Todesfall

74-Jähriger zielte mit Revolver-Attrappe auf Polizisten

Ein Streifenwagen der Polizei steht auf der Velsstraße vor einer Häuserreihe. Ein Polizist hat bei einem Einsatz einen Mann erschossen.

Ein Streifenwagen der Polizei steht auf der Velsstraße vor einer Häuserreihe. Ein Polizist hat bei einem Einsatz einen Mann erschossen.

Foto: Foto: Marcel Kusch/dpa

Bochum.  Ein Mann in Bochum soll bei einer Kontrolle mit einer Revolver-Attrappe auf Polizisten gezielt haben. Daraufhin schoss ein Beamter.

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Vor einem Mehrfamilienhaus in Bochum hat ein Polizist bei einem Einsatz am Sonntagabend einen 74 Jahre alten Mann erschossen. Der Mann soll bei einer Polizei-Kontrolle gegen 19.50 Uhr mit einer Revolver-Attrappe auf die Einsatzkräfte gezielt haben. Ein 35-jähriger Polizist schoss daraufhin mehrfach auf den Mann.

Polizist erschießt Mann (74) an der Velsstraße in Bochum
Bernd Kiesewetter

In einer gemeinsamen Erklärung der Polizei Essen und der Staatsanwaltschaft Bochum heißt es, dass der Mann zuvor randaliert hatte. Die Polizei sei seit den frühen Morgenstunden deshalb mehrfach zu Einsätzen in der Velsstraße gerufen worden.

Polizisten warnten den Mann

Nach bisherigen Ermittlungen soll der 74-Jährige dabei trotz klarer Warnung eines 35-jährigen Polizisten in seinen Hosenbund gegriffen haben. Mit einer etwa zehn Zentimeter großen Revolver-Attrappe, habe er auf den Polizisten gezielt, der daraufhin mehrfach auf den Mann schoss. Auf die vorherige Aufforderung, die Waffe sofort fallen zu lassen, soll er nicht reagiert haben.

Notarzt kämpfte vergeblich um Leben des Verletzten

Der herbeigeholte Notarzt kämpfte vergeblich um das Leben des Verletzten.

Aus Neutralitätsgründen wurde die Ermittlung der Hintergründe an das Polizeipräsidium in Essen übertragen. Die Leiche des Senioren werde obduziert, sagte der Essener Polizeisprecher. Der 35-jährige Beamte sei nicht vom Dienst suspendiert. Grundsätzlich komme als Vorwurf fahrlässige Tötung oder fahrlässige Körperverletzung mit Todesfolge bei den Ermittlungen in Betracht, das müsse die Staatsanwaltschaft klären. Die zum Teil traumatisierten Polizeibeamten werden ärztlich betreut.

Unscheinbares, altes Haus an der Velsstraße

Am Morgen danach ist an dem unscheinbaren, alten Haus in der Velsstraße von dem Drama nichts mehr zu sehen. Es gibt sieben Klingeln, nur vier sind mit einem Namen versehen. An zwei Klingeln gibt es den gleichen Namen. Am frühen Montagmorgen sind noch einige Jalousien geschlossen. Es sind wenig Menschen auf der Straße.

Dass Menschen durch Polizeikugeln sterben, kommt in Deutschland vergleichsweise selten vor. Wie aus jüngsten verfügbaren Zahlen der Deutschen Hochschule der Polizei in Münster hervorgeht, hatten Polizisten in Deutschland im Jahr 2017 bei Einsätzen 14 Menschen erschossen. Zudem wurden 39 Menschen verletzt.

2017 starben 14 Menschen nach Schüssen von Polizisten

Die Zahlen lagen etwas höher als in den Jahren zuvor. 2016 waren es 11 Tote und 28 Verletzte durch Polizeischüsse gewesen. 2015 waren 10 Menschen gestorben, weitere 22 waren verletzt worden.

Für Beamte sei es enorm schwierig, in diesen oder ähnlichen Situation abzuwägen, sagte Stephan Hegger von der Gewerkschaft der Polizei. "Kommt eine als Gefahr eingeschätzte Person auf kurze Distanz auf den Beamten zu, muss er selbst entscheiden." Meistens seien die Schüsse dann nicht auf Arme oder Beine gerichtet, denn eine Verletzung an den Gliedmaßen könne noch eine Gegenreaktion hervorrufen. "Man muss zuverlässig treffen, man hat möglicherweise keine zweite Chance", sagte NRW-GdP-Sprecher Hegger. (B.KI./ftg/dpa)

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