Ausstieg aus Kohle und Gas sei, so Geschäftsführer Frank Thiel, bis zum Jahr 2050 möglich.

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