Bochum historisch

Die Schlegel-Brauerei gehörte zu den Top 10 in Deutschland

Die Brauerei Schlegel-Scharpenseel 1955.

Die Brauerei Schlegel-Scharpenseel 1955.

Foto: Studio Lohoff

Bochum.  "Kohle - Eisen - Schlegel-Bier" - den Bochumer Dreiklang kannte früher jeder Kind. Seit 1854 wurden in Bochum bayrisches Bier gebraut.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Wenn man früher - noch in den 1970er Jahren - am Rathaus vorbei musste, dann lag dort ein würzig-deftiger Hopfen-Geruch in der Luft – er rührte von der Schlegel-Brauerei her, die direkt gegenüber noch „volle Pulle“ produzierte.

Einst gehörte die Bochumer Brauerei, was ihren Ausstoß anging, zu den Top 10 in Deutschland. Und den Werbespruch „Bochums Dreiklang, merk’ ihn Dir: Kohle – Eisen - Schlegel-Bier“ kannte jedes Kind.

Brauerei-Gründer stammt aus Franken

Gründer der Brauerei war ein Bayer: Der aus Franken stammende Johann Joachim Schlegel hatte sich 1854 selbstständig gemacht und in den Kellereien des angemieteten Wirtshauses Hasselkuss an der Essener Chaussee (Alleestraße) seine „Bayerische Bierbrauerei J.J. Schlegel“ eröffnet.

Gebraut wurde ein untergäriges bayerisches Bier, das die damals in Westfalen üblichen obergärigen Biere nach und nach ablöste. 1890 verstarb der Gründer, seine Erben bauten das Unternehmen zu einer Großbrauerei aus. 1903 wurde das Firmenlogo – die drei aneinander lehnenden Küferhämmer – ins Leben gerufen.

Schlegel verschmolz mit Bierbrauerei Scharpenseel

1918 verschmolz die Schlegel AG mit der hiesigen Bierbrauerei Scharpenseel AG, wobei der Zusammenschluss nicht unbedingt stromlinienförmig verlief, denn er hatte seinen kirchenpolitischen Knackpunkt – schließlich sollte hier nichts weniger geschehen, als das evangelische „blau/weiße“ Schlegelbier mit dem katholischen „schwarzen“ Scharpenseel-Bier zu fusionieren.

Das war so manchem ein Dorn im Auges, so dass man anfangs sogar überlegte, den Zusammenschluss als „Bochumer Bürgerbräu“ firmieren zu lassen, um die konfessionellen Hakeleien zu entschärfen.

Beliebt bei den Arbeitern

Dazu kam es dann doch nicht, denn „Schlegel“ war längst ein Markenzeichen. Bis in die Wirtschaftswunderjahre machte es seinem Namen als "Arbeiterbier" alle Ehre, war es bei den Belegschaften der (nicht nur) Bochumer Zechen und Hüttenwerke äußerst beliebt.

Zum baulichen Blickfang der Großbrauerei wurde das 58 m hohe Silo-Hochhaus. 1927 errichtet, grüßte von der Turmkrone über 60 Jahre lang das Firmenzeichen mit den drei Schlegeln. Nach der Stilllegung der Braustätte 1980, wurden sie vom Wappen der Stadt Bochum abgelöst.

Zwei Bochumer bauen seit 2002 ein modernes Schlegel-Bier

1983 bis 1985 wurde ein Großteil der alten Brauerei abgerissen, das Gelände mit Wohnhäusern bebaut. Nur der denkmalgeschützte Schlegelturm und die Verwaltung mit der Gaststätte – heute ein Steak-Restaurant – blieben erhalten.

Heute ist die Marke nur noch nostalgische Erinnerung. Das heißt aber nicht, dass es sie nicht mehr gäbe: 2002 haben zwei Bochumer die Namensrechte gekauft, und lassen unter dem historischen blau-weißen Siegel ein modernes Schlegel-Bier brauen.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben