Protest

Protest gegen Firmen-Umzug: Bürger gehen auf die Straße

Mit Bannern und Schildern starten Anwohner von Bochum und Castrop-Rauxel zu einem Protestmarsch gegen die Ansiedlung eines Bodenaufbereitungs-Unternehmens in Bochum-Gerthe.

Mit Bannern und Schildern starten Anwohner von Bochum und Castrop-Rauxel zu einem Protestmarsch gegen die Ansiedlung eines Bodenaufbereitungs-Unternehmens in Bochum-Gerthe.

Foto: Kim Kanert / FUNKE Foto Services

Bochum-Gerthe.  Durch eine Firmen-Ansiedlung droht in Bochum-Gerthe mehr Lkw-Verkehr. Der Protest dagegen nimmt zu – und vereint Bochumer mit Castropern.

Eindrucksvoll haben die Anwohner von Bochum-Gerthe und Merklinde aus der Nachbarstadt Castrop-Rauxel am Freitagnachmittag gezeigt, was sie von der im Raum stehenden Ansiedlung eines Bodenaufbereitungs-Unternehmens an der Gerther Straße halten: nämlich gar nichts. Gut und gerne 200 Menschen aus beiden Orten nahmen an einem Protestmarsch teil, die gegenüber der Einfahrt zum Firmengelände endete.

Bochumer gehen auf die Straße, um gegen noch mehr Schwerlastverkehr zu protestieren

Hintergrund: Die Stadt Bochum stellt der Ecosoil GmbH in Aussicht, von der Rensingstraße 14 in Bochum-Riemke auf der Gelände der Philippine GmbH an der Gerther Straße 50-58 an die Stadtgrenze Bochum-Gerthe/Castrop-Rauxel zu ziehen. Die Firma lagert und bereitet Böden auf. Verbunden ist das mit viel Verkehr – von bis zu 300 Lkw-Fahrten am Tag ist die Rede.

Zusätzlich zu dem, was die Menschen in Gerthe und auch im benachbarten Merklinde jetzt schon aushalten müssen. Das frisch erstellte Verkehrskonzept für den Bochumer Norden führt denn auch auf, dass die Grenze der Belastbarkeit erreicht ist. Mehr geht nicht. Das finden auch die Anwohner. Zumal es direkt neben dem Philippine-Gelände ja schon den Remondis-Müllbetrieb gibt.

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Und jetzt dann noch ein weiterer verkehrsintensiver und umweltbelastender Betrieb? „Wir sagen Nein“, steht ganz groß auf den Flyern des Bürgervereins „Wir sind Merklinde“, der den Protestmarsch initiiert hat. „Im Juni haben wir von den Umzugsplänen der Firma Ecosoil erfahren“, sagt Brigitte Spieckermann aus Merklinde. „Seitdem beschäftigen wir uns damit.“

Was schwierig sei, sagt sie, „denn der Informationsfluss ist spärlich“. Dass können die Politiker in Bochum nur bestätigen. Im Gegensatz zu den Kollegen in Castrop hielt ihnen die Stadtverwaltung entscheidende Gutachten vor. Nicht nur deshalb stoßen die Pläne der Firma Ecosoil auf Ablehnung. Auch die Politik im Bochumer Norden beruft sich auf das Verkehrskonzept.

Die Anwohner halten den Lärm entlang der Gerther Straße schon jetzt für unerträglich. Sie verweisen auf den täglichen Stau zu Stoßzeiten und den erheblichen Schwerlastverkehr – für den die schmale Gerther Straße ohnehin nicht geschaffen sei.

Auch Herbert Hein nimmt an dem Protestmarsch teil. Er wohnt an der Kirchharpener Straße und befürchtet das Schlimmste. „Bereits heute kann man sich im Vorgarten nicht unterhalten“, sagt er. „Trotz Hecke zur Straße hin. So viel Verkehr herrscht hier.“ Schon ganz früh morgens, um drei, vier Uhr, würden Lastwagen an seinem Haus vorbeifahren.

Bochumer Bürgerinitiative nimmt Arbeit wieder auf

Das drohende Unheil im Bochumer Norden hat auch Helgard Althoff von der Bürgerinitiative gegen Mülltourismus in den Bochumer Norde n wieder auf den Plan gerufen. Diese wurde vor 15 Jahren gegründet und habe so einiges an Firmenansiedlungen verhindern. „Die vergangenen sieben, acht Jahre hatten wir nichts zu tun“, sagt Althoff. „Aber jetzt, wo die uns so eine Granate hier hinsetzen wollen, geht es wieder rund.“

Am Dienstag, 8. September, treffe sich die Bürgerinitiative mit dem Bürgerverein „Wir sind Merklinde“, um den weiteren gemeinsamen Protest zu organisieren, sagt Helgard Althoff. Auch die Bürgerinitiative „Gerthe West – so nicht“ wolle hinzustoßen. „Wir wollen die Ansiedlung der Firma mit geballter Kraft verhindern“, sagt Althoff. So vereint seien Bochumer und Castroper noch nie aktiv gewesen.

Jetzt schon. Die Not verbindet. Und ein langer Atem scheint auch vorhanden. Das Motto des Merklinder Bürgervereins lautet jedenfalls: „Wir werden erst Ruhe geben, wenn Ruhe herrscht.“

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