Herztag 2018

Schon beim ersten Herzflimmern ist höchste Vorsicht geboten

Bis auf den letzten Platz gefüllt war beim Herztag das St.-Josef-Hörsaalzentrum . Fachärzte informierten in Vorträgen über Vorhofflimmern und Gerinnungshemmer. Die WAZ war wieder Partner des Aktionstages.

Bis auf den letzten Platz gefüllt war beim Herztag das St.-Josef-Hörsaalzentrum . Fachärzte informierten in Vorträgen über Vorhofflimmern und Gerinnungshemmer. Die WAZ war wieder Partner des Aktionstages.

Foto: Ingo Otto

Bochum.   Schon erste Anzeichen von Vorhofflimmern müssen abgeklärt werden, rieten Fachärzte beim Herztag in der St.-Josef-Klinik. Es drohen Schlaganfälle.

Wenn das Herz aus dem Takt gerät, ist höchste Vorsicht geboten. Denn wer an Vorhofflimmern erkrankt, hat ein 18-fach erhöhtes Risiko, einen Schlaganfall zu erleiden. Damit ist die Rhythmusstörung deutlich gefährlicher als Rauchen oder Alkohol (1,5- bis 2,5-fach erhöhtes Risiko). „Jeder kann betroffen sein“, warnten Fachärzte in dieser Woche beim „Herztag“ im St.-Josef-Hörsaalzentrum. Die WAZ gehörte wieder zu den Partnern.

Herzrasen bis zum Hals, unregelmäßiges Herzklopfen, Aussetzer von drei, vier Sekunden: Wer diese Symptome kennt, zählt möglicherweise zu den rund zehn Prozent der Menschen über 65 Jahre (40 Prozent mit Bluthochdruck, Frauen häufiger als Männer), in deren Herzen zeitweise Chaos herrscht. Vorhofflimmern mindert nicht nur die Herzleistung um 20 Prozent, macht müde, kurzatmig und leistungsschwach. Es befördert auch Schlaganfälle. Lebensbedrohliche Gerinnsel bilden sich im Vorhof und gelangen in die Blutbahn. Jeder fünften Durchblutungsstörung im Gehirn geht ein Flimmern voraus, berichtet Prof. Andreas Mügge, Direktor der Kardiologie im St.-Josef-Hospital und Bergmannsheil. Jüngste Erkenntnis: Wie lange es zuvor im Herzen geflimmert hat, ob nur Tage (und dann jahrelang gar nicht) oder dauerhaft, ist für einen Schlaganfall unerheblich.

Selbst Kleinste Anzeichen sollten abgeklärt werden

Besonders tückisch: Vorhofflimmern wird oft nicht bemerkt. Umso wichtiger sei es, schon kleinste Anzeichen abklären zu lassen, betont Facharzt Dr. Gerold Metzger: etwa durch ein Langzeit-EKG oder – bei entsprechender Indikation – einen Rekorder in Fingergröße, der knapp unter die Haut gesetzt wird und zwei, drei Jahre Daten liefert.

Behandlungsklassiker indes bleiben Blutverdünner wie Marcumar oder Nachfolge-Arzneien, die mitunter für Jahrzehnte die Gefahr einer Gerinnung bannen. In schwerwiegenden Fällen kommt eine Verödung der Venen (Ablation) mit Hitze oder Kälte in Betracht. Ein Abdichten oder Entfernen des linken Vorhofohres, in dem sich Gerinnsel bilden, erfolgt meist nur im Zuge weiterer Eingriffe.

„Pumpe“ wird in Takt gebracht

Als Akut-Lösung gilt die Kardioversion, die Facharzt Dr. Jan Krüger beim Herztag vorstellte. Per Elektroschock wird die „Pumpe“ wieder in Takt gebracht. Nachhaltige Wirkung zeige das bei ansonsten gesunden Patienten, erklärt Krüger. Bei Begleiterkrankungen seien die Erfolge geringer. Und: Die Schock-Therapie könne niemals eine Alternative zu den Blutverdünnern sein.

Patienten, die nach einer ersten Kardioversion ohne Beschwerden bleiben, dürfen sich glücklich schätzen. Denn sobald das Flimmern zurückkehrt, gilt laut Gerold Metzger eine ebenso feste wie bittere Gewissheit: „Vorhofflimmern verschlimmert sich im Laufe der Jahre. Es wird chronisch. Immer.“

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben