Performance

Prinz-Regent-Theater wird zum Labyrinth „Silent City“

Verstörende Begegnung mit einer Schauspielerin mit blauem Auge.

Verstörende Begegnung mit einer Schauspielerin mit blauem Auge.

Foto: Guntram Walter

Bochum.  Das Bochumer Prinz-Regent-Theater wird zur „Stillen Stadt“. Unerwartete Begegnungen hinter den Kulissen warten auf die Besucher.

Stille - was geschieht eigentlich, wenn plötzlich niemand mehr redet, man keine Musik oder Geräusche hört, einfach kein Laut mehr an die Ohren dringt? Im Theater-Kunst-Performance-Projekt „Silent City“, das dieser Tage im Prinz-Regent-Theater gezeigt wird, ist genau dies das Thema.

Nur sechs Personen

Dabei ist die Expedition durch die inszenierten Räume des Theaters in Weitmar gar nicht so still. Mal hört man Sprache, mal Laute, mal Gesang. Stündlich erhalten sechs Personen Eintritt zum Labyrinth der „Stillen Stadt“ (vorherige Reservierung unbedingt nötig!). Innerhalb von Minuten hat man jedoch tatsächlich die Orientierung verloren und weiß nicht mehr, in welchem Teil des Gebäudes man sich befindet.

Verwirrte Braut

In einer Garderobe trifft man zum Beispiel auf eine verwirrte Braut mit zerzaustem Haar und einem blauen Auge. Was mag ihr wohl passiert sein? In der Dusche sitzt ein gefesselter Mann. Ein anderer windet sich nackt in einem Gewirr von Kabeln, während Rauschen, Sprachfetzen und Musik erklingen. Mal sitzt man am Bett eines Sterbenden, hier ist außer dem Ticken von Metronomen tatsächlich nichts zu hören. Oder was hat es mit dem geheimnisvollen Raum 013 auf sich, der Kommandozentrale der stillen Stadt?

In dem geführten Spaziergang zu den einzelnen Stationen im Prinz-Regent-Theater trifft das Publikum auf ein internationales Künstlerensemble, das stille, theatrale Augenblicke herstellt. Das ist mal verstörend, mal friedlich. In der eineinhalbstündigen Führung entsteht eine absonderliche Atmosphäre. Es scheint, als befinde man sich in einem Paralleluniversum. Die Menschen, denen man begegnet, erzählen Geschichten, die entweder in sich abgeschlossen sind oder sich aufeinander beziehen. Manchmal sind auch keine Menschen da, nur Regale mit Lebensmitteln in großen Einmachgläsern, die mit einer flauschigen Schimmelschicht überzogen sind. Ein friedlicher Anblick. „Silent City“ ist gewagt, aber absolut sehenswert. Eine seltsame Reise in eine surreale zeitenthobene Welt!

Kooperationsprojekt

Das Projekt ist eine Kooperation zwischen dem PRT, den Dortmunder Theater im Depot und den Teatro Ibérico Lissabon, an diesen drei Orten wird die Vorstellung auch zu sehen sein. Künstlerisch verantwortlich sind Hans Dreher, Rolf Dennemann und João Garcia Miguel.

Info und Karten

„Silent City“ ist zu verschiedenen Zeiten bis Sonntag, 14. Juli, im Prinz-Regent-Theater, Prinz-Regent-Straße 50-60, zu sehen. Info, Termine und Reservierung hier

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