Demenz

Puppen sollen Demenzkranken im Alltag helfen

Eva Maria Matipmit einem Prototyp der „Our-Puppet“-Puppen. Foto: DRK

Eva Maria Matipmit einem Prototyp der „Our-Puppet“-Puppen. Foto: DRK

Bochum.   Das Rote Kreuz beteiligt sich an einem Pilotprojekt mit einer Puppe für Demenzerkrankte. Ein Testlauf beginnt 2018 in sechs Bochumer Familien.

Das Rote Kreuz geht bei der Betreuung von Demenzerkrankten neue Wege. Mit seiner Alzheimerhilfe beteiligt sich der DRK-Kreisverband an einem Pilotprojekt des Bundesministeriums für Bildung und Forschung. Eine interaktive Puppe soll den Alltag in den Familien bereichern und Angehörige entlasten.

6700 Frauen und Männer sind in Bochum an Demenz erkrankt. Tendenz: stark steigend. Technische Hilfsmittel sollen vor allem die Sicherheit der verwirrten Patienten erhöhen. „Sensormatten am Bett, die beim Aufstehen Alarm schlagen, gehören ebenso dazu wie GPS-Ortungssysteme oder sprechende Pillendosen“, sagt Jutta Meder, Beraterin der Alzheimer-Gesellschaft.

Puppe hat ein elektronisches Innenleben

Beim Bochumer Alzheimertag am 21. September in der Evangelischen Kirchengemeinde Weitmar wird über die Technikhelfer diskutiert. Vorgestellt wird dabei auch das Verbundprojekt „Our Puppet“ (deutsch: unsere Puppe), bei dem das DRK eine wichtige Rolle einnimmt. Seit Mai 2016 arbeitet das Rote Kreuz mit Hochschulen, Forschungseinrichtungen und der Spieleindustrie zusammen. „Gemeinsam entwickeln wir eine Puppe, die es so weltweit noch nicht gibt“, sagt Eva-Maria Matip von der DRK-Alzheimerhilfe. Dank seines elektronischen Innenlebens und einer dauerhaften Wlan-Verbindung soll sich der Stoff-Gefährte nicht nur mit den Demenzerkrankten „unterhalten“, sondern auch deren Emotionen wie Freude, Trauer oder Unruhe wahrnehmen können.

„Das ist vor allem in den Zeiträumen wichtig, in denen gerade kein Angehöriger oder Pfleger vor Ort ist“, so Eva-Maria Matip. Die Puppe spende dem Gegenüber Trost, gebe ihm Sicherheit, fragt: „Sollen wir reden?“ oder schalte den Fernseher ein. „Sie erkennt dank der Kameras in den Augen auch, ob der Bewohner die Wohnung verlässt und setzt einen Notruf ab.“

Finanzierung ist noch ungewiss

Erste Testläufe seien erfolgreich gewesen, so Matip. Ein wichtiger Schritt folge im Frühjahr 2018 in Bochum. „Dann suchen wir sechs Familien, die die Puppe bei sich aufnehmen und über ihre Erfahrungen berichten.“ Ende 2018 sollen die Praxistests abgeschlossen sein. Ob die Puppen danach in Serie gehen und von den Pflegekassen finanziert werden, sei ungewiss.

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