Prozessauftakt

Vergewaltigung auf Bochumer Friedhof: Geständnis angekündigt

Verteidiger Michael Emde neben dem Angeklagten, der sein Gesicht hinter einer Mappe verbirgt, als die Presse vor der Verhandlung Aufnahmen macht.

Verteidiger Michael Emde neben dem Angeklagten, der sein Gesicht hinter einer Mappe verbirgt, als die Presse vor der Verhandlung Aufnahmen macht.

Foto: Bernd Kiesewetter

Bochum.  Eine Frau wird in Bochum vergewaltigt. Der mutmaßliche Täter soll ein rückfallgefährdeter Sexualstraftäter sein. Erster Prozesstag schnell zu Ende.

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Als Staatsanwalt Sören Rehner die Anklage vorliest, wirken die Blicke sämtlicher Prozessbeteiligter im voll besetzten Gerichtssaal in Bochum wie versteinert. Die Brutalität dieser Vergewaltigung ist so massiv, dass selbst erfahrene und viel Elend gewohnte Gerichtskenner schockiert sind.

Am Donnerstag (17.5.) begann am Landgericht der Prozess gegen einen einschlägig vorbestraften Bochumer (30), der am Morgen des 18. Februar (Sonntag) auf dem Blumenfriedhof über eine Frau (33) hergefallen sein und sie sexuell schwer misshandelt haben soll.

Verteidiger kündigt Geständnis an

Die Folgen dieses Verbrechens sind enorm. „Vorher führte sie eine ganz normales Leben, jetzt ist es auf den Kopf gestellt“, sagt Nebenklage-Anwältin Stephanie Ihrler über ihre Mandantin, die 33-jährige Bochumerin.

„Es ist nichts mehr so wie es war.“ Und auch der Angeklagte selbst wird wohl viele Jahre lang die Konsequenzen der Tat spüren müssen, jedenfalls hat sein Verteidiger Michael Emde ein Geständnis angekündigt. „Die Schilderung, die das Opfer bei der Polizei abgegeben hat, ist im Wesentlichen zutreffend“, sagte er der WAZ am Rande des Prozesses. Außer einer befristeten Haftstrafe steht auch die anschließende, unbefristete Sicherungsverwahrung im Raum. Zur Tatzeit hatte er eine Freundin und wollte heiraten, jetzt sitzt er in der JVA Bochum in U-Haft.

Rechtsanwalt äußert sich zu Vergewaltigungsprozess

Rechtsanwalt Michael Emde äußert sich am Rande des Prozessauftakts in Bochum. Video: Bernd Kiesewetter
Rechtsanwalt äußert sich zu Vergewaltigungsprozess
Video: Bernd Kiesewetter

Opfer und Angeklagter kannten sich nicht

Am Vorabend der Tat sollen der Angeklagte aus Grumme und die Frau im Bermuda-Dreieck gewesen sein. Sie kannten sich nicht. Auf dem Heimweg im Morgengrauen trafen sie sich zufällig an der Lohbergbrücke. Weil der Mann trotz kühler Temperatur nur ein T-Shirt trug, soll sie ihm Hilfe angeboten haben, heiß es in der Anklage.

Beide setzten ihren Heimweg gemeinsam fort. Auf dem Blumenfriedhof soll der Mann die Frau plötzlich von hinten angegriffen und ihr die Kapuze über den Kopf gezogen haben. Der Staatsanwalt schildert in Mitleid erregenden Einzelheiten, wie der 30-Jährige die Frau gewürgt, ihren Kopf mit Wucht auf den Boden geschlagen und an den Haaren gezerrt habe, um ihre Gegenwehr zu brechen. Am Ende soll er sein Ziel erreicht haben. Die Frau hatte Todesangst.

Die Frau erlitt Beulen und eine Schürfwunde am Kopf sowie zahlreiche Blutergüsse und Knieverletzungen, darunter einen Bruch des Schienbeinkopfes.

Prozess wurde schnell vertagt

Nach Anklageverlesung wurde der Prozess vertagt, weil die psychiatrische Gutachterin verhindert war. Am 28. Mai sollen der Angeklagte und das Opfer aussagen. Die Opfer-Anwältin hat beantragt, dass die Mandantin in einer „audiovisuellen Vernehmung“ befragt wird. Sie säße dann in einem eigenen Zimmer und würde über Kamera gehört, damit ihr die Anwesenheit des Angeklagten erspart bleibt.

Bochumer Polizei hatte Vorfall zunächst verschwiegen

Das Verbrechen hatte landesweit für großes Aufsehen gesorgt. Auch weil es von der Bochumer Polizei zehn Tage lang verschwiegen. Der Angeklagte, der wegen einer früheren, ähnlichen Vergewaltigung in Dortmund in 2010 bereits vier Jahre und neun Monate Haft verbüßt hatte, war im „Kurs“-Programm des Landes NRW („Konzeption zum Umgang mit rückfallgefährdeten Sexualstraftätern“.

Es dient der Überwachung von Sexualtätern, die nach Verbüßung ihrer Strafe entlassen worden sind. Als die Tat über einen Medienbericht doch publik wurde, sprach die Polizei von einem „Fehler“, den Fall verschwiegen zu haben.

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