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Ausstellung

Der Künstler verarbeitet sein Flucht-Trauma in Bildern

Eindrucksstarke Vernissage mit v.l. VHS-Dozent Rob Leuchtenberger, Künstler Sherwan Yusif und Michael Mijal vom Flüchtlingsbüro.

Foto: Dietmar Wäsche

Gerthe.  Der syrischen Künstler Sherwan Yusif schildert seine Flucht in einer Ausstellung. Die Bilder im Flüchtlingsbüro in Gerthe sind schwer verdaulich.

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Flucht aus dem Bürgerkrieg-umkämpften Damaskus. Schwimmen gegen das Ertrinken am „Todweg“ – der Meeresenge zwischen der Türkei und Griechenland –, als das Boot auseinander bricht. Und dann laufen, laufen, laufen. Tod und Verzweiflung begleiteten immer wieder die Flucht von Mohamad Sherif Ali (Künstlername Sherwan Yusif). 2017 kam er in Bochum an.

Das Trauma seiner Flucht bearbeitete der 56-jährige syrische Künstler in Bildern. Unter dem Motto „Ziel“ stellt er nun 21 davon im Flüchtlingsbüro Nord, Lothringerstraße 13, aus. Bis Freitag, 8. März, sind sie während der Öffnungszeiten zu sehen.

Viele Arbeiten entstanden im Zusammenwirken

Rund 40 Besucher kamen zur Vernissage. Sherwan Yusif ist begeistert. „So viele Leute habe ich überhaupt nicht erwartet“, erklärt der ehemalige Lehrer für Kunsterziehung. Für seinen Mentor und Volkshochschulkurs-Leiter Rob Leuchtenberger, der die Werkeinführung übernimmt, ist das nicht erstaunlich. „Yusif ist zwar ein eher ruhiger, in sich gekehrter Mensch. In unserer Malgruppe in Herne erlebe ich ihn aber immer wieder als herzlich und hilfsbereit“, freut er sich. Viele der Arbeiten entstanden im Zusammenwirken mit der 15-köpfigen Gruppe im Kurs, wie das Entstehungsdatum 2018 zeigt.

Das Leid der Menschen im Bürgerkrieg

Inhaltlich sind einige Werke schwer verdaulich. Denn Flucht und Tod schaut dem Betrachter entgegen. Etwa beim Werk „Ziel 8“, wo eine Frau von einem aus Blut bestehenden Strom quasi geflutet wird. Der aus hunderten von Daumenabdrücken bestehende braune Hintergrund scheint sie zudem zu verschlingen. „Die Abdrücke und das Blut berichten vom Leid der Menschen im Bürgerkrieg“, sagt Yusif dazu. Und auch seinem eigenen.

„Ziel 5“ thematisiert das Ertrinken. Ein Fischkopf wächst aus dem Kopf eines Menschen im Wasser, während ein Schwarm Fische schon seine Körperkonturen abbilden und drohen, ihn unter Wasser zu ziehen.

Weitere Bilder zeigen gesichtlose Menschen zu Fuß unterwegs. Manchmal scheinen sie unter ihrem Leidensdruck zu zerfließen. Aber: Oben drüber ist immer so etwas wie ein Regenbogen. „In diesem Bogen leben die guten Erinnerungen auf, die Mut machen zum Weiterziehen“, berichtet der Künstler dazu.

Mehr Kontakt zu Deutschen

Noch mehr Hoffnung wächst auf Bildern, wo unter den Wanderern Gras sprießt. Ankommen in Deutschland? „Ja“, sagt der Vater einer Tochter, die inzwischen ebenfalls im Land lebt. Für seine Integration wünscht er sich mehr Kontakt zu Deutschen. Sicherheitshalber lässt er das bei seinem Grußwort von Student Azad Abdo, der seit 2000 in Bochum groß wurde, aus dem Arabischen übersetzen.

Die Bildsprache der Werke zieht die Besucher in den Bann, wie Doris Köster. „Es ist entsetzlich, was dieser Mann erlebt hat“, sagt sie: „Mich beeindruckt, mit welchen einfachen Mitteln er das ausdrucksstark uns Betrachtern präsentiert.“

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