Premiere

„Schöne neue Welt“ überzeugt im Bochumer Theater Rottstraße

 Szene mit Lea Kallmeier, Alexander Gier, Benjamin Werner.

 Szene mit Lea Kallmeier, Alexander Gier, Benjamin Werner.

Foto: rs 5

Bochum.  Das Theater Rottstraße 5 widmet sich Aldous Huxleys Utopie „Schöne neue Welt“. Für ihre Dauer-Zufriedenheit zahlen die Menschen einen hohen Preis.

Wer wollte nicht gern in einer Welt leben, in der alle glücklich sind? Bernhard und Lenina sind glücklich, meistens jedenfalls. Während Janina langsam zufrieden in ihrer Hängematte schaukelt und dauergrinst, ist Bernhard eher der Zweifler und stellt kritische Fragen. Doch dieser Zustand währt nicht lange, denn schließlich gibt es ja „Soma“, eine Droge, die das innere Gleichgewicht wiederherstellt und jeglichen Zweifel im Keim erstickt.

So beginnt „Schöne neue Welt“, eine Inszenierung der Regisseurin Maria Trautmann am Theater Rottstraße 5, die am Wochenende Premiere feierte. Trautmann, eigentlich studierte Jazz-Posaunistin, findet passende Bilder für die Dystopie des britischen Autors Aldous Huxley aus dem Jahr 1937 und dampft den Roman geschickt ein.

Da steht auf der einen Seite Lenina, die perfekte Bürgerin der neuen Welt, glücklich und angepasst, und auf der anderen Seite John, der Außenseiter, der mit den Regeln der neuen Gesellschaft nicht klar kommt. Dazwischen Bernhard, der sich sowohl zu der einen als auch der anderen Weltanschauung hingezogen fühlt. Doch die Dauer-Zufriedenheit hat einen hohen Preis und die schöne Welt ist unter der Oberfläche ziemlich hässlich. Die Menschen sind in Kasten aufgeteilt. Durch kontrollierte Fortpflanzung, Konditionierung und brutale Indoktrination wird den Menschen ihre Menschlichkeit aberzogen. Echte Gefühle existieren nicht, das was zählt sind Effizienz, Ausgeglichenheit und absolute Harmonie.

Viele starke Momente

In so manchen Augenblicken des atmosphärisch dichten Abends wird klar, wie aktuell Huxleys düstere Vision ist. In einer Welt voll von selbst ernannten Coaches und Gurus, die ständige Selbstoptimierung an Körper und Geist propagieren, ist kein Platz für Unperfektes und authentische Emotion. Das muss auch John (überzeugend bitter: Alexander Gier) erfahren, der am Ende ausgeschlossen wird.

Maria Trautmann, die in der Vergangenheit auch regelmäßig am Schauspielhaus arbeitete, agiert klug mit vielen originellen Einfällen. Und auch ihr Ensemble trägt maßgeblich zum Gelingen des Abends bei. Benjamin Werner als windelweicher Bernhard spielt erfrischend wach und spontan, Lea Kallmeier ist eine unheimliche und fast schon maschinenartige Lenina.

Insgesamt viele starke Momente in einer sehenswerten Inszenierung!

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