Bühne

Schauspielschule Bochum bekommt Besuch aus Ramallah

Die Schauspiel-Gäste aus Ramallah standen schon oft in Bochum auf der Bühne, so in der Produktion „Irgendwo müsste es schon sein“.

Foto: Kandalowski/Folkwang

Die Schauspiel-Gäste aus Ramallah standen schon oft in Bochum auf der Bühne, so in der Produktion „Irgendwo müsste es schon sein“. Foto: Kandalowski/Folkwang

Bochum.   Palästinensische Studierende der Drama Academy Ramallah besuchen die Folkwang-Schauspielschule. Sie bringen ein Drama von Sartre auf die Bühne.

Seit acht Jahren besteht die Zusammenarbeit zwischen der Bochumer Schauspielschule und der Drama Academy Ramallah. In diesen Tagen sind wieder palästinensische Schauspielstudierende zu Gast in unserer Stadt, am Donnerstag und Freitag zeigen sie im Theaterzentrum ihre Aufführung von „Tote ohne Begräbnis“, dem modernen Klassiker von Jean-Paul Sartre.

Menschen in Extremsituationen

Seit 2009 gibt es Austauschgastspiele zwischen dem Ruhrgebiet und dem Westjordanland, den Palästinensischen Autonomiegebieten im Nahen Osten. Aktuell gastieren junge Schauspieler/innen des diesjährigen, nunmehr 6. Abschlussjahrgangs der Drama Academy, die das Sartre-Drama in der Regie von George Ibrahim in arabischer Sprache mit deutschen Übertiteln auf die Bühne bringen.

Das Stück, 1947 uraufgeführt, analysiert Täter und Opfer im Keller der Folter. Wie weit geht der Mensch in Extremsituationen? Ist jedes Mittel recht, um ein vermeintlich erstrebenswertes Ziel zu erreichen? Bis heute gilt das im Eindruck der Gräuel des Zweiten Weltkriegs entstandene Schauspiel als beklemmender Beleg in die Einsicht, dass letztlich alles sinnlos ist, was immer geschieht: Quälen und Leiden, Leben und Sterben, Bangen und Hoffen, Lieben und Hassen. Im Anschluss an die Vorstellungen gibt’s Raum für Gespräche mit den Theatermachern.

Die Bürde der Besatzung schultern

Anlass für die Inszenierung gerade dieses Stückes gibt für Regisseur Ibrahim die politische Situation, die nach wie vor angespannte Lage zwischen israelischen und palästinensischen Interessen in seiner Heimat. „Auch 30 Jahre nach der ersten Intifada (=palästinensische Aufstände gegen Israel) hat unser Land immer noch die Bürde der Besatzung zu schultern. Checkpoints und Mauern umgeben uns. Gefängnisse und Haftanstalten haben sich vermehrt. Sartres Stück hat heute noch mehr an Bedeutung gewonnen“, so der Regisseur.

„Die Gastspiele sind von großer Bedeutung für die Studierenden und Lehrenden beider Ausbildungsstätten“, so Folkwang-Professorin Jana Niklaus. Erst im September gastierte eine Gruppe Folkwang-Studierender in Ramallah. „Neben dem Austausch über Probenerfahrungen, Methoden und Inhalte der Ausbildung, Theater in den verschiedenen Gesellschaftssystemen und Kulturkreisen, sind es vor allem die persönlichen Begegnungen und Gespräche, die die Lebensumstände, unter denen jeweils Theater gemacht wird, für alle Beteiligten sichtbar und spürbar werden lässt“, so Niklaus.

>>> Termine und Kartenreservierung

  • Die Drama Academy Ramallah gastiert am 9. und 10. November mit ihrer Produktion „Tote ohne Begräbnis“ von Jean-Paul Sartre jeweils um 19.30 Uhr in der Black Box im Folkwang-Theaterzentrum, Friederikastraße 4.

  • Der Eintritt ist frei. Einlasskarten an der Abendkasse. Wegen des begrenzten Platzangebots können sie vorher unter 0201/490 32 31 und per E-Mail an karten@folkwang-uni.de reserviert werden.

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