Inklusionsgefahr

Rolli-Fahrer üben vor dem Thealozzi-Theater Protest

Rollstuhlfahrer diskutierten am Freitagabend mit Ensemblemitglied Daniel Susewind (re.) vorm Thealozzi.

Rollstuhlfahrer diskutierten am Freitagabend mit Ensemblemitglied Daniel Susewind (re.) vorm Thealozzi.

Foto: Dietmar Wäsche

Bochum.   Das Kulturhaus in Bochum ist nicht barrierefrei, was am Freitag offenkundig wurde. Ausgerechnet bei einem Theaterstück über Inklusion.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Dass ausgerechnet bei einem Theaterstück über die Integration von Behinderten behinderte Menschen draußen bleiben müssen, sorgte am Freitagabend im Kulturhaus Thealozzi für Zündstoff. Michaela Kusal und weitere Rollstuhlfahrer protestierten öffentlich. „Wir fühlen uns ausgegrenzt“, so Kusal, die Sprecherin der AG behinderte Bürger/innen in Bochum ist.

Auf dem Thealozzi-Spielplan stand das Stück „Inklusionsgefahr“. Darin spießen Autorin und Kabarettistin Sahar Raie und ihr Ensemble wortgewandt und witzig Lücken im Zusammenleben zwischen behinderten und nichtbehinderten Menschen auf. „Unser Ziel ist es gerade, das Miteinander zu stärken“, sagt Mitspieler André Dinter.

Haus für Behinderte nicht geeignet

Die Botschaft kam auch bei Kusal an, aber ihr geht es um etwas anderes. „Ich habe mich um Karten bemüht, und dabei eher beiläufig gesagt bekommen, dass das Thealozzi gar nicht behindertengerecht ist“, sagt sie. „Und das bei einem Stück über Inklusion!“ Sie fühle sich ausgegrenzt: „Man müsste offensiv darauf hinweisen, dass das Haus für Behinderte nicht geeignet ist.“

Barrierefrei ist die Spielstätte im Schulgebäude an der Pestalozzistraße tatsächlich nicht. Das Haus ist über 100 Jahre alt, der Theatersaal liegt im ersten Stock, und ist nur über ein vielstufiges Treppenhaus erreichbar. Für Rollifahrer und Gehbehinderte unüberwindbar. Das Thealozzi versichert, mit der Situation mehr als unzufrieden zu sein. Allerdings müsste die Stadt als Hausbesitzerin für den behindertengerechten Umbau sorgen.

Die freien Gruppen, die dort als Mieter heimisch sind, könnten die Investition niemals selber stemmen. Gespräche mit der Stadt über Fördermaßnahmen laufen seit geraumer Zeit.

Den Rollifahrern am Freitag hat das nichts genutzt. Man habe angeboten, die Rollstühle die Treppen hochzutragen, so ein Thealozzi-Mitstreiter. Das sei abgelehnt worden: „Die Gefahr, dass es dabei zu einem Unfall kommt, erschien uns zu groß“, so Michaela Kusal.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (1) Kommentar schreiben