Schauspielhaus

Schauspielhaus Bochum feiert 100. Geburtstag

Timon aus Athen: Kann man Bochum als Shakespeare-Stadt bezeichnen? Nicht nur ausgewiesene Theatergänger sprechen das gern mit einem gewissen Stolz aus, denn die Stücke des großen Dichters gehören am Schauspielhaus seit 100 Jahren zum Pflichtprogramm. Zu neuen Höhen führte Intendant Frank-Patrick Steckel die Tradition der Shakespeare-Deutungen 1990 mit „Timon aus Athen“. In eigener Übersetzung gelang Steckel eine vorzügliche Inszenierung, bei der die Darsteller unter den Masken des Bühnenbildners Dieter Hacker verschwanden. Mit „Timon“ zeigte der oft grüblerisch wirkende Steckel eine Inszenierung von großer Spielfreude. Dabei war das Ensemble um Peter Roggisch, Armin Rohde und Wolfgang Michael hinter den Masken gar nicht zu erkennen.
Die Hermannsschlacht: Mit seiner Deutung des Kleist-Dramas (mit Gert Voss und Kirsten Dene) gelang Claus Peymann 1982 ein Erfolg weit über Bochum hinaus: Die Inszenierung ging auf große Gastspielreisen und folgte Peymann an seine nächste Wirkungsstätte an die Wiener Burg.
Hamlet: Ein Bild für die Ewigkeit. Ulrich Wildgruber, der während der Intendanz von Peter Zadek am Schauspielhaus zu einem der größten Schauspieler Deutschlands aufstieg, gab 1977 den tragischen Prinzen in einer Fabrikhalle an der Haldenstraße in Hamme. Eva Mattes war die Königin, Hermann Lause war Claudius, Ilse Ritter spielte Ophelia, den Polonius gab Rosel Zech – und das Publikum in einer für Zadeks Verhältnisse ungewohnt harmonischen Inszenierung spendete langen Beifall.
Warten auf Godot: Bühnenbildner Karl-Ernst Herrmann stellte den Beckett-Klassiker in einen riesigen goldenen Bilderrahmen – und auch sonst war Matthias Hartmanns Inszenierung 2002 ein Denkmal der Schauspielkunst: mit Ernst Stötzner, Michael Maertens, Fritz Schediwy und, nun ja, auch mit Harald Schmidt.
Penthesilea: Saladin Schmitt brachte 1936 „Penthesilea“ auf die Bühne, was mit einer schönen Anekdote einher geht. Um eine verdiente Schauspielerin nicht zu verlieren, setzte sich Schmitt dafür ein, ihr eine kräftige Gehaltserhöhung zu zahlen. Darauf stöhnte der Verwaltungschef, dies sei mehr als ein Oberstudienrat mit vier Kindern verdiene. Dem entgegnete Schmitt trocken: „Dann müssen wir den Herrn Oberstudienrat bitten, die Penthesilea zu spielen.“
Rose Bernd: Mit dem todtraurigen Schicksal einer 25-jährigen Kindsmörderin rührte Regisseur Roger Vontobel das Publikum 2015 zu Tränen. Für ihre grandiose Darstellung bekam Jana Schulz den Eysoldt-Ring. Und über allem: goldener Regen!
Faust I: Mit den wunderbar weiten Räumen des Bühnenbildners Max Fritzsche setzte Intendant Hans Schalla Maßstäbe. Seine Deutung von „Faust I“ mit Peter Lühr (Faust) und Hannes Messemer (Mephisto) brachte Schalla 1956 heraus.
Urfaust: 1998 war es, da knöpfte sich Jürgen Kruse das Drama vor – die Aufführung war eine Weile Stadtgespräch. In den Hauptrollen: Judith Rosmair, Sabine Orléans und Wolfram Koch, heute in „Murmel Murmel“ dabei.

Zum 100-jährigen Bestehen des Schauspielhauses blickt die WAZ auf bahnbrechende Aufführungen zurück: von "Timon aus Athen" bis "Rose Bernd".

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