Kappskolonie

Heimatforscherin wünscht sich Neuauflage ihrer Bücher

Petra Bödefeld kennt sich gut aus in ihrem Viertel der Kappskolonie: Seit 40 Jahren bewohnt sie mit ihrem Mann eines der Doppelhäuser. Ihr Wissen über die Siedlung hat sie in den achtziger Jahren in zwei Büchern festgehalten.

Petra Bödefeld kennt sich gut aus in ihrem Viertel der Kappskolonie: Seit 40 Jahren bewohnt sie mit ihrem Mann eines der Doppelhäuser. Ihr Wissen über die Siedlung hat sie in den achtziger Jahren in zwei Büchern festgehalten.

Foto: Joachim Haenisch

Hordel.   Die Hordelerin Petra Bödefeld hat 1987 und 1989 historische Bände über die Kappskolonie veröffentlicht. Diese sind mittlerweile heiß begehrt.

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Ein kleines Dorf mitten in der Stadt – das ist die Siedlung Dahlhauser Heide, besser bekannt als „Kappskolonie“. Eine ganze Reihe solcher Zechensiedlungen gibt es im Ruhrgebiet, doch nicht wenige halten die idyllische, fast dörfliche anmutende Kolonie nahe der Dorstener Straße mit ihren typischen urigen Fachwerkhäuschen und den geschwungenen Straßen für die schönste.

Auch für Petra Bödefeld ist die Kappskolonie Heimat und große Liebe gleichermaßen. Seit 40 Jahren wohnt sie mit ihrem Mann in einem der 340 Doppelhäuser mit Garten. Ihr Vater und ihre Großeltern lebten auch schon hier: „Wir sind in der fünften Generation in Hordel“, sagt sie.

Als überzeugte Hordelerin war es für die 61-Jährige, die in der Demenzbetreuung arbeitet, immer auch eine Herzensangelegenheit, die Geschichte des kleinsten Bochumer Stadtteils und insbesondere der Kappskolonie für die Nachwelt festzuhalten. „Als ich 19 Jahre alt war, gab mir mein Vater ein Bild vom Hordeler Saalbau, der heute längst abgerissen ist“, erzählt sie. „Das fand ich faszinierend.“ Seither sammelt sie historische Bilder aus ihrer Umgebung wie andere Menschen Briefmarken.

Werke genießen Kult-Status

Und mehr noch: Ein Besuch bei der VHS brachte sie darauf, ihr gesammeltes geschichtliches Wissen nicht allein für sich zu behalten. In zwei Büchern, die 1987 und 1989 erschienen, beschäftigt sich die ambitionierte Heimatforscherin eingehend mit der Geschichte Hordels. Während das erste Buch eher ein geschichtlicher Abriss ist, stellt sie im zweiten Band Fotos von damals und heute gegenüber. „Das waren etwa Bilder vom Kindergarten“, sagt Bödefeld. „Eines zeigte spielende Kinder 1920, ein anderes dann an gleicher Stelle eine Szene aus 1989.“ All dies zusammen zu tragen, sei eine gehörige Sisyphos-Arbeit gewesen: „Aber es hat sich gelohnt.“

Die Resonanz auf die Veröffentlichungen war riesig, erinnert sich Petra Bödefeld. Beide Bücher erschienen in einer Auflage von jeweils 2000 Exemplaren und waren rasend schnell vergriffen. „Ich hatte Anfragen aus den USA und aus Australien, weil ehemalige Bewohner der Kappskolonie dorthin gezogen waren.“ Auch die Buchhandlung Brockmeyer orderte damals gleich 300 Stück.

Wie stehen die Chancen für eine Neuauflage?

Heute genießen Petra Bödefelds Hordel-Bücher einen legendären Ruf. „Wer eins im Regal stehen hat, gibt es nicht mehr her“, sagt sie schmunzelnd. Auch die Autorin selber hütet ihre letzten beiden Exemplare wie einen ganz besonderen Schatz. Und immer wieder häufen sich bei ihr die Anfragen: „Erst letzte Woche meinte eine ältere Dame, wie schade es doch wäre, dass es meine Bücher nicht mehr zu kaufen gibt.“

Doch wie stehen die Chancen auf eine Neuauflage? Petra Bödefeld hat schon einige Verlage abgeklappert. „Bei denen müsste ich aber selber in Vorkasse treten“, meint sie. Da kämen dann schnell einige tausend Euro zusammen, die eine Neuauflage kosten würde, und das mag sie selber nicht finanzieren. „Da bekäme ich auch Ärger mit meinem Mann“, sagt sie lächelnd. So sucht sie weiter nach einem Verlag, um ihre Bücher über diesen lebendigen Stadtteil vielleicht doch eines Tages neu auflegen zu können. Und wenn sich partout keiner findet? Einen Plan B hat sie schon. „Vielleicht tippe ich das dann alles ins Internet.“

<<<FÜHRUNGEN DURCH DIE KOLONIE

Wer Petra Bödefeld bei der Suche nach einem Verlag helfen möchte, kann sich gerne bei ihr melden. Auch bietet sie regelmäßige Führungen durch die Kappskolonie an und erzählt dabei zahlreiche spannende Geschichten zur Historie. Die nächste Führung soll im März stattfinden, das genau Datum ist noch nicht bekannt.


Kontakt zu Petra Bödefeld: Telefon 0234/ 5 72 94.

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