Verkehrssicherheit

Polizei: Zahl der Fahrradunfälle in Bochum ist gestiegen

Wie lange es braucht, bis ein E-Bike vollständig zum Stehen gebracht ist, demonstriert Polizeihauptkommissar Jörg Döding auf einem Parkour am Husemannplatz.

Wie lange es braucht, bis ein E-Bike vollständig zum Stehen gebracht ist, demonstriert Polizeihauptkommissar Jörg Döding auf einem Parkour am Husemannplatz.

Foto: Ingo Otto

Bochum. „  Die Zahl der Fahrradunfälle in Bochum ist gestiegen. Deshalb sensibilisiert die Polizei auf dem Husemannplatz für Sicherheit auf dem Zweirad.

Ach du Schande. Das ist erschreckend“, sagt Elke Moysich, während sie aus dem Lkw blickt, der mitten auf dem Husemann steht. Durch die neun Spiegel in dem rund vier Meter hohen Fahrzeug sieht sie viel. Aber vor allem sieht sie vieles nicht.

Die 60-Jährige nimmt gerade an der Aktion „Mit Rad und Tat zur Sicherheit“ der Bochumer Polizei teil. Die Beamten wollen Verkehrsteilnehmer in der Innenstadt für Gefahren sensibilisieren, denen sie im Straßenverkehr ausgesetzt sind: zum Beispiel Autofahrer, die mit zu hoher Geschwindigkeit unterwegs sind oder abrupt die Spur wechseln. Und für tote Winkel – von denen es gerade im Lkw eine ganze Menge gibt.

Smart wird aus dem Lkw komplett übersehen

In gut ausgestatteten Fahrzeugen sind durch eine Vielzahl von Spiegeln zwar theoretisch alle Ecken sichtbar. Es ist aber schwierig, den Überblick zu behalten. „Wenn ein Lkw-Fahrer nicht ortskundig ist, ist er oft mit der Orientierung beschäftigt und checkt nicht alle Spiegel. Dann werden Radfahrer oder Fußgänger leicht übersehen“, nennt Polizeihauptkommissar Roland Deckenhoff ein Beispiel.

Das stellt auch Elke Moysich fest. „Man liest ja immer, dass Lkw-Fahrer eine schlechte Sicht haben. Jetzt aber selbst im Lkw zu sitzen, macht das ganz anders deutlich“, sagt sie. Um Passanten durch eigene Erfahrungen zu sensibilisieren, hat die Polizei den Lkw auf den Husemannplatz gefahren. Was Moysich und viele Aktions-Teilnehmer besonders erschreckt: Den direkt vor dem Lkw geparkten Smart können sie nicht sehen.

Beratung zu Helm und Kindersitz

Aber nicht nur im Lkw sitzen die Passanten bei der Aktion auf dem Husemannplatz. An einem anderen Stand gibt es eine Beratung zu sicheren Fahrradhelmen und -kindersitzen. „Beim Helm ist es sicher, dass die beiden Bänder an den Seiten unter dem Ohr zusammenlaufen. Zudem muss der Helm fest sitzen“, erklärt Polizist Deckenhoff. Beim Kauf sollten sich Radfahrer im Fachgeschäft beraten lassen und bei der Anprobe den Helm bewegen – um sicher zu gehen, dass er nicht rutscht. Deckenhoff: „Ein Fahrradkindersitz sollte immer fachgerecht montiert sein, zudem dürfen die Füße der Kinder nicht in die Pedalen geraten.“

Besonders gefährdet sind im Straßenverkehr Pedelec-Fahrer, also die Fahrer von E-Bikes. Auch weil der Bremsweg viel länger ist. „Man kann den gesamten Bremsweg eines Fahrrads, das mit 15 Kilometern pro Stunde unterwegs ist, mit der alleinigen Reaktionszeit eines E-Bikes vergleichen, das 25 Kilometer pro Stunde fährt“, erklärt Deckenhoff. Der Polizei fällt auf, dass an Unfällen immer häufiger Pedelec-Fahrer beteiligt sind. Und die Zahl der Unfälle steigt. Waren es in Bochum, Herne und Witten 2017 noch 305 Verkehrsunfälle mit verunglückten Radfahrern, waren es 2018 388. „Wir plädieren hier für gegenseitige Rücksichtnahme im Straßenverkehr. Das ist mit das Wichtigste“, sagt Deckenhoff. So und durch ihre Sensibilisierungsaktion hofft die Polizei, die Zahl der Unfälle zu reduzieren.

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