Statistik

Nur 2,4 Prozent aller Stiepeler bekommen Sozialleistungen

Sozialdezernentin Britta Anger (links) und Koordinatorin Sandra Brück stellen die neue Broschüre „Bochumer Ortsteile kompakt“ vor.

Sozialdezernentin Britta Anger (links) und Koordinatorin Sandra Brück stellen die neue Broschüre „Bochumer Ortsteile kompakt“ vor.

Foto: Jürgen Theobald / FUNKE Foto Services

Bochum-Süd.  Die Stadtverwaltung legt die Broschüre „Bochumer Ortsteile kompakt“ mit vielen Sozialdaten vor. So haben nur 17 Prozent aller Haushalte Kinder.

Nur 2,4 Prozent der Menschen in Stiepel sind auf Sozialleistungen angewiesen. Dies geht aus der Broschüre „Bochumer Ortsteile kompakt“ hervor, die das Sozialdezernat der Stadt jetzt vorlegt. Damit liegt Stiepel weit vor den anderen Ortsteilen im Bezirk Süd: In Wiemelhausen und Brenschede beziehen 5,6 Prozent Arbeitslosengeld II, in Querenburg sind es sogar 21,1 Prozent. Spitzenreiter im städtischen Vergleich ist Wattenscheid-Mitte: Hier sind 28,8 Prozent der Menschen von ALG II und Sozialgeld abhängig.

Bereits zum neunten Mal fasst das Sozialdezernat die wichtigsten Sozialdaten aller 30 Bochumer Ortsteile in einer über 100-seitigen Broschüre zusammen, die auch online abrufbar ist.

Zahl der Single-Haushalte steigt

Einige Zahlen: Zum Stichtag 31. Dezember 2018 lebten in Bochum genau 370.797 Menschen, von ihnen haben 82.670 einen Migrationshintergrund (22,3 Prozent). „Nach der Zuwanderung von Flüchtlingen im Jahr 2014 geht diese Zahl mittlerweile zurück“, sagt Sozialdezernentin Britta Anger.

Durchaus überraschend: Nur 17 Prozent aller Bochumer Haushalte haben Kinder. „Etwa die Hälfte sind Single-Haushalte, diese Zahl nimmt deutlich zu“, so Anger. „Für eine Studentenstadt wie Bochum ist das nicht ungewöhnlich, und auch viele Senioren leben allein.“ Besonders kinderreiche Familien (ab drei Kinder) leben in Querenburg, in der Innenstadt sowie in Werne und in Wattenscheid. Ihre Ziel stieg in den vergangenen zwölf Jahren von 32 auf 45 Prozent.

Neue Jobs sind entstanden

Der Anteil der Arbeitslosen lag laut der Statistik der Stadt Ende 2018 bei 6,4 Prozent und war rückläufig. Dagegen stieg der Anteil der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten auf 54 Prozent deutlich: „Der Arbeitsmarkt erholt sich“, meint Anger. Dies führt sie etwa darauf zurück, dass nach dem Aus wichtiger Arbeitgeber wie Opel und Nokia jetzt neue Jobs geschaffen werden: „Dies gilt für Menschen mit wenigen Qualifikationen ebenso wie für Arbeitnehmer etwa in der Forschung.“

Besondere Sorge bereitet Anger, dass für 27,7 Prozent aller Kinder unter 15 Jahren Sozialgeld bezahlt wird. „Diese Zahl ist deutlich zu hoch, und es muss eine wichtige Aufgabe sein, auch ihnen bessere Teilhabechancen zu bieten.“

Im direkten Vergleich mit anderen Ruhrgebietsstädten wie Herne, Gelsenkirchen und Essen stehe die Stadt aber gut da. „Bochum geht es gut“, so Anger. „Es gibt viele soziale Maßnahmen etwa am Springerplatz oder im Griesenbruch, wo sich richtig etwas getan hat.“ Auch die Arbeit der Seniorenbüros, die vor fünf Jahren eröffnet wurden, lobt sie. „Doch bis sich all dies in Zahlen in der Statistik niederschlägt, dauert es natürlich noch etwas.“

Kritik von den „Linken“

Deutliche Kritik an dem Bericht „Bochumer Ortsteile kompakt“ äußert die Fraktion „Die Linke“: „Von gleichen Lebensbedingungen kann in Bochum keine Rede sein, die Schere geht weiter auseinander“, sagt Gültaze Aksevi. „Vor sechs Jahren waren in Wattenscheid-Mitte bereits 22,3 Prozent der Menschen auf ALGII und Sozialgeld angewiesen, heute sind es 28,8 Prozent. Das ist eine massive Steigerung.“

Der komplette Bericht findet sich unter www.bochum.de/sozialberichterstattung

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