Schwurgericht

Prozess um totes Baby: Angeklagte fälschte früher Rezepte

Die Angeklagte neben Verteidiger Henry Alternberg. Im Hintergrund eine Wachtmeisterin.

Die Angeklagte neben Verteidiger Henry Alternberg. Im Hintergrund eine Wachtmeisterin.

Foto: Jürgen Theobald / FUNKE Foto Services

Bochum.  Die Frau (35), die wegen des Todes ihres Säuglings vor Gericht steht, ist vorbestraft. Sie hatte Rezepte für ein starkes Schmerzmittel gefälscht.

Die 35-jährige Frau, die zurzeit wegen des ungeklärten Todes ihres Säuglings vor dem Schwurgericht steht, ist vorbestraft. Das wurde am dritten Sitzungstag am Mittwoch bekannt. Der Frau wird Totschlag durch Unterlassen vorgeworfen.

Im Juli 2017 war die dreifache Mutter vom Amtsgericht Herne wegen Urkundenfälschung zu 4500 Euro Geldstrafe verurteilt worden. Sie hatte sich in 19 Fällen durch gefälschte Rezepte das starke Schmerzmittel Tilidin erschlichen. Dazu missbrauchte sie die Personalien ihrer Mutter und fälschte den Stempel eines Arztes.

Geldstrafe wurde noch nicht vollständig gezahlt

Im Wege eines Strafbefehls (Verurteilung im schriftlichen Verfahren ohne öffentlichen Prozess) verhängte das Gericht 150 Tagessätze zu je 30 Euro. Beglichen ist die Geldstrafe noch nicht. Wie die Angeklagte am Mittwoch sagte, habe sie erst 2700 Euro bezahlt. Der Rest steht noch aus. Zuletzt war sie arbeitslos.

Wie am Mittwoch weiter bekannt wurde, war die Frau vor ihrer Inhaftierung im vergangenen September dauerhaft in psychologischer und psychiatrischer Behandlung. Auch eine unbefristete Einweisung in die geschlossene Psychiatrie steht jetzt im Raum, aber auch eine sehr lange Haftstrafe.

Laut Anklage hatte die Frau am Vormittag des 19. Oktober 2016 in der Wohnung ihre Eltern im Bochumer Nordosten eine Tochter geboren. Heimlich und ohne jede ärztliche Überwachung und Hilfe. Die Eltern sollen bis zuletzt nichts von der Schwangerschaft gewusst haben. Trotz Komplikationen kurz vor der Geburt soll sie keinen Arzt gerufen haben. Das Kind kam lebend zur Welt, starb aber wenige Minuten oder Stunden später. Die Leiche soll sie in einen Plastiksack in der Wohnung versteckt haben. Die Kripo entdeckte dann alles, nachdem die Frau in der Nacht nach der Geburt im Krankenhaus operiert worden war.

Neugeborenes war „völlig lebensfähig“

Das Neugeborene wog 2550 Gramm, wurde zwischen der 36. und 40. Schwangerschaftswoche geboren und war „völlig lebensfähig“, wie Richter Josef Große Feldhaus sagte. „Da fehlte gar nichts.“ Woran der Säugling starb, konnte bisher nicht geklärt werden. Laut Anklage war der Frau der Tod ihres Kindes „gleichgültig“; sie habe ihn billigend in Kauf genommen.

Die Frau hat bereits zwei weitere kleine Kinder. Sie sollen kurz nach der Geburt in Pflegefamilien gekommen sein.

Die Angeklagte schweigt zu den Vorwürfen. Der Prozess wird am Freitag (11.) fortgesetzt.

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