Musik

Rapper Muetze verabschiedet Steinkohlebergbau

Markus Herzog alias Muetze steht an seiner mobilen Gesangskabine in seiner Wohnung. Der Rapper veröffentlicht in Kürze seine neue Kohle-EP.

Markus Herzog alias Muetze steht an seiner mobilen Gesangskabine in seiner Wohnung. Der Rapper veröffentlicht in Kürze seine neue Kohle-EP.

Foto: Dietmar Wäsche

Weitmar.   Am 31. August erscheint die Platte „Schicht im Schacht“ von Muetze. Musiker veröffentlichte schon Schalke-Album und wirkte bei TV-Doku mit.

Er will es unbedingt, sein Herz hängt drin. Schließlich investiert Muetze seit 17 Jahren Energie, Kreativität und Geld in die Musik. In seinem Arbeitszimmer in Weitmar steht eine schicke, mobile Gesangskabine, daneben eine Kiste mit frisch gepressten CDs. Der Rapper nimmt Produktion und Vertrieb der Tonträger selbst in die Hand.

Ein wenig ist es dem Zufall zu verdanken, dass die Veröffentlichung der EP „Schicht im Schacht“ mit dem Ende der Bergbau-Ära im Ruhrgebiet zusammenfällt. Markus Herzog, alias Rapper Muetze, machte schon im vergangenen Jahr von sich reden, als er seiner Heimatstadt Gelsenkirchen ein Schalke-Album schenkte. Es war sein erster großer Wurf voller Liebe zur blau-weißen Fußballgemeinschaft.

„111 Jahre Schalkefans“

Durch den Song „111 Jahre Schalkefans“, dessen Refrain das Steigerlied ist, wurden die Macher des Dokumentarfilms „Der lange Abschied von der Kohle“ auf Muetze aufmerksam. Er steuerte den neuen Song „Der Steiger kommt“ für den Soundtrack bei. „Ich habe das Thema vertieft und weitere Texte geschrieben.“ Sechs Lieder mit Ruhrpott-Seele enthält das neue Mini-Album. Ein Sahnehäubchen ist der Beitrag von Sängerin Katharina Czayka, kurz „Kadda“, die den Steiger mit samtweicher Stimme ankündigt.

In allen sechs Songs geht es um das Ende des Bergbaus oder das Wesen der Region, mit der sich Muetze identifiziert. „Ich bin so ein richtiger Ruhrpott-Junge. Die Leute hier sind ehrlich, offen und sagen dir vor den Kopf, was Sache ist. Ich mag das“, so der 32-Jährige. Das Thema Heimat ist der rote Faden seiner Neuveröffentlichung.

Studium zum Sozialarbeiter

Aufgewachsen in Gelsenkirchen-Hüllen, verlief sein Weg nicht kerzengerade. Markus Herzog verließ die Schule nach der neunten Klasse ohne Abschluss, als er zehn Pflichtschuljahre voll hatte. Doch der Junge blieb am Ball. Die Musik wurde seine ständige Begleiterin. Er fuhr auf Hip-Hop-Jams, wie die Rapkonzerte in der Szene heißen. Er begeisterte sich für Rapkollegen aus dem Ruhrgebiet wie die Ruhrpott AG aus Bochum und Creutzfeld & Jakob aus Witten. Die Musik gab Muetze vielleicht sogar den Biss, seinen Weg konsequent weiterzugehen. Er holte seine Schulabschlüsse nach und beendete vor kurzem sein Studium zum Sozialarbeiter. Jetzt arbeitet Herzog für die Stiftung Overdyck in einer Wohngruppe mit Jugendlichen.

Video entstand auf Zeche Hugo

Muetze hat sich ein Netzwerk mit Kreativen aufgebaut, um seine Texte in Ton und Bild zu präsentieren. Das Video zum Titelsong „Schicht im Schacht“ entstand mit Hilfe der ehrenamtlichen Mitarbeiter auf Zeche Hugo in Gelsenkirchen.

Obwohl Muetze einer Generation angehört, die die Zechen schon bald als Industriedenkmäler wahrgenommen hat, nimmt man dem Mann das Gespür für die Geschichte seiner Heimat voll ab. Authentisch, ehrlich und herzlich – „Schicht im Schacht“ ist ein schönes Stück Rapkultur aus dem Pott.

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