Forschungsprojekt

Rollstuhl mit den Gedanken steuern: Bochumer Ärzte forschen

Vanessa Hellwig ist nicht querschnittgelähmt. Sie probiert im Bergmannsheil bei einem Pressetermin nur aus, wie es funktioniert, einen Rollstuhl durch Gedankenkraft zu steuern. Dr. Luca Tonin erklärt ihr, wie das geht.

Vanessa Hellwig ist nicht querschnittgelähmt. Sie probiert im Bergmannsheil bei einem Pressetermin nur aus, wie es funktioniert, einen Rollstuhl durch Gedankenkraft zu steuern. Dr. Luca Tonin erklärt ihr, wie das geht.

Foto: Dietmar Wäsche

bochum.   Am Bergmannsheil in Bochum läuft ein neues Forschungsprojekt. Querschnittgelähmte sollen nur mit ihren Gedanken einen Rollstuhl lenken können.

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Das hört sich erst einmal schwierig an, nach Zukunftstechnologie, nach erfundenen Möglichkeiten, die nur in Science-Fiction-Filmen funktionieren: Geräte mit Gedankenkraft bewegen. Vanessa Hellwig aber wird das gleich können. Sie wird den Rollstuhl, in dem sie gerade sitzt, nur mit ihren Gedanken bewegen. Denkt sie an ihre Hände, bewegt sich der Rollstuhl nach links. Denkt sie an ihre Füße, bewegt sich der Rollstuhl nach rechts. Möglich macht das eine neue Technik. Sie wird gerade am Universitätsklinikum Bergmannsheil erforscht.

Es geht nicht um Hilfe für Vanessa Hellwig. Sie hat sich nur für den Pressetermin bereit erklärt, den Rollstuhl und ihre Gedankenkraft auszuprobieren. Es geht um eine Hilfe für querschnittgelähmte Patienten ohne jegliche Bein- und Armfunktion. Eine internationale Arbeitsgruppe testet in einem Forschungsprojekt, wie sie den Patienten neue Möglichkeiten bieten kann, sich wieder zu bewegen. Also mit einem Rollstuhl.

Wichtigster Bestandteil des Versuchsaufbaus ist neben dem Rollstuhl ein sogenanntes Brain-Computer-Interface, kurz BCI. Das ist eine Schnittstelle zwischen Gehirn und Computer. Die Probanden bekommen eine EEG-Haube auf den Kopf gesetzt. Darüber wird die elektrische Aktivität des Gehirns erfasst. Die Signale werden über einen Computer ausgewertet. Der übersetzt sie in Steuerungsbefehle. Die wiederum können zur Bewegung eines speziell ausgerüsteten Rollstuhls genutzt werden.

Training dauert drei Monate

„Hier geht es um Hilfe für hochgelähmte Patienten“, sagt Professor Ramón Martínez-Olivera, Leiter der Abteilung für Neurochirurgie/Neurotraumatologie am Bergmannsheil. Zusammen mit Dr. Mirko Aach, dem Leiter der Abteilung für Rückenmarkverletzte am Bergmannsheil, und Dr. Luca Tonin von der Technischen Hochschule Lausanne bringt er die Forschung voran. Zehn Patienten des Bergmannsheils sollen schließlich in der Lage sein, den Rollstuhl über ihre Gedanken zu bewegen. Zwei haben die drei Monate Training bereits hinter sich. Nun folgen zwei weitere. „Einer der ersten Probanden konnte den Rollstuhl am Ende des Trainings sehr gut durch einen Parcours steuern“, sagt Martínez-Olivera. „Das heißt aber natürlich noch nicht, dass er sich mit dem Rollstuhl normal in der Öffentlichkeit bewegen könnte.“ Das soll aber mit der neuen Technik irgendwann möglich sein.

Für das Bergmannsheil ist dieses Forschungsprojekt ein weiterer Schritt, die Bewegungsfähigkeit von gelähmten und gebrechlichen Menschen zu verbessern. Den Einsatz eines japanischen Exoskelettsystems erforscht es bereits länger.

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