Bühne

Premiere im Bochumer Schauspielhaus vereint zwei Dramen

Eine Szene aus „Iphigenie“ mit Bernd Rademacher und Svetlana Belesova. Am Samstag, 16. März, feiert die Aufführung ihre Premiere.

Eine Szene aus „Iphigenie“ mit Bernd Rademacher und Svetlana Belesova. Am Samstag, 16. März, feiert die Aufführung ihre Premiere.

Foto: Julian Röder

bochum.   In „Iphigenie“ schlägt der Regisseur Dušan David Pařízek einen Bogen von der Antike bis in die Gegenwart. Zwischen den Texten liegen 2500 Jahre.

Über diese Frage rätseln gerade nicht wenige Theaterfreunde: Die „Iphigenie“ des Euripides und das „Sportstück“ von Elfriede Jelinek an einem Abend auf einer Bühne. Wie passt das denn zusammen?

Für die nächste Premiere am Samstag, 16. März, im Schauspielhaus wird Wagemutiges versprochen. In seiner ersten Bochumer Arbeit kreuzt der gefeierte Theaterregisseur Dušan David Pařízek beide Texte aus der Antike und den 90er Jahren, zwischen denen locker 2500 Jahre liegen, zu einem großen, tragikomischen Drama über die Folgen der Politik.

Elfriede Jelinek gibt der Inszenierung ihren Segen

Die Nobelpreisträgerin Jelinek, die den Theatern eigentlich jede Vermischung ihrer Stücke mit anderen Stoffen streng verbietet, gab der Inszenierung ihren Segen: „Sie fand unserer Argumentation stichhaltig und interessiert sich sehr dafür“, sagt Pařízek. Und: Sie scheint dem Regisseur zu vertrauen, denn Pařízek brachte bereits einige ihrer Dramen wie „Faust In and out“ über den Inzestfall Josef Fritzl in Zürich zur Uraufführung. Auch hier verknüpfte er Jelineks Text mit Goethes „Faust 1-3“.

Irrwitzige, frauenverachtende Situation

Seine Tragödie „Iphigenie in Aulis“ verfasste Euripides etwa 408 vor Christus. Vor Beginn des Trojanischen Kriegs – die Truppen werden ungeduldig – erwägt Agamemnon die Opferung seiner eigenen Tochter Iphigenie, um vor seiner Armee Haltung zu zeigen. „Die junge Frau soll für die Lösung des Konflikts mit ihrem Leben einstehen“, sagt Pařízek. „Im Grunde ist das eine irrwitzige, frauenverachtende Situation, die Euripides hier beschreibt.“

Zeitsprung: Mitte der 90er Jahre schrieb Elfriede Jelinek ihr „Ein Sportstück“. Die Autorin stand damals unter dem Eindruck des Kriegs in Jugoslawien: Das Thema ihres Stücks ist der Sport mit all seinen Schattenseiten, was auch den Sport als Krieg mit einschließt. „In beiden Texten wird Krieg auf ganz unterschiedliche Art formuliert.“

Ein Phänomen der Masse

Während der Krieg bei Jelinek eher „ein Phänomen der Masse“ sei, lasse Euripides diesen Aspekt völlig außer acht. „Was dem antiken Stück fehlt, sind die Worte, mit denen die Masse spricht.“ Beides wollen Pařízek und Dramaturg Vasco Boenisch jetzt kunstvoll miteinander verzahnen.

Über die Qualität der Sprache könnten beiden Texte beim Zusehen auseinander gehalten werden. Die Bühne besteht aus viel Holz und einer sechs Meter hohen Wand, die auch als Projektionsfläche dient. „Die Schatten auf der Wand erzählen richtige Geschichten“, sagt Pařízek.

Es gibt noch Karten für die Premiere

Für die Premiere am Samstag (16.) um 19.30 Uhr gibt es noch Karten. Wieder 20., 21. und 27. März. 0234 / 33 33 55 55.

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