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PH Refractories wendet Standortschließung in Bochum ab

Christian Wasmuht freut sich auf den neuen Ofen. Er entsteht auf dem Fundament des alten Tunnelofens.

Christian Wasmuht freut sich auf den neuen Ofen. Er entsteht auf dem Fundament des alten Tunnelofens.

Foto: Gero Helm / WAZ FotoPool

Bochum.  Das Unternehmen PD Refractories Dr. C. Otto in Bochum, das feuerfeste Produkte produziert, wagt mit einem Ofenneubau eine Millioneninvestition. Damit soll die drohende Schließung des Standorts nach 141-jähriger Geschichte abgewendet werden. Der Startschuss erfolgt am Mittwoch.

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Die Firmengeschichte ist lang und über weite Strecken ruhmreich. Die PH Refractories GmbH Dr. C. Otto ist seit 141 Jahren in Dahlhausen beheimatet. Bis zu 1000 Mitarbeiter hatte das Unternehmen in seiner Blüte, Firmengründer Dr. Carlos Otto galt wie die Thyssens oder Krupps als Pionier der Industrialisierung des Ruhrgebiets. Aber da die drei Schornsteine auf dem Werksgelände im Dreistädtereck von Bochum, Essen und Hattingen zuletzt längst nicht mehr so stark rauchten wie noch vor Jahren, drohte die Schließung des Traditionsunternehmens.

„Das war ein Thema. Bochum war auf der Kippe“, bestätigt Christian Wasmuht, seit 18 Monaten Geschäftsführer bei Dr. Otto. 2012 wurden Verluste geschrieben. „Und in diesem Jahr wird das auch der Fall sein. Wir haben zu kämpfen“, sagt Wasmuht. Da gegen die chinesischen Kampfpreise auf dem Kokerei-Markt, das einst stärkste Standbein von Dr. C. Otto, kein Ankommen ist („Den Markt haben wir fast komplett verloren“) stellte sich an der Ruhr die Existenzfrage.

Gut 200 Beschäftigte im Werk

Mittlerweile ist sie beantwortet. Und zwar positiv für die momentan gut 200 Beschäftigten im Werk, das auf absehbare Zeit sogar neues Personal einstellen könnte. Unternehmenseigner Jürgen Preiss-Daimler, der Dr. Otto vor elf Jahren von der Preussag kaufte und Inhaber von 26 Firmen mit annähernd 7000 Beschäftigten sowie einem Umsatz von 700 Millionen Euro jährlich ist, hat sich für eine Investition im Millionenhöhe am Standort Bochum entschieden. Dort soll in den nächsten sechs Monaten auf dem Fundament des 180 Meter langen sogenannten Silikatunnelofens – der beim Bau 1971 der längste Tunnelofen Europas war – ein energieeffizienterer und modernerer Ofen für neue Produkte entstehen.

Gemeinsam mit Oberbürgermeisterin Ottilie Scholz will Geschäftsführer Wasmuht morgen im Rahmen eines Festakts den Startschuss für den neuen, 85 Meter langen Ofen geben, den die „Ottoraner“ weitgehend in Eigenregie erstellen werden.

Wer könnte so etwas besser als die Spezialisten für die Herstellung von feuerfesten Produkten. Beatrix II wird der Ofen heißen, in dem wie im Vorgänger Material bis zu 1700 Grad Celsius erhitzt wird. Beatrix heißt die Ehefrau des Unternehmenseigners, die II steht für den zweiten Ofen dieser Art in der Firma, der erste steht in Tschechien. Unternehmenseigner Jürgen Preiss-Daimler wird am Mittwoch nicht in Bochum sein. Er bekommt am gleichen Tag aus den Händen von Bundespräsident Joachim Gauck das Bundesverdienstkreuz überreicht. „Aber zur Eröffnung wird er da sein“, verspricht Geschäftsführer Christian Wasmuht. Im Juli 2014 soll der neue Ofen brennen.

Technologisch anspruchsvolle „Hochwertprodukte“

Tradition bewahren, Zukunft gestalten, das ist das Motto, unter dem wir die Herausforderung annehmen“, sagt Christian Wasmuht. Er sei froh, dass sich Firmeneigner Preiss-Daimler zur Investition entschieden habe und zum Standort Bochum stehe. „Wir sind überzeugt, dass wir mit ‘Made in Germany’ und mit unserer Erfahrung und Technologie erfolgreich sein werden. Damit leiten wir eine neue Ära ein – die der Hochwertprodukte.“ Sie könnte ein Musterbeispiel für einen erfolgreichen Wandel in einer Branche und Signal gegen das Sterben von Industriearbeitsplätzen sein. Möglichst bald soll Dr. C. Otto wieder schwarze Zahlen schreiben.

Die neuen Produkte, entwickelt in Dahlhausen unter der Regie von Cheftüftler Dr. Fred Brunk, seien technologisch weitaus anspruchsvoller als das frühere Kerngeschäft und als die Produkte für Aluminiumhütten, mit denen momentan die Ausfälle im früheren Kerngeschäft kompensiert werden. „Auch das ist nur ein Übergang“, so Wasmuht. Entscheidende Vorteile würden nur technologisch hoch anspruchsvolle Produkte für die Petrochemie oder für Müllverbrennungsanlagen bringen. Sie entstehen unter anderem durch eine spezielle Mischung der „Rezepturen“.

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