Premiere

Sandra Hüller spielt den „Hamlet“ am Bochumer Schauspielhaus

Eine Szene aus „Hamlet“ mit Sandra Hüller in der Titelrolle.

Eine Szene aus „Hamlet“ mit Sandra Hüller in der Titelrolle.

Foto: Julian Röder / Schauspielhaus Bochum

Bochum.  Intendant Johan Simons bringt den Shakespeare-Klassiker im Schauspielhaus auf die Bühne. Mit drei Stunden wird die Aufführung relativ kurz.

Einer der größten deutschen Schauspiel-Stars in einer Traumrolle: Sandra Hüller ist ab Samstag als Titelheld des legendären Shakespeare-Dramas im Schauspielhaus zu sehen. Für Intendant Johan Simons, der noch nie zuvor einen „Hamlet“ inszenierte, ist dies ein ganz besonderes Glück: „Für mich ist Sandra eine der größten Darstellerinnen der Welt“, schwärmt er. „Dass wir sie hier in Bochum haben, ist unfassbar. Wenn ich sehe, wie wunderschön sie diese Texte sagt: Ich könnte gleich wieder anfangen zu weinen.“

Hüller als Hamlet: Diese Rolle von einer Frau spielen zu lassen, mag ungewöhnlich klingen, ist aber so neu nicht. Von Sarah Bernhardt bis Angela Winkler gab es in der Theatergeschichte einige weibliche Hamlets. „Es geht in der Figur ums Existenzielle, um Sein oder Nichtsein“, so Simons. „Das kann ein Mann genauso gut spielen wie eine Frau.“

Passagen aus der „Hamletmaschine“ fließen mit ein

Simons und sein Dramaturg Jeroen Versteele vertrauen dabei auf die Übersetzung von Jürgen Gosch, der den Text sehr direkt ins Deutsche übertragen habe. „Das ist eine klare, fast schon moderne Sprache“, meint Versteele. Wenn Hamlet im dritten Akt ein kleines Theaterstück aufführen lässt, fließen kleinere Passagen aus der „Hamletmaschine“ von Heiner Müller mit ein. „Und wir haben viel gekürzt“, so Versteele. Mit knapp drei Stunden (inklusive Pause) wird die Aufführung also verhältnismäßig kurz – und sie soll überall im Saal gut zu verstehen sein: Die Schauspieler tragen Mikroports. „In der Vergangenheit habe ich oft gehört, man würde sie akustisch schlecht verstehen“, sagt Simons. „Das wird diesmal anders werden.“

Schlichtes, kraftvolles Bühnenbild

Neben dem elfköpfigen Ensemble (u.a. mit Stefan Hunstein als Claudius und der kenianischen Schauspielerin Mercy Dorcas Otieno als Gertrud) darf man sich ein schlichtes, aber kraftvolles Bühnenbild von Johannes Schütz freuen. Sämtliche Schauspieler sind während der Vorstellung im Saal. Wer gerade nicht spielt, setzt sich vorn in die erste Reihe und schaut den anderen zu.

Überhaupt sei die Inszenierung in einer großen Gemeinschaftsarbeit entstanden: „Das Ensemble war zu jeder Zeit vollständig dabei und hat sich bei den Proben auch gegenseitig kritisiert“, erzählt Simons.

Eine besondere Rolle spielt die Musik: Die japanische Soundkünstlerin Mieko Suzuki wird die Aufführung live auf der Bühne begleiten. Sie nimmt metallische Klänge auf, etwa von fallenden Nägeln oder rasselnden Ketten, und formt daraus ganz eigene Rhythmen.

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