Vor der Wahl

OB-Wahl in Bochum: Das sagen die Kandidaten zu teuren Mieten

Eine bezahlbare Wohnung mitten in der Stadt zu finden, ist nicht leicht. Steigende Mieten sorgen oft für Existenzängste. Was wollen unsere OB-Kandidaten für die Menschen tun?

Eine bezahlbare Wohnung mitten in der Stadt zu finden, ist nicht leicht. Steigende Mieten sorgen oft für Existenzängste. Was wollen unsere OB-Kandidaten für die Menschen tun?

Foto: Olaf Ziegler / FUNKE Foto Services

Bochum.  Am 13. September stimmen die Bochumer über ihr Stadtoberhaupt ab. Doch welche Meinung vertreten die Kandidaten? Die WAZ hakt nach. Jetzt: Wohnen.

Selbst wer gut verdient, hat es oft schwer, eine bezahlbare Wohnung in der Stadt zu finden. Stetig steigende Mieten sind ein Problem, das vielen Menschen umtreibt.

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Zur OB-Wahl am 13. September haben wir unsere Kandidaten gefragt: Bezahlbarer Wohnraum ist knapp – welche Ideen haben Sie als Oberbürgermeister von Bochum?

Felix Haltt (FDP):

„Für mich gilt unser Wahlkampfmotto: ,Bauen, Aufstocken, Lücken nutzen’. In zentralen Lagen setze ich auf Hochbau und Dachausbauprogramme, um Wohnraum zu schaffen. Hier sollen Baulücken genutzt werden, um Grün- und Ausgleichsflächen zu schaffen. In dezentralen Lagen hingegen sollen Baulücken geschlossen und neue Wohngebiete erschlossen werden, um zügig Wohnraum in Bochum zu schaffen.
Gleichzeitig sind wir eine Studentenstadt, die davon noch viel zu wenig profitiert. Durch innenstadtnahes studentisches Wohnen und Konzepte der gemischten Nutzung von Gebäudeflächen wie zum Beispiel der Vernetzung von Studentenwohnungen und betreuten Wohneinrichtungen für Senioren will ich den Grundstein für zukunftsweisende Wohnprojekte in Bochum legen.“

Amid Rabieh (Die Linke):

„Statt Bauland an private Investoren zu verkaufen, sollte die Stadt selbst mietpreisgünstige Gemeindewohnungen bauen – oder die Grundstücke nach dem Erbbaurecht an gemeinwohlorientierte Bauträger vergeben. Aktuell verpflichten SPD, CDU und Grüne die mehrheitlich städtische Wohnungsgesellschaft VBW dazu, Millionengewinne an die Stadt abzuführen. Das sorgt für unnötig hohe Mieten. Damit wollen wir Schluss machen. Um die Preisspirale zu stoppen, soll die VBW bei Neuvermietungen auch keine Preise oberhalb des Mietspiegels mehr verlangen. Bei allen kommunalen Förderprogrammen muss festgeschrieben werden, dass nur Maßnahmen förderfähig sind, durch die sich die Warmmiete nicht erhöht. Die Quoten für mietpreisgebundenen Wohnraum werden mit uns deutlich erhöht und verbindlich für alle Bauprojekte.“

Thomas Eiskirch (Kandidat von SPD und Grünen):

„In Bochum sollen alle den Wohnraum finden, den sie wollen. Wir schaffen jedes Jahr 800 neue Wohnungen, davon mindestens 200 als geförderter Wohnraum für Menschen mit weniger Geld. Die Zahl der Baugenehmigungen wurde verdoppelt und das muss auch so weitergehen. Mehr Wohnungen am Markt machen nicht nur die Suche leichter, sondern bremsen auch die Preisspirale. Wir bauen für Familien, Senioren, Azubis, Studierende, Menschen mit Handicap, für Singles und Paare. Zeitgleich muss der Bestand modernisiert werden. Damit erhöhen wir die Wohnqualität, machen Wohnungen barrierearm und senken die Heizkosten. Und für Menschen, die es besonders schwer haben eine Wohnung zu finden, vereinbaren wir ein städtisches Erstvorschlagsrecht bei der Wohnungsvermittlung.“

Jens Lücking (UWG: Freie Bürger):

„Ich bin für eine verbindliche Quote von 30 Prozent an Sozialwohnungen bei Neubaugebieten, die von Bauträgern errichtet werden. So wird auch ein Auseinanderdriften einzelner Stadtteile bei der Sozialstruktur verhindert. Und durch verträgliche Nachverdichtung kann zusätzlicher Wohnraum im Bestand geschaffen werden. Die halbstädtische Wohnbaugesellschaft VBW spielt dabei eine zentrale Rolle.“

Nils-Frederick Brandt (Die Partei):

„Wir nehmen Altbauwohnungen mit vier Metern Deckenhöhe, teilen die horizontal. Miete halbieren, Wohnraum verdoppeln. Verbunden mit einer Wendeltreppe. Unsere nicht besetzten Wahlbezirke werden zu Slums für Fürchtlinge umgewandelt.“

Volker Steude (Die Stadtgestalter):

„Die Mietpreise in Bochum und Wattenscheid sind niedriger als in fast allen deutschen Großstädten. Daher ist es für Investoren attraktiver, in anderen Städten neuen Wohnraum zu schaffen als in Bochum oder dem Ruhrgebiet. Besonders fehlt es an Investoren, die neue Wohnungen im Bestand schaffen, z.B. durch Anbau, Ersatzbau, Aufstockungen oder Dachausbau und bestehenden älteren Wohnraum modernisieren. In Bochum gibt es Wohnquartiere, insbesondere an Hauptverkehrsstraßen, wo kaum jemand leben will. Dort sind Leerstände festzustellen, sowie viele Gebäude mit hohem Sanierungsstau. Die Mietpreise sind so niedrig, dass sich damit keine Sanierungen und Modernisierungen zulassen. Diese Quartiere müssen mit Stadtgestaltungsmaßnahmen attraktiviert werden, damit hier wieder Menschen wohnen wollen.“

Christian Haardt (CDU)

„Alte Wohnungsbestände in der Innenstadt und den Stadtteilzentren sanieren und aufwerten. Neue Flächen für Wohnraum durch die Reaktivierung von Altflächen aber auch durch die Ausweisung von Neuflächen decken und zur flächenschonenden Schaffung neuen Wohnraums ein gezieltes Programm zur Nachverdichtung auflegen. Ich werde mich dafür einsetzen, dass neben der Förderung des sozialen Wohnungsbaus die Entwicklung eines bedarfsgerechten Angebotes an seniorengerechten Wohnungen, aber auch die Bildung von Wohneigentum insbesondere für junge Familien möglich wird.
Auch neue Modelle von Wohnen spielen dabei eine Rolle. Zudem möchte ich weitere Projekte zum Mehrgenerationenwohnen und auch einen Modellversuch für einen Seniorencampus schaffen.“

Günter Gleising (Soziale Liste):

„Wohnen ist ein Grundrecht! Die politisch Verantwortlichen haben zugesehen, wie der soziale Wohnungsbau den Bach runtergegangen ist. Den aus der sozialen Bindung herausgefallenen Wohnungen wurden kaum Neubauten entgegengesetzt. Das Primat lag auf den Bau von Eigenheimen für den Mittelstand. Die regierenden Parteien haben der Privatisierung und der Herausbildung von großen (profitorientierten) Wohnungskonzernen tatenlos zugesehen. Im Fokus ist dabei auch die Wohnungsgesellschaft VBW, an der die Stadt über die Sparkasse und Stadtwerke beteiligt ist. Es ist nicht hinnehmbar, dass jährlich über Mieterhöhungen steigende Umsatzerlöse erzielt werden, um Gewinne in Millionenhöhe an die Stadt abzuführen. Ich unterstütze daher die Forderung des Mietervereins, die VBW wieder zu rekommunalisieren.“

Außerdem kandidiert Ariane Meise für die NPD.

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