Kunstprojekt

Ruhrtriennale: Flugzeug landet vor der Jahrhunderthalle

Unter dem Titel „Third Space“ entwickelt das Berliner Künstlerkollektiv „Raumlabor“ die Idee, ein Flugzeug vor der Jahrhunderthalle landen zu lassen. Oben ein erstes Modell.

Unter dem Titel „Third Space“ entwickelt das Berliner Künstlerkollektiv „Raumlabor“ die Idee, ein Flugzeug vor der Jahrhunderthalle landen zu lassen. Oben ein erstes Modell.

Foto: Raumlabor

bochum.   Zum Start der Ruhrtriennale unter Leitung von Stefanie Carp wird der Vorplatz neu gestaltet. Ein ausrangiertes Flugzeug wird zum Festivalzentrum.

Dass es in Bochum keinen Flughafen gibt, dürfte schon so manchen gewurmt haben, der auf dem Weg nach Düsseldorf im Stau stand. Doch das könnte bald anders werden – zumindest im künstlerischen Sinne. Denn zum Start der Ruhrtriennale plant die neue Intendantin Stefanie Carp ab August eine komplette Neugestaltung des Platzes vor der Jahrhunderthalle. Der wohl größte Hingucker: ein Flugzeug.

Schon während der letzten drei Jahre unter Leitung von Johan Simons wurde der Vorplatz von einer Großinstallation beherrscht. Unter dem Titel „The Good, the Bad, The Ugly“ zeigte das niederländische Kollektiv van Lieshout eine zwölf Meter hohe begehbare Figur, die in schlüpfriger Weise hinter einem hundeähnlichen Häuschen stand. Während das Bochumer Publikum das Kunstdorf, in dem Lesungen, Parties und Konzerte stattfanden, neugierig erkundete, sorgte es bei seinem Wiederaufbau in Paris für etwas Ärger. Zum Auftakt der Pariser Kunstmesse FIAC sollte es im Herbst zunächst nahe dem Louvre stehen, musste dann aber nach Protesten vor das Centre Pompidou umziehen.

Suche nach dem Flieger läuft

Die Berliner Künstlergemeinschaft „Raumlabor“ steckt derweil mitten in den Planungen, eine neue Installation für die kommenden drei Jahre vor der Jahrhunderthalle zu kreieren. „Schon beim ersten Treffen vor Ort wuchs die Idee, dort ein Flugzeug landen zu lassen“, erzählt Barbara Mundel. Die ehemalige Intendantin des Stadttheaters Freiburg arbeitet seit diesem Jahr als Dramaturgin bei der Ruhrtriennale und entwickelt das Projekt gemeinsam mit „Raumlabor“. „Der ganze Platz mit dem Foyer und der modernen Glasfront hat die Anmutung eines Flugzeug-Hangars“, sagt sie. „Da war die Assoziation schnell geweckt.“

Der passende Flieger ist noch nicht gefunden. „Raumlabor“ befindet sich momentan auf der Suche und klappert diverse Flugzeugfriedhöfe und Museen ab, um eine ausrangierte Maschine zu finden, die Platz für etwa 100 Besucher bieten soll. Das Flugzeug soll dann zum Festivalzentrum mit eigenem Programm werden.

Mit dem Charme des Unfertigen

Wenn das Flugzeug tatsächlich gefunden ist, soll es auseinander montiert und in seinen Einzelteilen nach Bochum gebracht werden. „Hier wird es neu zusammen gesetzt und auch künstlerisch verändert“, sagt Barbara Mundel. Weil viele Arbeiten von „Raumlabor“ mit dem Charme des Unfertigen spielen, sollte der Besucher zum Start der Ruhrtriennale keinen fertigen Ferienflieger erwarten, sondern eher eine Installation, die mit Themen wie Technik und Fortschritt spielt und ihre Gestalt immer wieder verändert. „Das wird im Laufe der drei Jahre ein fortlaufender Prozess sein“, so Mundel.

Marthaler bespielt die komplette Jahrhunderthalle

Unter dem Titel „Zwischenzeit“ steht die erste Spielzeit der Ruhrtriennale unter Leitung von Stefanie Carp, die am 9. August im Landschaftspark Duisburg-Nord beginnt. Erneut soll die Jahrhunderthalle zum Zentrum werden. Regisseur Christoph Marthaler plant, bei seiner Musiktheater-Produktion „Universe, incomplete“ erstmals die komplette Halle zu bespielen. Das Publikum versammelt sich im Westpark. Premiere: 17. August.

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