Einzelhandel

Bochumer Schreibwarenladen Gustrau schließt nach 28 Jahren

Der letzte Tornister im Sortiment: „Den werden wir auch noch los“, sagen Ursula und Manfred Gustrau, hier vor ihrem Schreibwarenladen an der Unistraße.

Der letzte Tornister im Sortiment: „Den werden wir auch noch los“, sagen Ursula und Manfred Gustrau, hier vor ihrem Schreibwarenladen an der Unistraße.

Foto: Ingo Otto

Bochum.   Das Ehepaar Gustrau schließt nach fast drei Jahrzehnten ihren Laden. Bis Samstag gibt es allerdings noch Kulis, Zeitungen und gute Gespräche.

Die Schließung war schon oft Thema im Hause Gustrau: „Dann kam der Weihnachtsverkauf, dann wieder Ostern, im Sommer der Schulanfang“, sagt Ursula Gustrau (75) mit einem Lächeln, „das mussten wir doch immer wieder mitnehmen.“ Jetzt ist es aber doch so weit, die beiden Söhne haben die Kleinunternehmer letztlich überzeugt: Der Schreibwarenladen an der Unistraße 67 macht zu.

„Räumungsverkauf“, „Alles muss raus!“ und „Geschäftsaufgabe“ steht auf den Schildern im Schaufenster geschrieben. Noch läuft der Betrieb aber fast wie gewohnt: „Wie kann ich helfen, brauchen Sie ein Körbchen?“, fragt Ursula Gustrau. „das geht so, vielen Dank“, antwortet die Kundin. „4,50 Euro, danke, Auf Wiedersehen“, wieder Gustrau. So geht das hier seit 1991. Radiergummis, Stifte, Blöcke, aber auch Dekoartikel und Weihnachtsschmuck gehen über die Theke. „Den Verkauf habe immer eher ich gemacht“, erzählt Inhaberin Gustrau, „das macht einfach Spaß.“ Ihr Mann Manfred (78) hat sich dagegen um die Zeitungen, den Kopierer und die Buchhaltung gekümmert. Jahrelang neben seiner eigentlichen Arbeit im Büro, seit einiger Zeit jetzt hauptberuflich.

Zu Kunden haben sich auch Freundschaften entwickelt

Er zeigt eine Kartei mit Mappen und Namen: „Hier sortiere ich die Zeitungen ein, die Leute holen sie dann ab“, erklärt er. Bis Samstag. „Dann müssen die alten Tanten ihre Sachen woanders besorgen“, sagt Manfred Gustrau. Sie werdenden Laden vermissen.

Der Kontakt zu den Kunden war beiden Geschäftsleuten wichtig. „Viele sind immer wieder gekommen“, sagt die Inhaberin, „in der langen Zeit haben sich sogar Freundschaften entwickelt“, meint ihr Ehemann.

Vor 15 Jahren brannte das Landenlokal

Gerade kommt eine Kundin herein. Wahrscheinlich zum letzten Mal. Sie bekommt einen Kaffee, übergibt ein kleines Präsent und verabschiedet sich dann mit einer Umarmung. „Wir werden viel an dich denken“, sagt das Ehepaar.

Die Gustraus haben in ihrem Geschäft einiges erlebt: Vor 15 Jahren brannte das Ladenlokal und Ursula Gustrau ging es eine Zeit lang gesundheitlich nicht gut. „Wir haben immer zusammengehalten, sind wieder aufgestanden“, betont Manfred Gustrau, seine Frau nickt. Auch die beiden gemeinsamen Söhne Michael und Tobias haben früher ausgeholfen, sind mit dem Laden aufgewachsen. Jetzt packen sie beim Ausräumen mit an.

Immer Zeit für einen Plausch

Bei Schreibwaren Gustrau war immer Zeit für einen Plausch. Über Politik, die Wehwehchen der Kunden und natürlich über den VfL Bochum. „Einmal hatten wir hier sogar eine Autogrammstunde im Laden“, erinnern sich Vater und Sohn Tobias. Angst, ihre Arbeit in ihrem Geschäft zu vermissen, hat die Chefin nicht: „Ich hab jetzt damit abgeschlossen“, sagt Ursula Gustrau – sie möchte sich eventuell ehrenamtlich engagieren.

Aber Samstag geht’s noch ein letztes Mal zur Arbeit. Mit dem Rad – wie immer. Danach ist erstmal Urlaub geplant. An der Nordsee. „Wir finden schon was mit der Freizeit anzufangen“, sind die beiden sich einig. Und verdient haben sie es sich!

>> INS LADENLOKAL WIRD WOHL EIN NAGELSTUDIO EINZIEHEN

  • Neben dem Kerngeschäft mit Schreibwaren, war der Laden der Gustraus jahrelang a uch Paketannahmestelle und Vorverkaufstelle des VfL Bochum. Mit dem Beginn des Online-Ticketverkaufs war das dann aber vorbei.
  • Ursula und Manfred Gustrau haben ihren Laden noch bis Samstag 13 Uhr geöffnet. Danach ist die Nutzung als Schreibwarenladen erstmal vorüber. In das Ladenlokal wird wohl ein Nagelstudio einziehen.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben