Stadtteil-Check

Riemke erhält im Stadtteil-Check Topnoten für den Nahverkehr

Sebastian und Stefanie Krüger mit Sohn Ben: Die junge Familie lebt gerne hier, lobt vor allem das Nahverkehrsangebot. Mies schneiden erwartungsgemäß die Einkaufsmöglichkeiten ab.

Sebastian und Stefanie Krüger mit Sohn Ben: Die junge Familie lebt gerne hier, lobt vor allem das Nahverkehrsangebot. Mies schneiden erwartungsgemäß die Einkaufsmöglichkeiten ab.

Foto: Dietmar Wäsche

Bochum-Riemke.  Beim Stadtteil-Check landet Riemke auf Platz 17 von 30. Schlechte Noten gibt’s für die Nahversorgung. Und Tempo 30 auf der Herner Straße nervt.

Beim Stadtteil-Check, den die WAZ im vergangenen Jahr mit Lesern durchführte, landet Riemke ziemlich genau im Mittelfeld. Von 30 Stadtteilen, die die Teilnehmer bewerteten, belegt Riemke den 17. Rang. In der Gesamtnote bekommt der Stadtteil ein gut- (2,50). Zweimal gut (Gesamtnote, medizinische Versorgung), einmal sehr gut (Nahverkehr) gibt es. Bei den restlichen Kategorien hat Riemke immerhin noch eine 3 vor dem Komma.

Nahverkehr in Riemke? „Unschlagbar!“

Stefanie Krüger (36) arbeitet für die Justiz und findet Riemke lebenswert: „Ich habe schon immer hier gewohnt.“ Ihr Ehemann Sebastian (42) stammt aus Witten, zog dann – der Liebe wegen – nach Bochum, wo es ihm gut gefällt. Er ist bei der Bahn beschäftigt und engagiert sich im Förderverein der Wilbergschule, die Sohn Ben (7) besucht.

Die beste Note zwei plus (1,59) erteilen die WAZ-Leser dem Nahverkehr in Riemke. „Der ist tatsächlich unschlagbar“, sagt Sebastian Krüger. In fünf Minuten erreicht man mit der U 35 die Innenstadt. Es verkehrt der Bus, mit dem man inzwischen auch zum Ruhrpark kommt; das dauert nur etwas.“

Niklas Heimann (26) studiert Vertrieb an der Ruhr-Uni und lebt seit drei Jahren in Riemke. „Das Gesamtpaket passt. Zwar liegt Riemke zwischen zwei Autobahnen; doch es lässt sich hier gut leben. In kurzer Zeit bin ich im Grünen: Unsere WG läuft gerne auf den Tippelsberg. An der Uni bin ich mit der Campus-Linie in 15 Minuten.“ Auch Parkplätze gebe es genügend, so der Student.

Ebenfalls eine zwei plus (1,75) erhält die medizinische Versorgung. Das sieht Stefanie Krüger genauso: „Wir haben hier viele Hausärzte, Zahnärzte, einen Gynäkologen, HNO, auch einen Tierarzt. Ich würde sagen, wir sind gut aufgestellt.“

Nervig: Mehr Verkehr in den Wohnstraßen

Was stört in Sachen Verkehr, ist das Tempo 30 auf der Herner Straße. „Das nervt wohl jeden Riemker. Ich fahre mit dem Auto zur Arbeit. Wenn wenigstens die Ampeln entsprechend eingestellt worden wären. So aber fahren alle, die sich auskennen, durch die Wohnstraßen und belasten dort die Bewohner.“ Ihr Mann zweifelt auch, dass diese Maßnahme die Schadstoffe verringern könne, „es fehlen die Bäume“. Dies führt für sie auch zu die weniger gute Benotung von Politik und Stadtverwaltung (3,84).

Beim Thema Sicherheit gibt’s die Note 2,75. „Es wurden schon abends Friedhofbesucher ausgeraubt, aber das ist lange her. Vielleicht ist das bei einigen Befragten hängengeblieben.“ Stephanie Krüger zuckt mit den Schultern und sagt: „Ich fühle mich hier sicher.“

Hoffnungen ruhen auf Urban-Green-Projekt

Bei der Seniorenfreundlichkeit landet Riemke bei der Note 2,77. „Eigentlich gibt es hier doch viel für Ältere“, findet Stefanie Krüger, „allein die Angebote im Franziskussaal. Auch das Seniorenbüro stellt hier mehr und mehr auf die Beine.“

Mit der Kinderfreundlichkeit hingegen ist es nach Ansicht der jungen Eltern nicht weit her – das finden auch die WAZ-Leser, die dafür nur eine 3,28 geben. „Wir haben hier nur wenige Spielplätze; einer liegt in einem Hinterhof, da durfte ich als Kind schon nicht alleine hin“, sagt die gebürtige Riemkerin. Verbesserungen erhofft sie sich vom Projekt „Von Hausacker zum Urban Green“, das eine Naherholungsfläche für den Stadtteil schaffen soll – Spielflächen inklusive.

Lieblingsort der Riemker: Der Tippelsberg

Die Freizeitangebote, die Riemke heute schon zu bieten hat, können sich sehen lassen, finden die Krügers, und zählen ganz vorne das Zillertal und den Tippelsberg auf, wo Sohn Ben gern und oft mit den Großeltern hingeht. Die Leser vergeben hier die Note 3,40.

Die Eltern haben hier aber auch einen Verbesserungsvorschlag: „Hinter der Wilbergschule besitzt die Stadt eine Freifläche. Die würde sich super eignen für den Bau einer Mehrzweckhalle. Auch die OGS bräuchte mehr Platz.“

Supermärkte, Bäcker, Metzger – alle weg

Schlechte Noten gibt’s für Einkaufsmöglichkeiten (3,67). „Wir hatten hier Supermärkte, mehrere Bäcker, Metzger – alle verschwunden. Alle setzen jetzt ihre Hoffnung auf den geplanten Rewe“, erklärt Stefanie Krüger.

Dass es auch fürs Gemeinschaftsgefühl lediglich eine 3,42 gibt, können die Eltern nachvollziehen: „Das ist bei jüngeren Leuten ohnehin nicht mehr so ausgeprägt wie bei unseren Eltern. Ich sehe an meiner Familie: Je älter jemand ist, desto mehr Kontakte pflegt er.“ Niklas Heimann sagt: „Ich spiele seit einiger Zeit Fußball bei der DJK Adler Riemke. Die machen gute Jugendarbeit und tragen zum Gemeinschaftsgefühl bei.“

Abends ausgehen? Wenn, dann Richtung Innenstadt

Ganz hinten im Riemker Ranking liegt das gastronomische Angebot (3,85). „Wir haben nicht mehr viel, wo man hingehen könnte. Vor allem fehlt die Eisdiele schmerzlich“, sagt Sebastian Krüger. Und seine Frau ergänzt: „Ich käme aber auch gar nicht auf die Idee, mir in Riemke ein Restaurant zu suchen, wenn wir uns mal einen schönen Abend machen wollen. Da fahren wir immer in die Innenstadt.“

Zum Thema Sauberkeit (Note 3,18) meinen die Krügers: „Es ist wie wahrscheinlich überall auch hier so, dass Abfälle herumliegen. Es fehlen aber auch Müllbehälter, vor allem in den Nebenstraßen.“

>>> Wir vertiefen die Ergebnisse der Befragung

Die Stadtteil-Redaktion vertieft aktuell die Einzelergebnisse unseres Stadtteil-Checks. An der Leserbefragung hatten sich zwischen Ende September und Mitte November 2018 insgesamt 5535 Leser beteiligt, indem sie für ihren Stadtteil Schulnoten in 13 Kategorien vergaben – von der Sicherheit bis zur Parkplatzsituation. Riemke wurde von 151 Teilnehmern bewertet.

Wir greifen Aspekte auf und fragen Sie: Wie liebenswert ist Ihr Stadtteil? Warum leben Sie gerne hier? Wo gibt es Defizite? Ihre Meinung ist weiterhin gefragt! Teilen Sie sie uns mit und schreiben uns eine E-Mail an
stadtteile.bochum@waz.de .

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