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„Oben-ohne“-Verbot für Männer in Parks: was dahinter steckt

Ein Mann liegt mit freiem Oberkörper in einem Park und sonnt sich. Nach Ansicht des „Gleichstellungsbüros der Bochumer Parkanlagen“ sollte er sich lieber ein T-Shirt anziehen.

Ein Mann liegt mit freiem Oberkörper in einem Park und sonnt sich. Nach Ansicht des „Gleichstellungsbüros der Bochumer Parkanlagen“ sollte er sich lieber ein T-Shirt anziehen.

Foto: Martin Möller / Martin Möller / Funke Foto Services

Bochum.  Auf Schildern werden Männer aufgefordert, sich nicht „Oben ohne“ in Bochumer Parks zu zeigen. Die WAZ fand heraus, wer dafür verantwortlich ist.

Für großes Aufsehen und viel Gesprächsstoff haben die Schilder gesorgt, die zunächst im Bochumer Stadtpark und später dann im Volkspark Langendreer hingen. Darauf werden Männer von einem „Gleichstellungsbüro der Bochumer Parkanlagen“ aufgefordert, auch an sonnigen Tagen in den Parks ihre T-Shirts anzubehalten. Denn Frauen sei es auch nicht gestattet, sich „Oben ohne“ in der Öffentlichkeit zu zeigen. Die WAZ hat Kontakt zu der Initiative aufgenommen und weiß nun mehr darüber, wer und was dahinter steckt.

Das ominöse „Gleichstellungsbüro der Bochumer Parkanlagen“, das es offiziell gar nicht gibt, hat demnach eine anonyme Gruppe aus Künstlerinnen und Künstlern kreiert. Es wurde ins Leben gerufen, „um auf die Ungleichbehandlung von Frauen und weiblich gelesenen Personen aufmerksam zu machen“. Das formulierte Anliegen sei ein Allgemeines und nicht das einer klar einzugrenzenden Gruppe. Gegenfrage der Gruppe: „Warum benötigt es eine/n klare/n Verantwortliche/n, damit das Thema ernst genommen wird?“

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Die anonymen Künstlerinnen und Künstler bezeichnen ihre Aktion selbst als seriös: „Unser Anliegen ist Gleichberechtigung. Diese ist bereits im Grundgesetz verankert, im Alltag jedoch bestehen Ungleichbehandlung und Sexismus weiter fort.“

Wie schon auf dem Schild erwähnt, herrsche ein Ungleichgewicht in der Darstellung der männlichen und weiblichen Brust. „Die Brüste / Brustwarzen einer Frau bzw. einer weiblich gelesenen Person müssen in der Öffentlichkeit stets verdeckt werden (z.B. beim Baden), bei Männern bzw. männlich gelesenen Menschen gilt es als gesellschaftlich toleriert, um nicht zu sagen ,normal’, dass der nackte Oberkörper in der Öffentlichkeit gezeigt werden darf“, erklärt die Gruppe. Der Grund dafür sei, „dass die weibliche Brust als ein Objekt sexueller Begierde gilt, sie wird zur intimen Zone deklariert“.

Das Argument, es sollen doch alle Frauen ebenfalls ihr T-Shirt ausziehen, kann nach Ansicht der Gruppe nicht funktionieren, da gierige Blicke und Übergriffe nicht einfach aufhörten, sobald eine weibliche Brust offen präsentiert wird. Es müsse daher ein Umdenken stattfinden, dass Frauen nicht als Objekte, die zur Verfügung stehen, betrachtet werden dürfen. Dieses Umdenken beginnt für die Gruppe bei der Auseinandersetzung mit den eigenen Privilegien, in diesem Fall das Zeigen des nackten Oberkörpers.

Gruppe fordert Gleichberechtigung

Bevor Frauen und weiblich gelesene Personen ihren Körper genauso ungeniert in der Öffentlichkeit zeigen könnten, ohne dafür belangt oder belästigt zu werden, müsse noch einiges passieren in der Gesellschaft. „Und so lange sollten sich Männer solidarisch zeigen, mit uns kämpfen und ihr T-Shirt eben auch anbehalten.“ Man wolle keineswegs ein Verbot erteilen oder „zurück zur Prüderie“. „Wir wollen einfach nur Gleichberechtigung.“

Ob sich die Männer in den Parks an die geforderte „Zurückhaltung“ halten und auf ihr „Oberkörperfrei-Privileg“ aus Respekt den Frauen gegenüber verzichten, wird von den Künstlerinnen und Künstlern nicht kontrolliert. „Wir hoffen auf die Solidarität der Parkbesucher.“ Immerhin habe man schon diverse Diskussionen im Stadtraum sowie auf den sozialen Medien zu dem Thema beobachten können, heißt es.

Bisher wurden vom „Gleichstellungsbüro der Bochumer Parkanlagen“ größere Parks und Grünflächen auf Bochumer und Wittener Stadtgebiet beschildert. Spezielle Kriterien für die Auswahl habe es nicht gegeben, denn dass männliche Personen ohne T-Shirt rumlaufen, passiere ja auf fast allen öffentlichen Grünflächen, sobald die Temperaturen ansteigen.

Bis jetzt agierte die Gruppe nur in Bochum und Witten. Eine ähnliche Aktion in Hamburg habe man in den Medien verfolgt „und uns durch sie inspirieren lassen“. Weitere Aktivitäten der Gruppe sind wahrscheinlich. Denn: „Solange weiterhin Diskriminierung aufgrund des Geschlechts stattfindet, bleiben Aktionen wie diese notwendig.“

Übrigens: Die Schilder des „Gleichstellungsbüro der Bochumer Parkanlagen“ im Volkspark Langendreer wurden von der Stadt Bochum inzwischen entfernt. Wie zuvor auch schon im Stadtpark.

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