Gesundheit

Psychisch kranke Menschen streben nach Normalität

Zu Beginn malen die Patienten vorgezeichnete Mandalas aus, später entwerfen sie selbst die Formen – das schafft ein Stück Selbstsicherheit.

Zu Beginn malen die Patienten vorgezeichnete Mandalas aus, später entwerfen sie selbst die Formen – das schafft ein Stück Selbstsicherheit.

Foto: Dietmar Wäsche / FUNKE Foto Serv

Bochum.  Die Menschen in der Medizinischen Reha-Bochum möchten ihren schweren Depressionen, Persönlichkeitsstörungen oder Psychosen entfliehen. Arbeit ist ein wichtiges Ziel.

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Hendrik S. leidet an einer bipolaren Störung, die sowohl depressive Phasen als auch manische, also unkontrolliert antriebsgesteigerte Episoden zur Folge hat.

Der studierte Philosoph arbeitete früher im Bereich Öffentlichkeitsarbeit und Marketing. „Ich bin soweit, dass ich sage, ich brauche einen Job, der mich beschäftigt und mich am Leben hält. Mein Anspruch an Arbeit ist nicht sehr groß, weil ich weiß, ich muss mit Stress vorsichtig sein“, schildert der 37-Jährige.

Passende Tätigkeiten finden

Konzentration und Struktur ermöglicht Hendrik S. in diesem Augenblick ein Mandala, das mit geometrischen Formen den Mittelpunkt des Bildes umspielt. Es ist Teil seiner teilstationären Therapie in der psychiatrischen Rehabilitationseinrichtung in Werne.

Die etwa 24 Menschen hier kämpfen zum Beispiel mit schizophrenen Psychosen, mit denen Wahnvorstellungen einher gehen, oder müssen schon lange Jahre mit Persönlichkeitsstörungen oder schweren Depressionen zurecht kommen. Eine abschließende Heilung kann darum nicht unbedingt das Ziel sein. „Es gibt Krankheiten, zum Beispiel eine Borderline-Persönlichkeitsstörung, bei denen die Patienten Selbstmanagement und Selbstregulation erlernen können“, sagt die leitende Fachärztin Dagmar Jabs. Eine Borderline-Persönlichkeitsstörung, die unter anderem durch emotionale Instabilität und Impulsivität gekennzeichnet ist, erfordert in der Therapie passende Tätigkeiten. „Für einen Borderline-Patienten, der Struktur braucht, würden wir keine Seidenmalerei anbieten“, so Jabs.

Kraftvoll für ein normales Leben

Fachärzte, Psychologen, Sozialarbeiter, Krankenpfleger sowie Ergo- und Sporttherapeuten kümmern sich um die Patienten. Die Rehabilitation beinhaltet Praktika in kooperierenden Betrieben wie einem Gartencenter oder Supermarkt. Ein Vorteil der Reha sei es, dass durch den langen Aufenthalt die Einstellung der Patienten auf Medikamente gut erarbeitet werden könne, so Ärztin Jabs. Im Idealfall seien die Menschen nach drei, durchschnittlich sechs und bis zu zwölf Monaten soweit genesen, dass sie einer erwerbsmäßigen Tätigkeit nachgehen oder eine berufliche Rehabilitation über die Arbeitsagentur anschließen können. Für etwa 60 Prozent der Patienten werde die Reha durch die Rentenversicherung finanziert. Geschätzt die Hälfte dieser Patienten würde zumindest arbeits- oder teilarbeitsfähig entlassen, so Jabs.

Bianca Bonnek verlässt die Klinik in Kürze nach sechs Monaten. Seit 2009 wird die 44-Jährige wegen einer posttraumatischen Belastungsstörung, Angst- und Panikattacken und Depression behandelt. Die Essenerin arbeitete früher als Beiköchin und wirkt nun kraftvoll für ein normales Leben – wohl auch, weil sie draußen weiterhin um Hilfe weiß: „Mir wurde ein Psychotherapieplatz organisiert, zu dem ich regelmäßig gehen kann“, sagt sie und klingt erleichtert.

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