Poesie

Darum ging es beim „Poetry Talk“ der Hiltroper SPD

Sie standen beim „Poetry Talk“ auf der Bühne: Die Künstler mit Henry Donner (links) und Jan Bühlbecke (stehend).

Sie standen beim „Poetry Talk“ auf der Bühne: Die Künstler mit Henry Donner (links) und Jan Bühlbecke (stehend).

Foto: Manfred Sander

Hiltrop.   Die SPD Hiltrop hat zum Poetry Talk eingeladen. Auf der Bühne standen junge Künstler, die sich in ihren Texten mit politischen Themen befassen.

Kein klassischer Poetry Slam, sondern „Poetry Talk“, brachte junge Künstler im Gemeindezentrum der Hiltroper Kirche für einen Abend mit stimmungsvoller Literatur sowie politischen Denkanstößen zusammen. Die SPD-Hiltrop hatte einen bunten Abend organisiert, moderiert von Jan Bühlbecker (23), Jungsozialist und selbst Poetry Slammer.

Anders als bei dem klassischen Slam, bei dem einer der Teilnehmer zum Sieger gekürt wird, gibt es bei der Veranstaltung keinen Gewinner. Bühlbecker fordert das Publikum jedoch von Beginn an auf, jeden Poeten mit dem verdienten Applaus zu belohnen.

Regeln sind zu beachten

Einige Regeln sind zu beachten, trotz des fehlenden Wettstreites: Der Vortrag darf nicht länger als sechs Minuten dauern und es Requisiten sind beim Einsatz tabu. „Man darf sich also nicht als Willy Brandt verkleiden, es sei denn, man ist es wirklich. Das wäre aber ziemlich irritierend“, so der 23-jährige Moderator.

Auch mit dem Vorlesen des SPD-Wahlprogrammes würde man disqualifiziert – der Text müsse frei erfunden sein.

Poetin fühlt sich fern der Heimat

Die erste Poetin des Abends ist Svenja Prigora (18). Sie schreibt über Heimat und darüber, fern von dieser zu sein. Und was bedeute Heimat eigentlich? Die Slammerin macht deutlich, dass für sie Heimat kein Ort sei, sondern eine Person. In dem anschließenden Gespräch über den Vortrag merkt Bezirksbürgermeister Heinrich Donner an, dass niemand sich die Geborgenheit von Heimat wegnehmen lassen dürfe, vor allem nicht von „Leuten, die rechts stehen“.

Carolin Annuschelt (23) betritt als Zweite die Bühne, die den Abend mit Literatur in Form eines Briefes an ihre beste Freundin, die an einer schweren Depression leidet, fortsetzt. Sie fordert nach ihrem Aufritt: „Es ist wichtiger denn je, in der engsten Umgebung die Augen für seelische Krankheiten offen zu halten und zu versuchen, zu helfen.“

Von Milchsuppe und Liedern im Radio

Auch Bühlbecker schlüpft kurzzeitig – für nicht mehr als sechs Minuten – in die Rolle des Slammers. In seinem Text „Leah ist blöd“ wirft er die seiner Meinung nach „entscheidende Frage für Nachkriegsdeutschland“ auf: Was ist schlimmer – täglich Milchsuppe essen zu müssen, wie es seine Oma im Krieg tat, oder jeden Tag dieselben fünf Lieder im Radio hören?

Das Fazit des Textes ist, dass Fortschritt nur gemeinsam geht. Errungenschaften wie die Homo-Ehe, das Frauenwahlrecht und der Mindestlohn seien ein guter Fortschritt. Der Name seines Textes? Eine Wette mit der genannten Leah – ob er sich traue, seinem Werk einen solchen Titel zu geben. Er traut sich.

Auch Patrick Adolph (41) alias „Ghost Poet“ gibt sein Können zum Besten: „Ich will mein Land zurück!“, ruft er ins Publikum. „Heute wird direkt gefragt, welche Hautfarbe der Täter hatte.“

Weitere Veranstaltungen geplant

Eine seiner Forderungen: Die Mauern in den Köpfen der Menschen sollen endlich fallen für eine tolerante, faire Gesellschaft. Dieses Thema greift auch der letzte Poet des Abends auf. Moustafa Siala (36) betont, wie wichtig es sei, das Schweigen zu brechen und endlich einzustehen für eine Gesellschaft, in der jeder akzeptiert wird, egal, welches Aussehen, welche Herkunft und Religion er hat.

Die SPD plane erneute Poetry-Slam-Veranstaltungen im März des nächsten Jahres, so Donner.

Ein bunter Abend der modernen Literatur endet und hat vor allem eines erreicht: Er hat zum Nachdenken angeregt.

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