Anzeige
Bergbau im Revier

Volkshochschule erkundet die Geschichte der Zeche Constantin

Die gut einen halben Quadratkilometer große Zechenanlage „Constantin 6/7“ an der Hiltroper Straße, hier 1967. Repro:WH

Grumme.   Der VHS-Rundgang „Grummer Geschichte“ lässt die Bergbau-Vergangenheit aufleben. Die Teilnehmer sind auf den Trampelpfaden der Kumpel unterwegs.

Anzeige

Die „Werkstatt Constantin“ und eine Trainingsanlage des VfL Bochum sind heute an der Hiltroper Straße über dem historischen Bauerndorf Grumme zu Hause. Das war lange nicht so, wie jetzt der VHS-Kurs beim Rundgang zu „Grumme: Seine Zechen und Bergleute“ feststellte. „Die Zechengroßanlage Constantin 6/7 thronte ab 1901 auf dem Kötterberg über dem Dorf“, erklärt Heimatforscher Peter Hagemeister, der die Gruppe anführt: „Erst nach der Schließung am 31. März 1967 und dem Abriss in den 70er Jahren entstanden auf dem Gelände die beiden Einrichtungen.“

Über Trampelpfade der Bergleute geht es hinauf auf den Kötterberg auf Spurensuche zur Zechengeschichte. Die Bergleute wohnten im Tal. „Denn hier bearbeiteten die Bauern ihre Felder rund um die Zeche weiter, so dass sie über Jahrzehnte mitten im Grünen lag“, schmunzelt Hagemeister über den Traditionssinn.

Ehemaliges Zechencasino

Keine ausgeprägte Zechensiedlung also wie an anderen Standorten. Nur wenig blieb von „Constantin 6/7“ übrig, Reste des historischen Heizungsrohrs, das zum ehemaligen Zechencasino „Kaiseraue“ führte und die Jugendstilbrücke an der Tenthoffstraße, die unter Denkmalschutz steht. Über diese brachten Güterzüge die gewaschenen Kohlen und Kokereiprodukte durch das Zillertal zum Güterbahnhof Riemke.

Von der Zechenanlage blieben nur die Villa des Bergwerkdirektors (Teil der Werkstatt Constantin), der mit einer Betonplatte versiegelte Schacht inklusive Lüfterklappe, sowie ein Junggesellenheim. Darüber hinaus: Viel Grün.

Anzeige

Die Wirtschaft lebte und starb mit der Zeche

Manche Gebäude aus der Bergbauzeit blieben stehen. Etwa das Haus der ehemaligen Bergmannskneipe „Specht“ (Hiltroper Straße). „Die Wirtschaft lebte und starb mit der Zeche“, zitiert der 79-jährige ehemalige Lehrer aus seinem für den Rundgang angefertigten Leseheft. Heißt: Die Kneipe öffnete um 1905 mit dem Abteufen des Schachtes und schloss Ende der 60er Jahre. Im Tal entlang der Teiche gibt es noch Bergmannskotten, heute renoviert und ausgebaut.

Heimathistorische Wanderungen

Zum VHS-Kurs „Grummer Geschichte“ kam es im September 2017. Ratsmitglied Lothar Gräfingholt (CDU): „Vor drei Jahren wurde meine Enkelin Amalia geboren, mein Sohn und meine Schwiegertochter zogen nach Grumme zurück, wo ich auch geboren bin. Da entstand die Idee, die Geschichte des Stadtteils für die nächste Generation festzuhalten“, erinnert er sich. In Hagemeister, Ulrich Linnhoff, Josef Otte und Heinz-Günter Spichartz fand er weitere Aktive. Bei den vier heimathistorischen Wanderungen von November 2017 bis September 2018 gingen jedes Mal gut zehn Personen mit.

Besucherin Ursula Dorpmund fand die Spurensuche spannend. „Ich sehe nun die Gegend mit anderen Augen. Vieles hat sich seit damals verändert“, sagt sie. „Ich lebe seit 40 Jahren hier. Die Hauer und die Zeche kannte ich bisher nur aus Erzählungen. Nun kann ich das gut nachvollziehen“, ergänzt Frank Haeske.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben