Natur

Rätsel um den Schilderwald im Weitmarer Holz ist gelüftet

Schilder wie diese stehen seit einiger Zeit im Weitmarer Holz in Bochum und sorgen bei den Besuchern für Verwirrung.

Schilder wie diese stehen seit einiger Zeit im Weitmarer Holz in Bochum und sorgen bei den Besuchern für Verwirrung.

Foto: Olaf Ziegler / FUNKE Foto Services

Bochum-Weitmar.  Im Weitmarer Holz stehen nicht nur unzählige Bäume, sondern nun auch viele Schilder. Deren Bedeutung können Besucher nur erahnen. Bis jetzt.

Wer in letzter Zeit mal eine Runde durch das Weitmarer Holz in Bochum gedreht hat, wird sie gesehen haben: Zig Schilder mit einer rätselhaften Beschriftung und ebenso seltsamen Standorten. Denn sie stehen nicht nur am Wegesrand, sondern auch im Unterholz, zwischen den Bäumen. Ein Schilderwald mitten in der Natur.

Rätselhafter Schilderwald im Weitmarer Holz verwirrt die Bochumer

Schacht Nr. 133 steht beispielsweise auf einem Schild. Darunter ein blauer Pfeil mit der Angabe „6 Meter“. Ansonsten: nichts. Eine erläuternde Erklärung? Fehlanzeige. Die Schilder stehen mal direkt nebeneinander, mal weit auseinander. Und manchmal auch so, dass man sie vom Weg aus gar nicht lesen kann. Nämlich augenscheinlich falsch herum montiert. „Man sieht inzwischen den Wald vor lauter Schildern nicht mehr“, sagt ein Weitmarer, der jeden Morgen durchs das Naherholungsgebiet spaziert und sich über die Verschandelung ärgert.

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Wer jetzt vermutet, die Schilder könnten etwas mit der Bochumer Bergbauvergangenheit zu tun haben, ist auf dem richtigen Weg. „Die Schilder weisen auf verlassene Bergbau-Tagesöffnungen im Weitmarer Holz hin“, teilt Stadt-Sprecher Peter van Dyk auf WAZ-Anfrage mit. Das seien in der Regel Schächte. „Es sind in Summe mehr als 200 Schilder, weil so viele Schächte vorhanden sind.“

Diese Schächte sind laut Stadtverwaltung sehr alt, „bei den letzten wurde bis in die 1960er Jahre auf vielen Kleinzechen Kohle gefördert“. Über die Verfüllung und Sicherung dieser mehr als 200 Schächte sei nichts bekannt. „Da über die Standsicherheit der Tagesoberfläche an diesen Schächten keine Aussage möglich ist, muss grundsätzlich auch mit Senkungen oder Einbrechen der Oberfläche gerechnet werden“, gibt Peter van Dyk zu Bedenken.

Schilder sind gar nicht für Besucher gedacht

Zur Warnung der Spaziergänger und anderer Bürger, die den Wald besuchen, stehen bereits an allen Zuwegungen des Weitmarer Holzes entsprechende Warnschilder, die auf die Gefahren beim Verlassen der gesicherten Wege hinweisen. „Diese Warnung ist absolut ernst gemeint, auch wenn manche Menschen die Gefahren verkennen“, sagt Peter van Dyk.

Die rund 200 Schilder an den Schächten wurden im Auftrag der Stadt aufgestellt und sind nach Angaben der Verwaltung „nicht für den Spaziergänger gedacht, sondern wenden sich als Arbeitsschutzmaßnahme im Rahmen der Fürsorgepflicht an die städtischen Mitarbeiter im Forstbetrieb, die auch abseits der sicheren Wege Unterhaltungsarbeiten durchführen müssen“. Diese würden über die Schildermasten auf die erhöhte Gefährdung im Schachtbereich hingewiesen.

Das Schild selbst gebe nur nochmal Information zur Wiederauffindung der überschütteten Schächte für die Fachleute. „Es sind also keine Info-Tafeln für den Bürger wie z.B. an einem bergbauhistorischen Rundweg“, stellt Peter van Dyk klar.“ Deshalb müsse auch auf alle Schächte hingewiesen werden.

Da sich die Schilder nicht informativ an den Bürger wenden, sondern nur das Vorhandensein der Gefahr für die Forstmitarbeitenden signalisieren, reichen die Angaben aus Sicht der Stadt aus. Van Dyk: „Der erholungsuchende Bürger sollte auf den gesicherten Wegen im Wald bleiben und gar nicht bis zum Schild gehen.“

Das Aufstellen der über 200 Schilder hat mit allen Vorbereitungen und Einmessen übrigens ca. 130.000 Euro gekostet.

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