Klassentreffen

Ehemalige Weilenbrink-Schüler freuen sich übers Wiedersehen

Klassenfoto nach 60 Jahren: Karin Heitbrink, Annette Thurow, Helga Peter, Lothar Bremkens, Dieter Versen, Horst Moritz (vorne v.l.), Hans-Michael Hornberg, Michael Schäfer, Hermann Cornelius, Klaus Blum, Karl-Heinz Stefan (hinten v.l.) sind gemeinsam zur Weilenbrink-Schule gegangen.

Klassenfoto nach 60 Jahren: Karin Heitbrink, Annette Thurow, Helga Peter, Lothar Bremkens, Dieter Versen, Horst Moritz (vorne v.l.), Hans-Michael Hornberg, Michael Schäfer, Hermann Cornelius, Klaus Blum, Karl-Heinz Stefan (hinten v.l.) sind gemeinsam zur Weilenbrink-Schule gegangen.

Foto: Rainer Raffalski / FUNKE Foto Services

Bochum-Mitte.  Drachen steigen lassen und Schleuderbüchsen bauen – Weilenbrink-Schüler erinnern sich beim 60-jährigen Klassentreffen an ihre Schulzeit in Bochum.

„In die Kirche brauchte man nicht zu gehen, aber wehe man war nicht da!“. Horst Moritz erinnert sich lachend an seine Schulzeit und an die zwei Gottesdienste pro Woche, die die Schüler noch vor Unterrichtsbeginn besuchten. 1959, vor stattlichen 60 Jahren, beendete er gemeinsam mit seinen Klassenkameraden die achte Klasse der katholischen Weilenbrink-Schule, die damals noch Volksschule war. Heute treffen sich elf der ehemals 50 Schüler zum Klassentreffen in der Gaststätte „Täubchen“, die offiziell Taubenschlag heißt.

Die Stimmung ist ausgelassen, ja sogar aufgeregt – man hat sich so viel zu erzählen nach all den Jahren, über früher, über gestern und heute. Wie war das, als Schulkind so kurz nach dem Krieg? Horst Moritz und Dieter Versen, die 1951 gemeinsam eingeschult wurden, erinnern sich an riesige Trümmerfelder und verschüttete Straßenzüge. Eltern und Lehrer hatten ihnen das Betreten strengstens verboten, doch für Kinder waren die zerbombten Häuser große Abenteuerspielplätze. Dort bauten sie glühende Schleuderbüchsen, spielten Verstecken und ließen Drachen steigen. Bei Einbruch der Dunkelheit war man jedoch besser wieder daheim.

Nach der vierten Klasse wurden Mädchen und Jungen strikt getrennt

Im Klassenzimmer ging es weniger frei zu. Wer einen Fehler beim allmorgendlichen Kopfrechnen machte, dem drehte der Lehrer die Wange um. „Beim nächsten Mal wussten wir dann die richtige Antwort“ wirft Dieter Versen schmunzelnd ein. Die guten Schüler wurden vom Lehrer in die hinteren Reihen gesetzt, die Schwätzer mussten vorne Platz nehmen. Bis zur vierten Klasse lernten Jungen und Mädchen gemeinsam, ab der fünften wurden die Geschlechter strikt getrennt. „Streng nach katholischen Sitten und Gebräuchen“, sagt Horst Moritz mit einem Lachen. Zwei Schulhöfe gab es, und wenn die Jungstoilette mal kaputt war, dann sorgte ein Aufpasser dafür, dass sich Jungen und Mädchen bloß nicht auf den Toiletten begegneten. Einmal stahl ein Mitschüler eine Birne aus dem Garten des Pfarrers, da stattete das Jugendamt der Familie des Jungen einen Besuch ab.

Der Klassenlehrer hat Nachhilfe am Nachmittag gegeben

Die zerbombten Straßenzüge, die körperliche Züchtigung, die Armut, bei all diesen Umständen erwartet man zunächst nicht den Bericht einer glücklichen Kindheit. Und doch erzählen an diesem Abend viele von der Unbedarftheit, der Ausgelassenheit, die sie die ersten 20 Jahre ihres Lebens begleitete. Vielleicht liegt es an der Zeit, die seitdem vergangen ist, oder an der Einfachheit des Lebens damals, an anderen Umständen. „Wir haben früher mehr erlebt, als das Jugendliche heute tun“, meint Helga Peter, und Horst Moritz sagt: „Wir hatten alle Freiheiten der Welt.“ Außerdem sei das Verhältnis zur Lehrerin näher gewesen, nach der Schule habe man sich noch mit ihr getroffen, Horst Moritz berichtet von freiwilliger Nachhilfe am Nachmittag.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben