Bühne

„Orpheus“-Mythos wird neu erzählt

Orpheus will seine Liebe retten: Szenenfoto aus „Let.Go“.

Orpheus will seine Liebe retten: Szenenfoto aus „Let.Go“.

Foto: Only connect

Bochum.   In der Produktion „Let.Go“, die das Ensemble Only connect! im Thealozzi auf die Bühne bringt. Tanz, Performance und Theater verbinden sich.

Dass der antike Mythos uns heute noch ‘was zu sagen hat, kann man nicht nur im Schauspielhaus in der aktuellen „Orestie“-Inszenierung oder im Theater Rottstraße beim „Ödipus“-Abend erfahren. Am Wochenende trifft nun auch im Thealozzi unsere Gegenwart auf die Antike, wenn sich das junge Theaterensemble Only connect! in seiner Inszenierung „Let.Go“ mit Orpheus und Eurydike auseinandersetzt. Und ihre alte, immer wieder junge Geschichte über Liebe, Tod und Loslassen neu erzählt.

Vertraut mit der griechischen Sagenwelt, kennen wir die Erzählung, um die es geht: Eurydike, verheiratet mit dem Sänger und Dichter Orpheus, stirbt an einem Schlangenbiss. Ihr Mann steigt in die Unterwelt, um mit seinem unwiderstehlichen Gesang den Todesgott Hades dazu zu bewegen, seine Liebe wieder gehen zu lassen. Hades gewährt Orpheus die Bitte unter der Bedingung, dass er vorangehen müsse und sich nicht nach seiner Frau umdrehen dürfe. Doch natürlich tut er aus Unsicherheit und Angst – er kann ihre Schritte nicht hören – genau das. So muss Orpheus seine Liebe endgültig im Totenreich zurücklassen.

Iranisches Figurentheater

Für die künstlerische Leiterin von Only connect!, Julie Stearns, macht es wenig Sinn, den bekannten Stoff einfach nochmal zu erzählen. Vielmehr nimmt die Regisseurin in ihrer Inszenierung die Zuschauer mit auf eine Reise in die Unterwelt, ihre eigene „Unterwelt“. Und damit auf eine Suche nach Fragmenten bewusster Erinnerung.

„,Let.Go’ rückt die Frage des Loslassens in ein neues Licht und fragt: Ist der Tod und damit der Verlust eines geliebten Menschen vielleicht eine absolute Unausweichlichkeit? Und, viel konkreter: Will Eurydike gar, dass sich Orpheus umdreht, und sie damit endgültig loslässt?“, fragt Julie Stearns.

So steht im Zentrum der Aufführung die Figur der Eurydike, ihr nähert sich das Ensemble mit Elementen des traditionellen iranischen Figurentheaters und solchen des Tanztheaters an. In einer experimentellen Mischung aus Spiel, Performance und Bewegung wird der besagte Mythos zeitgemäß gemacht.

>>> Über die Gruppe „Only connect!“

2013 unter der Leitung der US-amerikanischen Regisseurin Julie Stearns gegründet, entwickelt „Only connect!“ neue Theaterformen, um Themen kreativ und provokativ zu erforschen.

Es geht um Identität und Sinn hinter unserer sich ständig wandelnden Gesellschaft – immer im Blick die feste Auffassung, dass alles im Leben und Sein miteinander verbunden ist.

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