Landgericht Bochum

Psychiater soll gegen Bargeld Frührenten erschlichen haben

Die 13. Strafkammer des Landgerichts Bochum. In der Mitte: Vorsitzender Richter Carsten Schwadrat.

Foto: B.Ki.

Die 13. Strafkammer des Landgerichts Bochum. In der Mitte: Vorsitzender Richter Carsten Schwadrat. Foto: B.Ki.

Bochum.   Ein Facharzt für Neurologie und Psychiatrie soll gegen Bargeld falsche Diagnose gestellt und damit „Patienten“ Frühverrentungen ermöglicht haben.

Ein Facharzt für Neurologie und Psychiatrie soll durch unrichtige Gesundheitszeugnisse jahrelang dafür gesorgt haben, dass völlig gesunde Arbeitnehmer vorzeitig in Rente gehen konnten. Insgesamt 160.000 Euro in bar soll er dafür von den vermeintlichen Patienten kassiert haben. Der 66-Jährige sollte am Montag vor dem Landgericht Bochum stehen, erschien aber nicht, weil er zurzeit krank ist.

„Wider besseres Wissens“

Der Arzt arbeitete im Anklagezeitraum zwischen 2009 bis 2014 in einer Praxis in Bochum. Über drei jetzt mitangeklagte Männer (40, 47, 61) aus Herne und Recklinghausen sollen ihm Personen vorgestellt worden sein, denen er dann Depressionen oder Schizophrenien attestiert habe – so schwere, das sie angeblich nicht mehr arbeitsfähig waren.

Diese Diagnosen soll der Arzt aber „wider besseres Wissen“, „bewusst wahrheitswidrig“ und ohne nennenswerte Untersuchung verfasst haben, meint die Staatsanwaltschaft.

Sinn dieses Betruges sei nur gewesen, dass die „Patienten“ vorzeitig eine Erwerbsminderungsrente erhalten konnten und trotz teils noch jungen Alters nicht mehr arbeiten mussten, obwohl sie dazu vollständig in der Lage gewesen seien. Laut Anklage wurde von dem Psychiater eine „Krankenlegende“ aufgebaut. Mal habe er dafür 5000, mal 7000 Euro verlangt und erhalten. Die Mitangeklagten soll die „Patienten“ gecoacht haben, wie sie ihre „Krankheit“ simulieren sollten.

Aktuell nicht verhandlungsfähig

In den meisten der 34 angeklagten Fälle zahlte die Deutsche Rentenversicherung tatsächlich eine Rente aus. Nach Auffliegen des Skandals wurden die Gelder aber wieder zurückgefordert. Insgesamt soll der Rentenkasse ein Schaden in Höhe von 320 000 Euro entstanden sein. Hinzu kommt ein unbezifferter Schaden bei den Krankenkassen.

Der Arzt, der zu den Vorwürfen schweigt, ist schwer krank. Zum Prozess erschien er nicht. Vorsorglich hatte die 13. Strafkammer schon einen Notarzt besorgt, der im kompletten, bis Ende November terminierten Prozess anwesend sein sollte. Seit kurzem liegt der 66-Jährige aber sogar im Krankenhaus, so dass die Richter ihn aktuell für verhandlungsunfähig halten.

Sie stellten das Verfahren gegen ihn – aber nur vorläufig – ein und verhandeln nun nur gegen die drei Mitangeklagten. Zwischen 2000 und 7000 Euro sollen sie für eine „erfolgreiche Verrentung“ erhalten haben. Aufgeflogen war der Fall nur durch Zufall – als die Kripo bei Drogen-Ermittlungen heimlich Telefongespräche überwachte.

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